Montag, 15. Dezember 2014

Weihnachten ohne Zuckerguss

ensemble frauenkirche dresden mit lebhaften Programm in Kreuzgang

Wer sagt eigentlich, das Musik zu Weihnachten immer verinnerlicht, weltvergessen, leidensbetont und gravitätisch sein muss? Mit dem Programm "Fatto per la notte di natale" zeigte das ensemble frauenkirche dresden, dass die Komponisten des Barocks und der Klassik ganz anderer Meinung sind. Vom ersten bis zu letzten Takt hüpfte und jubilierte die Musik. Der eigene Anspruch des Ensembles war es, zu zeigen, wie in der Frauenkirche Weihnachten gefeiert wird. Offensichtlich ist in Dresden das Fest der Christen ein Fest der Freude.
Musik zu Weihnachten kann auch Musik mit sehr viel
Freude sein. Alle Fotos: tok
Seine unverkrampfte Haltung zur Weihnachtsmusik macht der Klangkörper gleich mit der Sinfonie G-Dur von Carl Philipp Emmanuel Bach deutlich. Aus dem Allegro assai arbeitet das ensemble frauenkrich so viel Dynamik heraus, dass es fast den ganzen Abend reichen würde. Dabei zeigt sich das Dezett als geschlossener Verband. Das Andante ist zurückhaltender im Volumen, aber verliert nicht merklich an Tempo. Die Tonsetzung bleibt präzise und prägnant, hier wird nichts verschliffen. Es ist kein Wunder zu Weihnachten, dass im Allegretto der leichte und graziöse Charakter im Stück von C.P.E Bach voll zur Geltung kommt.
Das ensemble frauenkirche geht auf die Initiative von Matthias Grünert zurück. Seit Januar 2015 ist der gebürtige Franke Kantor an der Dresdner Kirche. Seitdem konnte er wichtige Impulse nicht nur in Dresdens Hauptkirche setzten. Das ensemble versteht sich als Wegbegleitung der hauseigenen Chöre. Aber an diesem Abend im Walkenrieder Kloster beweißt das Dezett, dass es eben auch eigene musikalische Standpunkte liefert. Dabei hat Dirigent und Cembalist Matthias Grünert, ähnlich wie Jörg Faßmann an der ersten Violine, eher die Rolle eines primus inter pares inne. Seine Ensemble leitet er den ganzen Abend unauffällig, ohne Attitüde und mit leichter Hand. Dass Grünert eben auch zu den besten Instrumentalisten seines Faches gehört, zeigt er im Cembalokonzert in D-Dur von Johann Sebastian Bach.
Auch in den schwierigen Passagen gelingt dem
Ensemble eine klare und pointierte Spielweise.
Kaskaden von schnelle, quirligen Tönen fluten in diesem Hochleistungswerk von der Bühne. Matthias Grünert gibt ein enormes Tempo vor, dem die Streicher voller Freude folgen. Auch hier strudelt die Spielfreude und die Freude auf das Fest.
Dieses hohe Niveau hält das Ensemble auch in der Salzburger Sinfonie von Wolfgang Amadeus Mozart. Es zeigt mit seiner rasanten und pointierten Spielweise im Allegro di molto seine ganze Extraklasse. Für jubilierende Weihnachtsmusik braucht man keine Blechbläser. Diese Streicher schaffen es auch.
Das auch Jörg Flaßmannein primus inter pares ist, das zeigt er im Violinkonzert C-Dur von Joseph Haydn. Mit routinierter und souveränem Spiel bewältigt er die zahlreichen Tempowechsel, setzt eigene Akzente und lässt dem Ensemble doch genug Raum umzu wirken. Das Wechselspiel Solo - tutti im Allegro moderato gehört zu den Höhepunkten des Abends. Das rhythmusbetonte Presto vereint den Solisten und das Ensemble wieder.
Jörg Faßmann ist ein primus inter pares.
Alle genannten Stärken darf das ensemble frauenkirche im letzten Werk des Abends noch einmal ausspielen. Das Concerto grosso von Arcangelo Corelli, eben auch unter Fatto per la notte di natale bekannt, gibt den Ensemble mit seinen Anforderungen, den zahlreichen Stimmungswechseln , den schnellen und ansteigenden Tempo noch einmal den Boden, um die Merkmal dieses Klangkörpers zu betonen: das geschlossene Erscheinungsbild auf höchstem Niveau und die Freude am Spiel und am Zusammenspiel. Selbst das Pastorale versinkt nicht im Zuckerguss der Weltvergessenheit. Damit könnte die Dramaturgie dieses Konzert gar nicht besser sein.
Also will sich das Publikum nicht mit fünf Stücken abspeisen lassen. Wie gefordert, bekommt es mit dem dritten Satz aus Vivaldis A-Dur Konzert die wohlverdiente Zugabe.




In diesem Sinnen: Frohe dich, oh Christenheit

Das enbsemble frauenkirche dresden

Die Kreuzgang-Konzerte