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Posts mit dem Label "Lesung" werden angezeigt.

Wettrinken der Platzhirsche

 An der Grenze zur Klaustrophobie:; stille hunde lesen Glauser Ganz anders und ungewohnt fokussiert. Die Lesung von Glausers "Der alte Zauberer" offenbart die ruhige Seite  der stillen hunde. Mit diesem Wettrinken der Platzhirsche kommt das Duo Huber/Dehler aber eben näher an Glauser heran als eine andere Form wohl gebracht hätte.  Angekündigt hatten die Veranstalter des Mordsharz für die Lesung im Nordhäuser Tabakspeicher einen Tornado, Es war dann eher ein Sturm im Schnapsglas. Dennoch waren alle zufrieden, wohl auch das Publikum, dass sich auf den gewohnten Mix aus Literatur, Improvisation und Klamauk eingestellt hatte. Schließlich war das Duo aus Göttingen nun schon zum dritten Mal im Tabakspeicher und kann auch hier auf eine Fangemeinde bauen. Doch mit den großen Gesten, mit Pömpeln und anderen skurrilen Utensilien wurde es dieses Mal nichts. Der Text, der verbale Kampf zweier Männer und ihre Psychogramme stehen im Mittelpunkt, nebst jeder Menge Schnaps. Der sorgt fü...

Viva la Pömpel, viva!

Wie füreinander gemacht: Die stillen hunde lesen Don Quixote Der Aufführungsort, die Intonation, die Mimik und das Bühnenbild. Es passt alles zusammen. Am Freitag zeigten die stillen hunde ihre Version des Klassikers "Don Quixote" im Rittersaal im Schloss Herzberg. Die Erwartungen wurden übererfüllt, Pöhlde fand seinen Platz in der Kulturgeschichte und das Publikum war schlichtweg begeistert. Zum Edelmann aus der Mancha hat jeder Bilder im Kopf. Huber und Dehler greifen diese auf. Ein Barhocker und ein Schrubber sind das Pferd Rosinante. Ein Schemel und ein Handfeger mutieren zum Esel. Ein Pömpel wird zur Lanze. Bühnenbild und Requisiten erinnern an dem Don-Quixote-Zyklus von Picasso. Dann betreten die Matadore die Arena und die Aufgabenverteilung ist gleich deutlich. Sie verbleibt im stille-hunde-Schema. Christoph Huber kümmert sich um die derben Rollen, Stefan Dehler darf filigran sein. Das funktioniert nicht erst seit Laurel und Hardy, Heinrich Eickemeyer und Fritze...

Der Mensch als Ungeheuer

Ulrich Tukur liest Moby  Dick im DT Die Geschichte vom weißen Wal und von  Käpt'n Ahab, dessen Rachsucht ein Schiff und seine Mannschaft in den Tod reißt,  ist Weltkulturerbe. Ulrich Tukur und der Pianist Sebastian Knauer haben sich dieses Schwergewicht angenommen.  Ihre musikalische Lesung am Samstag im Deutschen Theater erfüllt die Erwartungen gänzlich. Links ein Flügel,  rechts ein Tisch, die Bühne ist übersichtlich bestückt. Ein dunkelblauer Vorhang trennt Vorschiff und Achterdeck. Seine Farbe erinnert an die Tiefsee und in diesem  Abgrund werden Schiff und Mannschaft verschwinden. Der Tisch steht auf gedrechselten Beinen. In der Mitte seiner Kreuzüberblattung ruht eine Weltkugel. Das Möbel gehört einfach in die Kajüte eines Käpt'n. Das hat das kollektive Gedächtnis in Dutzenden Piratenfilmen gesehen. Das Theaterschiff ist voll, nur Käpt'n und Steuermann fehlen noch.  Alles Foto: Kügler Die Ankündigung verspricht eine ...

Zwischen Florett und Keule

Lesung mit Waschanlagen, Welpenkäufer und Katzenfutter-Sommeliers Dietmar Wischmeyer schont niemanden. Weder sich und schon gar nicht sein Publikum. Das weiß das aber und kommt trotzdem und gerade deswegen. Also war das Deutsche Theater voll, als er beim Literaturherbst Göttingen las und zwar vor und zurück. 1996 hieß der Bundeskanzler Helmut Kohl und Muhammad Ali eröffnete die Olympischen Spiele in Atlanta. Damals war Wischmeyer das letzte Mal zu Gast beim Literaturherbst. Er und das Frühstyxradio definierten damals, was Humor in Deutschland darf. Seitdem fielen das Privatfernsehen und die Political Correctness über das Land her. Beide verschoben die Grenzen in unterschiedliche Richtungen. Wischmeyer ist das egal. Damit ist eine Lesung mit dem Vater des Frühstyxradios auch eine Reise in die Zeit, als PC noch für Personal Computer stand. Wie das so eben ist, wenn man sich lange Zeit nicht gesehen hat. Die Erwartungen sind besonders hoch. Doch Wischmeyer liefert. Draußen herrsc...

Immer noch Holzfäller

Clauy Peymann liest Thomas Bernhard im Jungen Theater Zum Schluss sagte Intendant Nico Dietrich, der Gast sei immer noch ein Gigant des Theaters. Zuvor hatte Claus Peymann eine Stunde fünfzehn lang diese These reichlich unterfüttert. Seine Lesung von Bernhards „Holzfällen“ im Jungen Theater war ein Ausflug in die Zeit, als Theater noch Angriffslust hatte. Natürlich liest ein Theatermann von der Bühne hinunter. Auf dieser stellt lediglich ein Ohrensessel in roten Samt. Von der Decke hängt ein weißes Tuch. Darauf ist ein Zitat von Voltaire gedruckt und über dem Sessel drapiert liegt ein weiteres Tuch. Wie ein Leichentuch scheint es eine längst vergangen Zeit zu verdecken. Aus dem Hintergrund taucht Peymann auf. Er betritt die Bühne, auf der vor mehr als 50 Jahren seine Karriere als Regisseur begann. Die Freude ist wohl echt, sowohl beim Gast als auch beim Publikum. Dessen Altersdurchschnitt liegt deutlich über 50 und einige der Zuhörerinnen und Zuhörer dürften schon mal...

Dunkel ins Dunkel gebracht

stille hunde lassen Dr. Jekyll und Mr. Hyde leben und sterben Im kollektiven Gedächtnis der Belesenen sind unter dem Eintrag "Robert L. Stevenson" zwei Werke vermerkt. Nach der Schatzinsel haben sich die stillen hunden nun auch des "Seltsamen Falls von Dr. Jekyll & Mr. Hyde" angenommen. Trotz der zahlreichen Adaptionen in Film und Pop-Kultur muss man sagen: Zu recht und mit Gewinn. Davon konnte man sich am Samstag im Schloss Herzberg überzeugen. Aus der klaustrophobischen Enge der Stadtbibliothek sind Rosemarie Matwijow und ihre Gäste in den Rittersaal umgezogen. Der Zusammenhang mit der englischen Geschichte ist zwar arg konstruiert, aber der Raum bietet reichlich Anklänge an Ambiente des viktorianischen Bürgertums im ausgehenden 19. Jahrhundert. Dunkel und hölzern und überall knarzt es ein wenig, aber durchweg grundsolide. Es ist ausverkauft, denn das Herzberger Publikum weiß, was es an Stefan Dehler und Christoph Huber hat. Man ist sich schon mehrfach b...

Eine Reise zurück in die Gegenwart

Philippe Djian liest beim Göttinger Literaturherbst Einen Roman mit einer Vergewaltigung zu beginnen, so etwas traut sich nur Philippe Djian. Am Sonntag stellte er bei Göttinger Literaturherbst seinen Roman "Oh ..". Mit seiner Reise zurück in die Gegenwart beweist er, dass er immer noch zu den Autoren gehört, die wirklich etwas zu sagen haben. Die zentrale Figur in einem vertüddelten Geflecht ist Michèle, eine Frau Mitte 50. Die Mitinhaberin einer Filmproduktionsfirma ist geschieden, Mutter eines Sohnes auf der Suche nach sich, hat ein Verhältnis mit Robert, dem Mann ihrer Geschäftspartnerin. Seit Jahrzehnten weigert sie sich, ihren Vater im Gefängnis zu besuchen, der einst ein solch ungeheuerliches Verbrechen begangen hat, dass Michèle und ihre Mutter lange Jahre nicht nur der sozialen Ächtung ausgeliefert waren, sondern auch im sozialen Koma lagen. In der Vorweihnachtszeit wird sie von ihrem Nachbarn vergewaltigt. Erst allmählich begreift sie, was passiert ist, und Schi...

Humor für den Denkmalschutz

Lesung mit Sky du Mont im Kloster Walkenried Es ist durchaus gefährlich, wenn die Idole von der Leinwand herunterklettern und sich im wahren Leben umschauen. Die Enttäuschung kann groß sein, sehr groß. Am Samstag kam Sky du Mont in den realen Kreuzgang nach Walkenried und hielt ein reale Lesung. Hinterher war von Enttäuschung keine Spur. Der Mann ist auf der Bühne so wie im auf der Leinwand. Authentisch halt und das steht ja bald unter Denkmalschutz. Das wahre Leben ist das Thema der Bücher von Sky du Mont, auch wenn es manchmal wie Realsatire wirkt. Nach seinem Ratgeber zu Beziehungsfragen und einem Rückblick auf das Leben mit Kindern beschäftigt er sich in "Steh ich jetzt unter Denkmalschutz" mit dem Älter werden. Nein, es gibt keine Ratschläge aber auch keine Klagen über die altersbedingten Ausfallerscheinungen. Er nimmt das Älter werden als das, was es ist, als einen ganz natürlichen Prozess zudem es nun mal keine Alternative gibt. Er deckt auch gleich einen Widersp...

Auf Wallfahrt nach Hiva Oa

Jens Rosteck berichtete über die letzten Lebensjahre von Jacques Brel Keine Lesung sondern ein Performance sollte es sein. Am Freitag war der Literaturherbst Göttingen zu Gast im Esel in Sülbeck. Mit Klavier, Boxen und Beamer trug dort Jens Rosteck aus seinem Werk "Brel - Der Mann der eine Insel war" vor. Das Buch beschäftigt sich mit dem Aussteigerdasein des Sängers und Komponisten und seinen letzten Lebensjahren auf Hiva Oa. Aus dem nüchternen Bericht wurde eine Wallfahrt in die Südsee. Der Vortrag beginnt mit Musik. Jens Rosteck spielt am Flügel ein Walzer, den er erst erklären muss. Denn ein Walzer muss nicht immer im Dreivierteltakt sein, behauptete einst Jacques Brel. Der Mann musste es wissen, immerhin zählt er zu den wichtigsten Vertretern des Chansons im 20. Jahrhundert. Rosteck erzählt vom ungewöhnlichen Verhältnis des Chansonnier zu der Gattung Walzer. Damit war der Einstieg geschafft. Zur Bestätigung spielt der Referent "La valse á mille temps" ein. A...

"Derlei Dinge kann man sich nicht vorstellen"

Dirk Schäfer liest Gogols Nase Die schönsten Blüten der 58. Domfestspiele blühen manchmal im Schatten der Festspielbühne. Ein besondere Knospe brachte Dirk Schäfer am vergangenen Sonnabend zum Blühen. Im Klostercafé Brunshausen las er "Die Nase" von Nikolai Gogol und machte daraus ein Erlebnis für alle Sinne. Nikolai Gogol gehört neben Alexander Puschkin zu den Erneuerern der russischen Literatur in den 1830-er Jahren. Er machte die Satire und die Ironie salonfähig in St. Petersburg und verknüpfte Volksliteratur und Feingeistiges. Die Novelle "Die Nase" ist ein seiner St. Peterburger Geschichten, in denen er die Stützen des zaristischen Russlands karikiert. Doch Gogols Stern verlöschte bald und er starb früh und in geistiger Umnachtung. :  Der Rezitator begrüßt den Stuhl. Alle Fotos: tok "Die Nase" steht zum einen in der Tradition der fantastischen Literatur der russischen Romantik, zum anderen weist mit ihren surrealen Momenten schon weit nach...

Was für ein Mensch

Günter Maria Halmer liest Kishon und Roth Satire kann zeitlos sein. Gute Satire ist zeitlos. Das bewies Günther Maria Halmer bei seiner Lesung im Kloster Walkenried. Es war so menschlich, da war die Zugabe schon vorprogrammiert. Auf dem Programm standen Texte von Ephraim Kishon und Eugen Roth. Begleitet wurde der Vorleser von Jörg Fuhrländer am Akkordeon. Der macht auch den Auftakt. Er improvisiert über ein Thema, das deutlich nach Klezmer klingt. Dabei versinkt Fuhrländer in die Musik und fast in sein Instrument. Halmer stellt den Musiker später als  seinen Partner vor. Jörg Fuhrländer ist auch ein guter Zuhörer. Alle Fotos: tok Es ist eine kongeniale Partnerschaft. Hier der extrovertierte Münchner, dort der stille Siegerländer, das ergibt eine abwechslungsreiche, eine kontrastreiche Paarung. Zwischen den Lesungen gibt Fuhrländer dem Publikum immer genug Zeit und Raum zum Verdauen und Vorbereiten. Das Repertoire umfasst Tango, Chanson und Tango-Motive. Nichts, was sich ...

Immer 'ne Buddel voll Rum

Die Schatzinsel als szenische Lesung mit den stillen hunden Das ist ganz großes Kopfkino, da werden jede Menge Bilder lebendig und freigesetzt. Die stillen hunde lesen "Die Schatzinsel" in der Stadtbibliothek Herzberg und beweisen, dass es ein Werk vor allem für Erwachsene ist. Dabei zeigen Christoph Huber und Stefan Dehler eine kompositorische Dichte, die von tiefer Durchdringung der Vorlage zeugt. Am Ende des Abends gab  es jede Menge vorder- und hintergründige Lacher, überzeugte Fans, neue Einsichten in ein scheinbar vertrautes Werk, der Ohrwurm von den fünfzehn Mann auf der Kiste, der Buddel voll Rum, das Herzen voller Sehnsucht und der Kopf voller Abenteuer. Alles was fehlt zum Seefahrerglück, das ist der Geschmack von Salzwasser auf den Lippen und der Wind in den Haaren. Die stillen hunde haben im Harz mittlerweile eine treue Anhängerschaft und die wartet geduldig im Lesesaal der Stadtbibliothek Herzberg. Die Abenteuerlust ist groß, denn aus den letzten Lesungen wiss...