Sonntag, 2. November 2014

Alle sind auf der Suche, einige finden sich

Matthias Kaschig inszeniert einen rasanten Sommernachtstraum am DT

Der Sommernachtstraum ist  Shakespeares erfolgreichstes Stück, wenn man die Anzahl der Aufführungen zu Grunde legt. Schließlich steckt der Stoff voller wundersamer Geschichten und zahlreicher Handlungsstränge, die zum Schluss doch zusammenlaufen. In seiner Inszenierung am Deutschen Theater hat sich Matthias Kaschig auf einige wenige Aspekte konzentriert. Herausgekommen ist eine Komödie über sexuelle Findung, gepaart mit bunten Slapstick. Alles zusammen in einem rasanten Tempo.
Die Aufführung setzt mittendrin ein. Hermia, Lysander, Helena und Demetrius stehen ins Schüleruniformen auf der blanken Bühne. Sie stimmen "Underneath the Mango Tree" an, ein Calypso aus dem ersten Bond-Film, und trällern vom Liebesglück. Wie verliebte Teenager es halt manchmal so tun.
Nun beginnen die Rangeleien. Jeder schubst jeden, zerrt an dem anderen, will Arm in Arm unterhaken und wird abgewiesen. Mit einfachen Mitteln ist es Kaschig gelungen, die Diskrepanz zwischen Wunsch und Bühnenrealität umzusetzten. Hermia liebt Lysander und Lysander liebt Hermia, aber Demetrius liebt auch die Hermia, während er die Liebe Helenas sehr deutlich verschmäht. Der Reigen kann beginnen und vorläufig bleibt es Rahel Weiss in der Rolle der Helena vorbehalten, Akzente zu setzen. Gleiche gelingt Katharina Uhland im dritten Akt. Emre Aksizoglu darf leider nur im Schrei-Modus agieren.
Zettel hat keinen Traum, aber eine Vision vom
besseren Theater. Alle Fotos: DT/Austin
Leider sind der Dramaturgie einige Eckdaten zum Opfer gefallen. Der Konflikt Theseus - Hippolyta, der Streit zwischen Hermia und ihrem Vater Egeus um die angestrebte Zwangsheirat mit Demetrius kommt nicht zur Sprache, auch der Streit zwischen Oberon und Titania, zwischen Feen und Elfen wirkt weichgespült.Dadurch verschenkt eine Menge an Potential, an Erzaehlbaren und an Erklärungen.  Damit wird der Sommernachtstraum aufweise Tennisturnier reduziert. 
 erschließt sich nur, wenn man Shakespeares Vorlage im Hinterkopf memoriert, zum Beispiel die Einordnung der Theatertruppe.
Teenager Abgang, Auftritt Handwerker. Nun beginnt eine amüsante Revue zum Thema Amateurtheater im Wechselspiel von Belanglos, Überfordert und Überambitioniert. Gerhard Zinck ist von Anfang drin in der Rolle des Zettels, der versucht, alle an die Wand zu spielen. Mit großen Gesten und  verklärter Mimik karikiert er den Handwerker, der sich zu Höherem beruft fühlt, seine Chance gekommen sieht und natürlich als Esel scheitern muss.
Nachdem nun die beiden Motive auf karger, reduzierter Bühne eingeführt wurden, da kommt mit Getöse das gute Stück zum Einsatz. Einen Zauberwald gewissermaßen in der Vertikalen hat Michael Böhler für diese Inzsenierung umgesetzten. Das mehrstöckige Gebäude, das drohende Fratze und Versteck zugleich ist, gibt die technische Basis für eine Parallelität der Ereignisse.
Die Elfen bewundern den verzauberten Zettel.
Es ist sicherlich eine nette Idee, die Rolle von Oberon und Titania gewissermaßen im Transgender-Modus zu vergeben. Karl Miller in der Rolle der Elfenkönigin sorgt für die lasziven Frank'n'Furter-Momente in dieser Aufführung. Gaby Dey bleibt als Oberon zu wenig Platz, um ihre Qualitäten auszuspielen. Sie muss sich auf das Rezitieren beschränken, das gibt der Rolle ein deutliche Hölzernkeit. Einzig Benedikt Kauff als Puck erweitert hier das Spektrum. Sein Troll ist fast schon ein Mephisto, aber auf jeden Fall mit jeder Menge diabolischer Mimik und Sprachvermögen.
Matthias Kaschig konzentriert sich auf die Findung der Liebespaare Lysander - Hermia und Helena - Demetrius. So wirkt dann die Auflösung des Handwerker-Strangs ein wenig unmotiviert, weil ihr die Einordnung in die Gesamtgeschichte abhanden gekommen ist. Dafür entschädigt er uns mit einem rasanten Reigen von Slapstick-Elementen und das Publikum bedankt sich mit jeder Menge Lacher.



Das Stück in der Selbstdarstellung

Der Sommernachtstraum am Jungen Theater
Der Sommernachtstraum als Tanztheater in Nordhausen