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Posts mit dem Label "Hildesheim" werden angezeigt.

Auf die Kleinigkeiten achten

Tristan und Isolde am Theater für Niedersachsen Wagner zum Auftakt. Fünf Monate lang wurde das Theater für Niedersachsen renoviert. Zur Wiedereröffnung gab es "Tristan und Isolde". Die Inszenierung von Tobias Heyder zeigte sich der Tradition verpflichtet. Die Darsteller überzeugen mit guten Leistungen, aber den Star des Abends gab es nicht zu sehen. In seiner Eröffnung scherzte  der Intendant. Man habe sich solch ein Mammutwerk ausgesucht, um die Qualität der neuen Bestuhlung zu testen, so Jörg Gade. Immerhin ist die Dauer der Oper mit 4 Stunden 45 Minuten angegeben. Die Sitzprobe fiel positiv aus. Ein anderes Ziel der Renovierung war nach Gades Angaben auch die Verbesserung der Akustik. Davon profitierte an diesem Abend vor allem das Orchester. Abgesehen von modischen Ergänzung bleibt Heyders Interpretation massenkompatibel. Der  Regisseur aus Hamburg scheut das Risiko und liefert eine Aufführung ab, die bestimmt keinen Skandal erregt, weil das Skandal-Potential nur ...

Ein Stück wie eine Axt

Ein beeindruckender Michael Kohlhaas am TfN Wenn man Literatur so auf die Bühne bringt, dann darf man sich nicht wundern, dass das Publikum hinterher begeistert ist. Mit seinem "Michael Kohlhaas" hat Moritz Nikolaus Koch am Theater für Niedersachsen eine Inszenierung vorgelegt, die zugleich verstört und begeistert. In der Uraufführung gab es schon zur Pause tosenden Applaus. Kleist Novelle ist das Synonym für einen Menschen, der ein berechtigtes Anliegen hat, aber bei der Umsetzung jegliches Gefühl für die Verhältnismäßigkeit verloren hat. Berechtigte Empörung schlägt hier in Hass um. Für Kleist ist Kohlhaas das Opfer aristokratischer Ränke und damit ein dunkler Held aufklärerischer Ambitionen gegen staatliche Willkür. In seiner Bühnenfassung verschiebt Koch die Akzente deutlich. Aus dem Opfer wird schnell ein Täter und damit die Blaupause für einen Wutbürger in der übersteigerten Form. Er ist kein bürgerlicher Don Quichote im Sinne von Ernst Bloch sondern einfach ein a...

Musikalischer Brückenschlag gelungen

Knabenchor Hannover und la festa musicale im Hildesheimer Dom Es gibt Konzerte, von denen man wünscht, sie gingen nie zu Ende. Tritt das aber nicht ein, dann hat  man aber trotzdem seinen Frieden mit der Welt geschlossen. Der Auftritt des Barockorchesters "la festa musicale" und in des Knabenchor Hannover im Hildeheimer Dom war solch ein Abend. Am Schluss lässt sich das Konzert mit einem Begriff zusammenfassen: Rundum gelungen. Die seit langem angespannten Beziehungen zwischen der Landeshauptstadt und Hildesheim zu verbessern, das muss der Sparkassenstiftung wohl eine Herzensangelegenheit sein. Was sollte sonst der Beweggrund gewesen sein, gleich zwei Hannöversche Ensembles ins Allerheiligste einzuladen? Genauso gewagt war das Programm. Vor allem italienische Barocker der eher unbekannten Art standen auf dem Zettel. Mit der Musik von Agostino Steffani, Diogenio Bigaglia und Antonio Lotti sollte noch einmal verdeutlicht werden, dass es einst einen regen Austausch zwische...

Quicklebendig in den Tod

TfN spielt die Love Story Hier ist alles auf das Ende hin konstruiert und das dürfte bekannt sein: Jennifer Cavalleri ist tot. Im zarten Alter von 25 rafft sie die Leukämie dahin. Doch bis es soweit ist, zeigt sich das Ensemble des Theater für Niedersachsen quicklebendig. IN der Inszenierung von Chef Jörg Gade bleiben die Taschentuch-Phasen erfreulich kurz. Als Film war Love Story die Gefühlsattacke der 70er Jahre. Die Geschichte ist auch herzzerreißend. Junger Schnösel trifft auf talentiertes Mädchen aus einfachen Verhältnissen. Nach ersten Zankereien verlieben sie sich ineinander. Gegen den Widerstand seiner Eltern heiraten beide und verzichten auf Geld und Karriere. Unter widrigen Umständen bringt er sein Studium zu Ende und bekommt eine Anstellung. Doch als alles gut zu werden droht, erkrankt sie und stirbt in Windeseile. Vierzig Jahre später haben Stephen Clark und Howard Goodall daraus ein Musical gemacht. die Inszenierung von Jörg Gade am TfN überzeugt, weil sie den Fokus...

Nur im Ansatz gelungen

Hohe Ansprüche: "1984" am Theater für Niedersachsen  Big Data ist Big Brother. Unter diesem Leitsatz inszenierte Reiner Müller am Theater für Niedersachsen die Bühnenfassung von Orwells Klassiker "1984". Doch die Premiere am Sonnabend zeigte, dass die eigenen Ansprüche nur teil umgesetzt werden konnten. Der Aktualitätsanspruch fehlt über weite Strecken.Es bleibt die Darstellung eines totalitären Staatsapparates. Die Anbindung sind die Jetztzeit sind ja da. Das Bühnenbild von Eva Humburg strotz nur so vor Computern und Bildschirmen. Bildschirme als Möbel, als Hocker, als Kletterhilfe, als Lebensinhalt. Die Blaumänner im Hoodie-Look mit modischen Sneakern verweisen auf Jetzt-Eben-Gerade. Das war es dann auch schon erst mal mit der Aktualität. Die Bezüge zu Big Data bleiben vorerst ein Versprechen, das nur zaghaft eingelöst wird. Total fit und entspannt in die Hass-Woche. Foto: TfN/Westhoff Die Inszenierung von  Reiner Müller  ist eher die Entdeckung der...

Mehr als schöne Bilder

Ein Telemann-Ballett am Theater für Niedersachsen Lauter Amateure und trotzdem ein ambitioniertes Tanzprojekt. Kann das klappen? Ja, das kann. Dies zeigt zumindest der Ballettabend "Kann man das tanzen?" des Theaterpädagogischen Zentrum Hildesheim am Theater für Niedersachsen. 250 Jahre ist Georg Philipp Telemann nun also schon tot. Das muss man irgendwie feiern. Also ist das Tanztheater zu Telemanns "Auferstehung und Himmelfahrt" der Hildesheimer Beitrag zum Gedenkjahr. Ohne seine Hildesheimer Erfahrungen und die Förderung vor Ort wäre Telemann wahrscheinlich nie Profi-Musiker geworden. Da entbehrt es nicht einer gewissen Spitzfindigkeit, ihm mit einem Amateurprojekt zu ehren. Grundlage des Oratoriums "Auferstehung und Himmelfahrt Jesu" ist ein Libretto von Karl Wilhelm Ramler, das in die empfindsame Phase fällt. Durch Telemanns eigene Dramatik erfährt es eine deutliche Aufwertung, die durch filigrane Tonstrukturen kontrastiert und aufgebrochen wird...

Den Doktor Faust zeitlos gemacht

TfN-Inszenierung zeigt das Optimum für die Oper Es gibt die seltenen Fälle, in denen eine Inszenierung weit über das hinausgeht, was die Vorlage liefert. "Doktor Faust" am Theater für Niedersachsen ist solch ein Fall. Hier stimmt alles. Sie stellt die Frage nach dem menschlichen Verhalten in Phasen des Zeitenwechsels, des radikalen Umbruch und nach der Moral. Deswegen gab es zur Premiere am Karsamstag auch jede Menge Applaus. Grundlage der Oper von Ferruccio Busoni ist die  Legende um ist Johannes Georg Faust . Er war  zu Beginn des 16. Jahrhunderts im süddeutschen und mitteldeutschen Raum als Wunderheiler, Wanderprediger, Alchemist und Magier tätig. Er gilt als zweifelhafte Randfigur einer Ära, in der sich im deutschsprachigen Raum Wissen, Humanismus und Neuzeit aus den Zwängen des Mittelalters und des Klerus befreiten. Damit gibt er die optimale Projektionsfläche für die Kritik der klerikalen Restauration ab. Schwarz Inszenierung zeigt einen Menschen, der mit den wech...

Erich Kästner kann so sexy sein

TfN zeigt ein Kaleidoskop des Zerfalls Mit "Fabian. Der Gang vor die Hunde" hat Erich Kästner 1931 einen Kommentar zum Zustand der Weimarer Republik abgeliefert. Erst vor drei Jahren ist der Roman in seiner Urform wieder aufgetaucht. Gero Vierhuff hat das Werk in eine Bühnenform gebracht. Uraufführung war am Freitag am Theater für Niedersachsen in Hildesheim. Dieses Kaleidoskop des Zerfalls überzeugt mit rabiater und schonungsloser Darstellung. Kästners Analyse war für seine Zeitgenossen wohl zu starker Tobak. Auf jeden Fall musste er auf Drängen seines Verlegers musste er Passagen streichen und auch den Titel ändern. Der Roman erschien unter dem Titel "Fabian. Die Geschichte eines Moralisten" und er hat unverkennbar autobiographische Züge. In seiner ursprünglichen Form bietet der Roman viele Anknüpfungspunkte für die Jetztzeit, die Gero Vierhuff auch offen legt. Es ist die Beschreibung einer Gesellschaft, die orientierungslos durch einen rasanten Wandel tappt. ...

Im Wartesaal zum Glück

"Tot, aber glücklich" - ein schrilles Musical am Theater für Niedersachsen Immer  an der Grenze, aber stets treffsicher knapp daneben am voll vorbei. So lässt sich Detlef Altenbecks Inszenierung von "Luck Stiff  - Tot aber glücklich" am Theater für Niedersachsen wohl am besten beschreiben. Dieses Stück hat alles was man von einer Off-Broadway-Produktion erwarten kann und sollte: ein abgedrehter Plot mit schrägen Charaktere, skurrilen Einfällen und überraschenden Wendungen. Zum guten Schluss gibt es sogar ein Happy End für die meisten. Harry Whiterspoon führt ein trostloses Leben als Schuhverkäufer in einem Londoner Vorort. Zudem leidet er noch an einer Hundephobie. Dann naht die Rettung. Sein Onkel Tony vermacht ihm 6 Millionen Dollar, aber nur unter einer Bedingung. Harry muss mit der einbalsamierten Leiche eine Woche Urlaub in Monte Carlo machen. Lässt er sich nicht auf den Deal ein, dann geht das Geld an das Heim für herrenlose Hunde in Brooklyn. Also macht s...

Romeo und Julia für Youtuber

Theater für Niedersachsen zeigt einen Tod, der zum Heulen schön ist Zu Shakespeares Tragödie “Romeo und Julia” ist schon fast alles gesagt und geschrieben worden. Dennoch blätter  Gero Vierhuff mit seiner Inszenierung am Theater für Niedersachen neue Aspekte in der berühmtesten Liebesgeschichte der Welt. Die Premiere war am 16. Januar in Hildesheim. Das öffentliche Leben in Verona wird vom Konflikt zwischen den Familien Capulet und Montague bestimmt. Die Streitigkeiten werden gern auch mal mit dem Degen ausgetragen. Doch dann wird die Lag kompliziert, denn Romeo Montague verliebt sich in Julia Capulet und Julia verliebt sich in Romeo. Julia liebt Romeo und Romeo liebt Julia. Alle Fotos: Quast/TfN Für den Franziskanermönch Lorenzo ist dies Gelegenheit, den Streit der Familien zu beenden. Also vermählt er die beiden heimlich. Doch der Plan geht gehörig daneben. Romeo tötet Julias Cousin Tybalt. Der Montague wird nach Mantua verbannt. Nun fasst Lorenzo einen neuen Plan. ...

Bollywood, der Papst und der Duft der weiten Welt

Das Experiment "Im Namen der Rose" ist eindeutig gelungen Mit dem Spektakel "Im Namen der Rose" betrat das Theater für Niedersachsen (TfN) Neuland. In Zusammenarbeit mit dem Forum für Kunst und Kultur Heersum entstand eine Produktion, die die Grenzen des Theaters aufhebt. Das Experiment ist gelungen und Spßa gemacht hat es auch. Bei der Premiere am 11. Juli waren alle begeistert, Darsteller, Produzenten und Zuschauer. Noch nie war die Besetzungsliste einer TfN-Produktion so lang. 149 Namen und "u.a." sind dort zu finden. Meist sind es Laiendarsteller des Forum für Kunst und Kultur aus Heersumer, das über dem Namen Sommertheater seit 1990 Kulturarbeit auf dem Lande leistet. Ergänzt wurde die Heersumer Schar mit Personal des TfN. Dieses sorgte auch für die Logistik und die hauptamtliche Begleitung. Die Wildrose ist entsetzt. Der Pilz- sammler ist da. Foto: tok Dieses Stück sprengt alle Dimensionen. Regisseur Uli Jäckle spricht bei den Projekten d...