Dienstag, 8. September 2015

Vier Gitarren – drei Stile

Los Romeros spielen im Kloster Walkenried

So etwas kann man getrost Heimspiel nennen. Am Sonntag spielten Los Romeros im Kreuzgang im Kloster Walkenried. Damit erneuerte das Quartett seine innige Beziehung zum Spielort und zum Publikum. Das Zwei-Generationen-Projekt zeigte auch, dass es sehr unterschiedliche Weisen gibt, die klassische Gitarre zu spielen.

Doch, Künstler, Raum und Publikum, das ist in Walkenried schon eine innige Dreiecksbeziehung. Es liegt wohl an der Akustik des Kreuzgangs, die wie gemacht scheint für Gitarrenmusik und am Publikum, das jeden Ton begierig aufnimmt. Es entsteht ein Wechselspiel, von dem alle profitieren. So auch am Sonntag. Deswegen darf Celino Romero auch den Aufführungsort loben, ohne das es aufgesetzt wirkt.

Ein Familienunternehmen: Los Romeros.
Alle Fotos: tok
Der Beginn ist wegweisend für den Abend. Auf dem Progammzettel steht an erster Stelle das Präludium aus dem Einakter „La Revoltosa“ von Ruperto Chapi y Lorente. Das Werk hat alles, was der der allgemeine Mitteleuropäer von spanischer Musik erwartet. Es verdichtet die Tradition auf wenige Minute. Da sind die kraftvollen Akkorde im Wechsel mit den verschleppten, verzögerten Tönen in den Soli, gepaart mit den Rhythmen, denen man sich gar nicht entziehen mag. Hier zeigt sich das Quartett als Ensemble, dass bei aller Routine und Erfahrung im Zusammenspiel die Spielfreude scheinbar immer neu erfindet. Der volle Klang liegt nicht an der Vielzahl der Instrument, sonder daran, dass jeder Virtuose sein Instrument anders behandelt, ihm eine andere Klangnuance entlockt.

Dem Ensemble folgt das Solo.  Pepe Romero hat einen guten Bekannten im Gepäck. Isaac Albéniz und die Nr. 5 aus der "Suite espanola". Tausendmal gehört, scheint dieses Stück wie für Pepe Romero gemacht. Der Meister versinkt in dieser Flut von Tönen, die aus seinem Instrument sprudeln. Trotzdem bleibt er der Meister. Seine einmalige weiche Art, die Gitarre zu bedienen, macht aus dem schroffen Werk mit schnellen Wechseln ein fast schon meditatives Stück. Das Publikum überlässt sich derweil dem eigenen Kopfkino zum Thema Spaniens Küsten.

Ganz anderes klingt das Duo mit Celino Romero. In die "Tonadilla" von Joaquin Rodrigo bringt er die Dynamik. Es entwickelt sich ein Miteinander mit höchsten Verständnis. Auch der selbstironische Schluss mit den Volten ist ein Zeichen der Seelenverwandtschaft.

Mit dem Gitarrenquintett von Boccherini zeigen die Romeros wieder ihre Extraklasse. Vier Instrumente klingen wie ein ganzes Orchester. Jeder nimmt einen musikalischen Faden auf, entwickelt das Motiv und gibt es an seinen Nebenmann weiter. Der nimmt den musikalischen Faden auf und entwickelt das Thema weiter.

Am Ende herrschte pure Begeisterung. 
Doch den stärksten Eindruck hinterlässt an diesem Abend das Solo von Celin Romero mit dem Präludium Nr. 1 und Nr. 3. von Heitor Villa Lobos. Von sein Bruder Pepe mit Reichtum glänzt, setzt der älteste Romero auf Reduktion. Jeder Ton scheint präzise, kräftig und konzentriert gesetzt, steht für sich allein, wirkt und verzaubert.

Es ist die andere Seite Spaniens. Die Traurigkeit eines Don Quichotte tropft von den Wänden und wendet sich zum Schluss doch in einer heitere Zuversicht.

An dieser Stelle machen Celino und Lito Romero mit dem Tanz "Oriental" von Enrique Granados weiter. Die poetische Zurückhaltung ruft Bilder von schattigen Gärten hervor.

Der Abschluss kommt mit Schwung und als Quartett. Die Romeros spielen die Suite flamca von Pepe Romero und dürfen mit der Klangfülle glänzen. Der Kreis schließt sich. Ähnlich wie "La Revoltosa" am Anfang komprimiert dieses Werk die typischen Elemente, den Wechsel von kraftvollen Akkorden im Tutti im Wechsel mit den verschleppten Töne in den Soli zu einer Ode an die Musik Spaniens. Das Publikum quittiert die Leistung mit frenetischen Beifall.

Einziger Wermutstropfen. Die Romeros werden erst 2017 in den geliebten Kreuzgang zurückkehren.

Die Romeros bei wikipedia
Die offizielle Website

Die Kreuzgangkonzerte in Walkenried

Interview Nummer eins mit Pepe Romero
Interview Nummer zwei mit Pepe Romero