Sonntag, 5. Februar 2017

Bewährtes eben nur anders verpackt


Jörg Knör zeigt Jahresrückblick
Knör ist vielleicht der beste Parodist im deutschsprachigen Raum. Aber er will mehr, er will zum Entertainer reifen. Dass dies nicht immer gelingt, zeigte sein Programm "Das war's mit Stars 2016". Was als humorvoller und satirischer Rückblick auf das Jahr 2016 angekündigt wurde, entpuppte sich streckenweise als Aneinanderreihung bekannter Gags.

Keine Frage, Knör ist noch ganz alte Schule. Er kann mit dem Publikum umgehen, er zeigt auch ein wenig Selbstironie und kann über sich selbst lachen. Das geht den jüngeren Kollegen meist ab. Er kann singen und Saxophon und Blockflöte spielen und den Schnellzeichner kann er auch. Er ist wohl auf dem Weg zum Entertainer, zum ganzheitlichen Unterhalter.

Jörg Knör als Jörg Knör.
Alle Fotos: tok
Deswegen ist es so schade, dass in diesem Programm das Motiv "Mit heißer Nadel gestrickt" überall durchscheint. Dies beginnt bereits beim Bühnenbild. Das stammt nämlich zum allergrößten Teil noch aus de Programm "VIP VIP Hurra", mit dem Knör vor zwei Jahren unterwegs war.

Trotzdem fängt er das Publikum ein, weil die Bilder auf der Multivisionswand zeigen, dass sich Knör vorher mit dem Auftrittsort beschäftigt hat. Das schmeichelt den Besuchten und ist Teil seines Konzeptes ( siehe Interview von 2015).

Ob 2016 ereignisreicher als andere Jahre, das sei dahingestellt. Aber dieses Jahr war vor allen vom Tod zahlreicher Stars und Sternchen geprägt. Warum Knör dann vor allem Prominente auftreten lässt, die schon längst der Verwesung übergeben wurden, dieses Geheimnis sollte er nicht mit ins Grab nehmen.

Sicherlich, die "Helmut und Loki im Raucherhimmel"-Nummer ist großartig, weil sie die Schmidts nicht nur erdet, sondern auch das Besondere am Altkanzler, seine Einzigartigkeit deutlich macht. Aber Helmut Schmidt starb schon 2015 und in dieser Nummer gibt es keinen Bezug auf aktuelle Geschehnisse.

Da hat Marcel Reich-Ranicki einen deutlichen Vorteil. Zwar hat er das Zeitliche schon längst gesegnet, aber es gibt wenigstens einen Anlass, auf die Bühne zurückzukehren. Er darf die Literaturnobelpreis für Bob Dylan kommentieren und das macht er gut. Knör gelingt es, durch die Parodie die ganze Selbstgefälligkeit dieser selbst ernannten Koryphäe deutlich zu machen. Seine exaltierte Gestik und seine geschraubte Sprache trifft er auf den Punkt.

Lebt der alte Kleider-Karl noch? Was hat Lagerfeld
2016 gemacht?
 
Auch in der Parodie von Xavier Naidoo gelingt es Knör, dem Publikum die ganze Schwülstigkeit des Urvaters des deutschen Jammerpops durch Übertreibung vorzuführen. Wenn er solche Klasse hat, warum versucht Knör dann, diese Nummern durch ein vermeintlich gemeinsames Motto in eine Zwangsjacke zu pressen, die doch überall zwickt? Was hat in einer Rückschau 2016 Knörs  Auftritt beim Supertalent 2013 zu suchen?

Die Nummer sind gefällig bis humorvoll, aber zurückblickend muss man sagen: Damit tut Knör sich keinen Gefallen. Die Tatsache, dass der Auftritt in Osterode der vorletzte mit diesem Programm war, ist eine positive Perspektive.

Eigentlich kann er's ja viell besser.  Es bleibt zu hoffen, dass er mit seinem Traumprogramm "Filou" ab dem Herbst 2017 mehr Fortune hat.




Interview #2: Lachen können ist ein Frage des Selbstbewusstseins
Interview #1: Ich bin noch ganz alte Schule

Auftritt #1:  Reise in gute alte Zeit

Internet #1: Die offizielle Website 
Internet #2: Knör bei wikipedia