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Posts mit dem Label "Bad Gandersheim" werden angezeigt.

Das Schicksal läutet mit viel Musik

Der Glöckner von Notre Dame bei den Domfestspielen Ist dass noch ein Drama oder schon ein Musical? Auf jeden Fall inszeniert Achim Lenz den "Glöckner von Notre Dame" mit viel Musik. Das Werk nach dem Roman von Victor Hugo wird zu einem Lehrstück über die Angst vor dem Anders sein. Dabei liegen die Überraschungen in den Details und den Nebenrollen. Trotz der musikalischen Leichtigkeit schafft es Achim Lenz seiner Inszenierung Tiefe zu verleihen. Es um die Macht über Andere, um Mitgefühl, um Erwartungen und um die Schwierigkeit, die Andersartigkeit des Gegenübers zu ertragen. Wie eine Gänseschar zieht eine Gruppe Touristen vor das Domportal. Fremdenführer Jan Kämmerer rattert die Daten zu Notre Dame runter, er zieht sein Programm durch. Die Gruppe interessiert ihn nicht. Aber immer wieder scheucht er die Gästeschar vor sich her. Er hat sie im Griff, die Masse lässt sich lenken. Damit gelingt Kämmerer ein unterhaltsamer Auftakt. Später wird er als Poet Pierre diese Leist...

Göttlich und mitreißend

"Spatz und Engel" eröffnen die Domfestspiele Ich habe die Piaf gesehen, doch wirklich. Die steht in diesem Sommer in Bad Gandersheim auf der Bühne. Dort lebt, leidet und stirbt sie auch eindrucksvolle Weise. Doch hübsch der Reihe nach. Man könnte es wohl Musiktheater nennen. "Spatz und Engel" von Daniel Große Boymann und Thomas Kabry behandelt das Verhältnis von Marlene Dietrich und Edith Piaf zueinander. Was dabei Historie und was Fiktion ist, bleibt in der Inszenierung von Sandra Wissmann zweitrangig. Die Möglichkeit ist entscheidend. Es könnte so gewesen sein, es könnte sich so zugetragen haben. Die Aufführung vor der Stiftskirche entwickelt eine eigene Logik. Aber vor allem fesselt sie durch die gesangliche Leistung von Syliva Heckendorn. Damit erleben die 61. Gandersheimer Domfestspiele eine mitreißende Eröffnung. Da ist sie noch die Kühle. Alle Fotos: Kügler Auf ihre spezifische Art und Weise haben Marlene Dietrich und Edith Piaf das Showgeschä...

Ein ganz starkes Dribbling

Marco Luca Castelli variiert Maradona bei den Domfestspielen Es ist ein intensiver Solo-Lauf über 75 Minuten, der immer wieder fasziniert und berührt. Mit seinen Maradona-Variationen zeigt Marco Luca Castelli, dass es im Theater durchaus persönliche Statements gibt, die auch anderen aus der Seele sprechen. Aber es ist wohl auch eine Rose, die nur im Verborgenen einer Studiobühne aufblühen. Auf jeden Fall hatten das Publikum, die Domfestspiele und der Fußball solch ein Stück selten nötiger als jetzt. In Zeiten, in denen die große Koalition aus Prenzel-Schwaben und Heilsarmee den öffentlichen Diskurs beherrschen sind Castellis "Maradona-Variationen" ein  deutliches Nein zur neuen Moral, unter der die Lebensfreude erschrickt.  Allein schon deswegen, weil Castelli den Exzess als Lebensmodell in Betracht zieht, ohne ihn zu romantisieren. Eine von Castellis Botschaft lautet: Ein Leben ist nur dann lebenswert, wenn es auch spürt und sich gern daran erinnert. Frei nach dem Mot...

Nicht für immer aber vielleicht für zwei Spielzeiten

Fame - Das Musical bei den Domfestspielen Rasante Tanzszenen, ein wenig Herzschmerz und Musik mit hohen Mitklatsch-Faktor. Was kann man von einem Musical mehr erwarten. Auf jeden Fall erfüllt "Fame" bei den Gandersheimer Domfestspielen diese Erwartungen und dafür gab es bei der Premiere a lot of standing ovations. Zurecht. Mit "Fame" hat Alan Parker 1980 Filmgeschichtschen geschrieben und die neue Sparte Tanzfilmmusical begründet. In den 80-er Jahren folgte eine ganze Reihe von Streifen, die sich um das Drehen von Pirouetten drehen. Nach der Fernsehserie von 1982 bis 1987 folgte 1988 das Musical. Aber Achtung, das Bühnenstück setzt weder Fim noch Serie eins zu eins um. Die Ausgangslage ist aber dieselbe. Acht aus einer Reihe von Kandidatinnen und Kandidaten schafft die Aufnahme. Das Publikum begleitet die Eleven durch die Höhen und Tiefen ihrer Ausbildung. Zum Schluss darf man begutachten, wer sich weiterentwickelt hat. Auch ein Clash of Cultures: Dinipiri...

Eine Schublade voller Träume

Domfestspiele 2018: Abheben mit Peter Pan Die Antworten auf die Fragen, was witzig und was sehenswert ist, kann die Generationen spalten. Nicht so beim Familienstück der Gandersheimer Domfestspiele 2018. Peter Pan in der Inszenierung von Sarah Speiser lässt Große träumen und Kleine wachsen. Es ist ein komplettes Werk, dass nicht  nur die Sonnenseiten zeigt. Neid und Missgunst werden nicht ausgespart. Aber es ist vor allem der Kinderzimmer-Charme, der diese Inszenierung so zauberhaft macht. Das Ausstattung von Karen Briem und Sandra Becker wirkt, als wäre sie gerade eben erst entstanden, als wäre hier eine ganze Menge kindlicher Fantasie am Werke gewesen. Alles, was es braucht, ist ein wenig Vertrauen, Zuversicht, ein bisschen Feenstaub und ein wenig Mobiliar. "Mach die Schublade mit deinen Träumen auf, lass sie raus und bau' mit dem Küchentisch ein Piratenschiff". So lautet die Botschaft. Der härteste aller Kritiker ist wieder Zuhause.  Alle Fotos: Kügler ...

So macht Sterben Spaß

Ein beeindruckender Jedermann bei den Gandersheimer Domfestspielen Es war ein Wagnis und es ist gelungen. Mit der Premiere des Jedermanns in der Inszenierung von Laura und Lisa Goldfarb eröffneten die Gandersheimer Domfestspiele nun auch offiziell. Das Publikum war zu Recht begeistert. Kein Stück ist so sehr verwoben mit diesem Festival wieder Hofmannsthals Spiel vom sterbenden des reichen Mannes. Der Jedermann eröffnete die erste Spielzeit und der Jedermann stand zum 50. Geburtstag noch einmal auf dem Spielplan. Kurz, aber nicht zu knapp, präzise aber doch allgemeingültig, spektakulär aber nicht erschreckend, bleibende Bilder aber nicht erdrückend. Das Update der Goldfarb-Schwestern überzeugend eigentlich in allen Belangen. Das multifunktionale Bühnenbild und die Ausstattung von Simone Graßmann und vor allem die zurückhaltende Musik von Ferdinand von Seebach . Es passt einfach alles. Aber es ist vor allem die Energieleistung des Hauptdarstellers. Neunzig Minuten zeigt Marco Lu...

Ein Spiel zwischen Theater und Therapie

DOMinos mit Premiere von "Dass nach dem Tag die Nacht kommt" Was ist Erziehung? Darum dreht sich das Stück "Dass nach dem Tag die Nacht kommt" des britischen Dramatikers Tim Etchells. Am Freitag feierten die DOMinos  mit ihrer Inszenierung voller Tempo und Experimentierfreude Premiere. Es bleibt ein zweischneidiger Eindruck zurück bei diesem Anti-Tschick. Das Werk  ist eine Mischung aus Brechtschem Lehrstück und Handkes Publikumsbeschimpfung. Auf jeden Fall Sprechtheater der gehobenen Kategorie. Das Publikum ist durch die Ankündigung schon auf jede Menge vorbereitet. Es muss noch mehr verarbeiten. Mal spricht der Chor zum Publikum (Brecht), mal spricht eine Solistin  zum Publikum (Handke). Kommunikation oder Miteinander der Darstellerinnen gibt es auf jeden Fall nicht. Gibt es dann doch Interaktion, so dreht sie sich meist um Gewalt. Die Grenzen sind eindeutig und schwarz steht gegen bunt.       Alle Foto: Kügler Unterbrochen wird das ...

Schiller mit Leichtigkeit

Kabale und Liebe bei den Domfestspielen Es war schon so etwas wie eine Feuerprobe. Mit Schillers "Kabale und Liebe" legte Achim Lenz als neuer Intendant der Domfestspiele am Freitag seine erste Inszenierung vor. Probe bestanden, Lenz kann auch ernstes Fach. Neben der werkimmanenten Dramatik bekommt seine Version dennoch eine unerwartete Leichtigkeit. Diese Tragödie ist ein Clash of Cultures. Hier die unbeschwerte Jugendlichkeit des Liebespaar Luise Miller und Ferdinand von Walter. Dort das erstarrte Günstlingssystem des Feudalismus, personifiziert im Präsident von Walter. Doch bevor das Intrigenspiel losgeht, sorgt die Bühne für Aufmerksamkeitsmomente auf einer Fläche von 6 mal 6 Meter bildet die Großaufnahme einer korrodierten Oberfläche den Hintergrund. Darin ist ein Tür eingelassen. Die Assoziation verrostet = verrottet ist augenscheinlich. Schon im Sturm und Drang waren Eltern gelegentlich mit  ihren Kindern überfordert. Fotos: Hillebrecht Die Bildfläche wir...

Die Geschichte nicht einfach nur weiter erzählt

Comedian Harmonists zum Auftakt der Gandersheimer Domfestspiele Nach dem Pre-Opening und dem Soft Opening kam nun das Grand Opening. Mit "Comedian Harmonist Teil 2 -Jetzt oder nie" eröffneten am Freitag die Gandersheimer Domfestspiele. Die Inszenierung von Sandra Wissmann erzählt die Geschichte aus der Spielzeit 2015 nicht einfach nur weiter. Sie setzt neue Akzente und weist deutlich über das Dargestellte hinaus. Für die gelungene Aufführung und die großartigen Leistungen der sieben Darsteller gab es den verdienten Applaus. Erst nach drei Zugaben entließ das Publikum die Darsteller zur Premierenfeier. Nicht nur weiter erzählt sondern weiterentwickelt. Wie das? Teil 1 bei den Domfestspielen 2015 ließ die Zuhörer im Unklaren, ob es sich eher um Musiktheater oder um ein Konzert mit Zwischentexten handelt. Die Frage kann man an 2017 klar beantworten. Es ist ein Drama, in dem Musik eine große Rolle spielt. Sandra Wissmann legt das Primat eindeutig auf die Darstellung, auf...

"Derlei Dinge kann man sich nicht vorstellen"

Dirk Schäfer liest Gogols Nase Die schönsten Blüten der 58. Domfestspiele blühen manchmal im Schatten der Festspielbühne. Ein besondere Knospe brachte Dirk Schäfer am vergangenen Sonnabend zum Blühen. Im Klostercafé Brunshausen las er "Die Nase" von Nikolai Gogol und machte daraus ein Erlebnis für alle Sinne. Nikolai Gogol gehört neben Alexander Puschkin zu den Erneuerern der russischen Literatur in den 1830-er Jahren. Er machte die Satire und die Ironie salonfähig in St. Petersburg und verknüpfte Volksliteratur und Feingeistiges. Die Novelle "Die Nase" ist ein seiner St. Peterburger Geschichten, in denen er die Stützen des zaristischen Russlands karikiert. Doch Gogols Stern verlöschte bald und er starb früh und in geistiger Umnachtung. :  Der Rezitator begrüßt den Stuhl. Alle Fotos: tok "Die Nase" steht zum einen in der Tradition der fantastischen Literatur der russischen Romantik, zum anderen weist mit ihren surrealen Momenten schon weit nach...

Ein Musical für große Jungs und Mädels

Jede Menge Mantel, Degen und Pop bei den Domfestspielen Wer monumentale Musicals mit Massenszenen, schmachtende Frauen und echten Männern mag, der wird bei dieser Produktion bestens bedient. Opulente Kostüme, klare Fronten und ein rasantes Tempo kennzeichnen "Die drei Musketiere". Das Versprechen, jede Menge Mantel, Degen und Pop zu liefern, haben Craig Simmons und Heiko Lippmann auf jeden Fall eingehalten. Die Geschichte dürfte bekannt sein. Tölpel aus der Provinz zieht in die große Stadt, um seinen Traum zu verwirklichen, verliebt sich, macht die Bekanntschaft mit drei seltsamen Zeitgenossen, die seine Freunde werden, gemeinsam besteht man große Abenteuer, besiegt die Bösen, rettet nebenbei das Königreich und das Leben der Königin. Einziger Wermutstropfen: Seine Liebste  muss mit ihrem Leben dafür bezahlen. Das einzige was Bestand hat, ist die echte Männerfreundschaft. Im Gegensatz zu den zahlreichen Mantel-Degen-Schinken, die immer wieder über die Mattscheibe flimm...