Dienstag, 19. August 2014

Eine faszinierende Klangfülle

Pepe Romero schließt Welttournee in Walkenried ab

Seinen 70. Geburtstag feierte Pepe Romero mit einer Welttournee. Die Konzertreise um die Welt schloss er am Sonntag mit seinem Gastspiel im Kloster Walkenried ab. Mit nur einem Instrument füllte der weltbeste Gitarrist zwei Stunden lang den Kreuzgang mit Noten, Staunen und Harmonie. Am Ende ließ er ein begeistertes Publikum zurück.
Der Abend stand unter dem Titel "Viva Espana" und  bot durchweg spanische Gitarrenliteratur des 19. und 20. Jahrhunderts (Romero zur Stückauswahl).
Zum Beginn war auch der letzte Platz
besetzt. Alle Fotos: tok
Selbst verständlich lag der Fokus auf  der andalusischen Heimat des Meisters. Doch den Auftakt macht die Leyenda aus der Suite espanola von Isaac Albéniz. Ohne Vorrede, ohne Einleitung erklingen die sieben, acht, neun schnellen Läufe und ein Instrument füllt die gotischen Bögen bis unter die Decke mit Wohlklang. Der musikalische Lobgesang auf die Strände Asturiens sind den Publikum nicht zuletzt durch das Werbefernsehen bekannt. Doch Romero spielt anders, klarer, akzentuierter doch doch flüssiger als alle anderen seines Faches. Jeder einzelnen Ton kommt zu seinem Recht, ist treffend gesetzt, bietet dem Zuhörer das erwartete Vergnügen. Das Werk von Albéniz wird sichtbar mit den Ohren und erfährt doch eine einmalige Transparenz. Der Verzicht auf das orchestrale Beiwerk und die Konzentration auf die Gitarre legt das ursprüngliche Werk frei. Über Romeros exaktes Spiel sind bereits Bände geschrieben worden, an diesem Abend wirkt es leicht und locker. Die Töne tanzen geradezu wie die Wellen an den berühmten Stränden Asturiens. Die Musik perlt. Ein einziges Instrument schafft es, diesen riesigen Raum im Kloster Walkenried mit Wohlklang und Wohlgefühl zu füllen. Unglaublich.
Dieses Konzept setzt Romero im "Capriche Àrabe" von Francisco Tarrega fort. Die leichten und luftigen Klängen entführen das Publikum in einen sonnigen Nachmittag in den Süden Spaniens, wenn die große Hitze durch einen leichten Hauch vom Meer vertrieben wird und die Menschen ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Das Lied wirkt grazil und luftig wie die Bauten der Mauren.
Die "Sonata a la Espanola" von Joaquin Rodrigo wird durch einen ganz anderen Tonfall bestimmt. Im Allegro Assai schreitet die Gitarre gravitätisch daher, will auch im Adagio vom Stolzieren nicht lassen, bevor sie im abschließenden Bolero  fast davon rennt.
Die "Fantasia Sevillana" von Joaquín Turina kehrt zum Geist des Abends zurück. Leicht, luftig, perlende Klänge. Pepe Romero hat seine Noten zu geschlagen, spielt nicht mehr vom Blatt. Denn die Musik ist in ihm drin und will nur hinaus. Schnell, aber geordnet, jede Note nach der anderen. Vielleicht liegt hier ein Grund für seine Extraklasse. Pepe Romero besitzt das tiefere Verständnis, er durchschaut die Literatur gründlicher als andere, versteht die innere Logik der Werke und kann deswegen die Stücke weiter entwickeln.
Bereits nach 35 Minuten ist das erste Set gespielt und das Publikum dankt für die Kurzweil schon zur Pause mit überschwänglichen Applaus. Bisher hat Pepe Romero noch nicht ein einziges Wort gesagt, bis hier hat er nur sein Instrument sprechen lassen. Angekündigt ist er als Grandseigneur der Gitarre. Doch wie er so auf der Bühne steht, wirkt er eher wie ein kleiner Junge, der sich darüber freut, dass er mit seiner Musik den anderen soviel Freude bereitet hat. Es ist ein ganz besonderes Wechselspiel zwischen Künstler und Publikum.
Pepe Romero musste sein Frau erst noch
zum Auftritt überreden. 
Es scheint, als hätte sich der Meister warm gespielt, als sei er warm geworden mit dem Publikum, als hätte er seine Schüchternheit überwunden. Er spricht. Romero erläutert die "Aires de la Mancha" von Federico M. Torroba. Diese drehen sich um eine Begegnung, die Don Quichote auf der Sierra Moreno macht und dann erzählen Romero Finger auf der Gitarre die verworrene Geschichte von Liebe, Enttäuschung und Entsagung, von himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt, von neuen Hoffen und von der Unfähigkeit zueinander zu finden. So schön kann Leiden sein, wenn es mit diesen perlenden Tönen und dieser einmaligen und exakten Spielweise vorgetragen wird.
Mit der "Atardecer en Grana" begibt sich das Publikum auf einen Spaziergang durch Granada. Mit diesem Werk hat Pepe Romero einst die Eindrücke eines Besuchs in der Alhambra verarbeitet. Sein Werk ist geprägt vom Staunen über die architektonischen Leistungen der Mauren. Die drei anschließenden Lieder von Agustin Castellón sind eine Liebeserklärung an das Leben und vor allem an die Freude, Besonders bei der "Fiesta en Jerez" lässt Romero die Noten gerade zu tanzen. Das ist Viva Espana!
Ein Werk seines Vaters Celedonio Romero schließt nach mehr als 70 Minuten das zweite Set ab. Kaum spielt Pepe Romero ein paar Noten der "Noche en Málaga" schon antworten aus dem hinteren Kreuzgang ein paar Kastagnetten. Romeros Frau schreitet im Flamengo-Kostüm Tänzerin durch die Reihen auf die Bühne. Es ensteht ein Dialog zwischen Musiker und Tänzerin. Die Saiten und die Hölzer spielen auf höchsten Niveau ein Spiel von Nähe und Ferne, von Ranrücken und Abrücken, von Begehren und doch nicht bekommen, ein Spiel von gleich berechtigten Partnern und die Romeros lassen ihr Publikum daran teilen, auch an ihrem Glück. Wie er im Interview erklärt, war der gemeinsame Auftritt ein spontaner Entschluss. Trotzdem war es ein Hochgenuss.
Der Rest ist nur noch Applaus und Vorfreude auf das Konzert im September 2015, dann wieder als Quartett "Los Romeros".


Das Interview zur Tournee und zum Konzert

Das Interview 2013
Pepe Romero im Kreuzgangkonzert 2013

Die Website von Pepe Romero
Pepe Romero bei Wikipedia

Die Kreuzgangkonzerte