Direkt zum Hauptbereich

Mutter Courage: Auf halber Strecke stehengeblieben

Einfach zu linientreu


Mutter Courage und ihre Kinder im Deutschen Theater


Der Krieg frisst seine Kinder und manchmal stirbt ein Stück an zuviel Werktreue. Die Inszenierung der Mutter Courage und ihrer Kinder erstickt jedenfalls an zuviel Liebe zum Vater.

Der Anfang ist viel versprechend. Eine Stimme aus dem Off fordert das Publikum zu mehr Aufmerksamkeit und zum Abschalten der Mobiltelefon. an  fühlt man sich ertappt und schon ist man mittendrin.

Mutter Courage und ihre Kinder, das ist
in erster Linie Erzähltheater. Foto: DT
Dem gelungenen Auftakt folgt aber keine ebenbürtige Fortsetzung. Die Einführung wird heruntergerattert und Mutter Courage und ihre Kinder wirken auf der Bühne deplazeirt wie Statuen aus dem Brecht-Museum. Die Bühne ist leer gefegt, selbst der Wagen der Marketenderin, eine Konstante und  zentrales Gegenstand im Werk, fehlt.  Immerhin ist es doch der Wagen mit den Waren, der die Anna Fierling erst zur Marketenderin macht.

Eine Inszenierung, die den Konsumwahn thematisieren will, sollte auch das zeigen, was konsumiert wird. Ansonsten bleibt die Erkenntnisse, das eine Kostümierung mit Alltagskleidung in einem Klassiker noch lange keinen Zeitbezug schafft.

So versprüht die Inszenierung von Felix Rothenhäusler eher den Charme einer Generalprobe eines Schülertheaters. Der Verzicht auf Requisiten reduziert die Symbolik unzulässig. Das Ensemble steht mit leeren Händen da. Die Interaktion der Handelnden findet so nur im Kopf des Publikums und verbleibt somit in der Logik der in den Bühnenraum gestellten Schauspieler-Statuen.

Überhaupt ist diese Inszenierung so sehr episches Theater,dass die Dramatik gänzlich verschwindet. Und selbst das Erzählen ist in dieser Inszenierung roboterhaft. Einzig Meinolf Steiner als Koch und Nicolas Kühn als Erzähler, asl Werber und als Obrist geben ihren Stimmen die kleinen Nuancen, die den Unterschied ausmachen. Dramatisch wird es gar erst am Ende, wenn Vanessa Czapla als Katty trommelnd von ihrem eigenen Tod erzählen darf. So kommt zum verheißungsvollen Auftakt wegens ein versöhnlicher Abgesang. Aber im Großen und Ganzen bleibt diese Inszenierung  der Werktreue verhaftet und somit ein Schau- und Erzählstück aus der Mitte des 20. Jahrhunderts.


Die hauseigene Beschreibung

Die nächsten Aufführungen finden am 28. März und am 5., 10., 22. und 26. April statt.




Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Erich Kästner mal als Skandalnudel

Deutsches Theater bringt Kästners Fabian auf die Bühne Kinderbuchautor und Komiker, das sind die Etiketten mit denen Erich Kästner gemeinhin beklebt wird. Aber er konnte auch ganz anders. Das beweist die Inszenierung seines "Fabian" am Deutsch Theater in Göttingen. Doch die Premiere hinterlässt einen gemischten Eindruck. Es sind unruhige Zeiten im Berlin Ende der 20-er Anfang der 30-er Jahre. Die Freiheit der Weimarer Republik trifft auf die Weltwirtschaftskrise. An jeder Ecke lauert die Entlassung. Die aufstrebenden Nationalsozialisten liefern sich Straßenkämpfe mit den Kommunisten. In diesen Zeitenwechsel hinein veröffentlichte Erich Kästner 1931 seinen Roman "Fabian.Die Geschichte eines Moralisten". Zuvor hatte der Verleger ihm einige Zugeständnisse abgerungen, damit das Werk überhaupt erscheinen konnte. Den ursprünglichen Untertitel "Der Gang vor die Hunde" bekam das Werk erst bei der Neuauflage 2013 zurück. Nicht nur inhaltlich auch stilistisc...

Endlich ist Korruption gleichberechtigt

Premiere auf dem schmalen Grat: Gogols Revisor im Deutschen Theater Göttingen Um mal ins Olympia-Sprech zu verfallen: Die Premiere von "Der Revisor" am 14. Februar im DT Göttingen war eine geschlossene Mannschaftsleistung und eine beeindruckende Perfomance. Alle Beteiligten waren auf den Punkt top-fit. Deswegen geht die Gold-Medaille zu recht an die Equipe von Regisseurin Ulrike Arnold. Raffgier ist ein ständiger Begleiter Die Vorlage des russischen Dramatikers Nikolai Gogol ist fast 200 Jahre alt. Doch die Inszenierung am DT Göttingen hat gezeigt, dass ihre Themen und ihre Akteure immer noch sind. Ein Stück zeitlos zu machen, indem man die treibenden Kräfte bloßlegt und aktuell hält, dass ist die hohe Kunst des Theater und das ist in dieser Aufführung durchweg. Dann auch noch mit einer Komödie, da doch Humor sehr zeitgebunden ist. Als falscher Revisor hat Marco Matthes (Mitte) leichtes Spiel mit den Provinzpromis.  Alle Fotos: DT Göttingen    Diese Kunststück ...

Dieter Nuhr offenbart sich als Menschenfreund in Vollzeit

In Goslar zeigt er Werke, die Distanz schaffen Seit dem Auftritt von Christo hat keine Werkschau in Goslar solch ein Aufsehen erregt. Dieter Nuhr stellt dort aus unter dem Titel „Du denkst an durchfahrene Länder“. Es geht um Menschen und Landschaft, denen der Mann vom Niederrhein auf seinen Reisen um die Welt begegnet ist.  Zur Vernissage am 21. Juli war der Garten im Mönchehaus Museum bis auf den wirklich allerletzten Platz belegt. Direktorin Bettina Ruhrberg und Dieter Nuhr machten im Einführungsgespräch deutlich, dass man den Kabarettisten und Künstler voneinander trennen sollte, auch wenn es nicht immer gelingt. Schließlich geht es um zwei Seiten derselben Person.  Dieter Nuhr begann sein Studium als Kunstlehrer 1981 an der Folkwangschule in Essen. Er wollte Künstler werden, sein Vater bestand auf den Lehrer. ein typischer Kompromiss für die alte Bundesrepublik der 70-er und 80-er Jahre. Dass er dann Kabarettist geworden ist, bezeichnete er als Unfall und dann als Glücksfa...