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Wie ein Kostümfest in Nordhausen

Idomeneo wird zerrieben zwischen Kohl und Sohn Mozart "Idomeneo" erlebt selten eine Aufführung und das hat gute Gründe. Wer das schwächelnde Werk auf den Spielplan setzt, muss eine starke Inszenierung in der Hinterhand haben. Das kann Nordhausens Operndirektor Benjamin Prins nicht von sich sagen. Bei der Premiere zeigt seine Inszenierung einige starke Szenen, die reichen aber nicht, um die Aufführung zum Gewinn für das Publikum zu machen. Trotz der Kürzungen an der Vorlage gibt es an diesem Abend über weite Strecken mehr Fragezeichen als Antworten. Die Aufführung bietet gleich zu Anfang einen mutigen Schritt, von dem das Publikum profitiert. Thomas Kohl schlüpft in die Rolle des Erzähler, der Vorgeschichte und aktuelle Ereignisse vorträgt, die Beziehungen der Akteure und ihre Motivation erläutert. Der auktoriale Erzähler im Bild ist ein Hilfsmittel aus den B-Movies der 50 Jahre, bis er in der Rocky Horror Picture Show als Karikatur endet. Sohn und Vater im Dauerkonflikt. F...

Amadeus rockt nur zögerlich

Eine bunte Inszenierung: Cosi fan tutte bei den Schlossfestspielen Bunt bis schrill, eine Herausforderung für die Augen, rasant auf alle Fälle, eine Reihe von Highlights, bestimmt gefällig, aber der letzte Schritt zu einer Neuinterpretation fehlt dann doch. So lässt sich die Inszenierung von "Cosi fan tutte" bei den Schlossfestspielen in Sonderhausen zusammenfassen. Angesiedelt ist die Oper in Neapel, Das schlägt sich im Bühnenbild von Birte Wallbaum nieder, nur versteht es kaum einer. Neapel war im 17. und 18. Jahrhundert nicht nur Europas größte, sondern auch reichste Stadt. Um den Reichtum zur Schau zu tragen, fliesten die Neapolitaner ihre Häuser von außen. Deswegen bestimmen die Fayencen das Bühnenbild. Schön ist es, das Geschehen auf einem Präsentierteller zu platzieren. Schließlich werden ja Gefühle zur Schau getragen. Leider verengt es den Raum zusätzlich, so dass kaum mehr möglich ist als " Auftritt - Arie - Abgang". Das hätte den Herrn Mozart sicherl...

Zusammenspiel auf höchstem Niveau

Leipziger Bläsersolisten bei den Kreuzgangkonzerten Am Samstag frech Muse, am Pfingstmontag hohe Kunst. Mit einem Kontrastprogramm eröffneten die Kreuzgangkonzerte Walkenried die 37. Spielzeit. Dabei erstaunten die Bläsersolisten aus dem Leipziger Gewandhaus mit einem Zusammenspiel auf höchsten Niveau. Diesem Ensemble fehlt nur eins und zwar eine Dirigentin oder ein Dirigent. Aber die elf Musiker aus Leipzig kommen auch ohne Taktstock aus. Ihr Programm "Serenaden zu Pfingsten" zeigte, dass klassische Musik auch ohne Streicher auskommen kann.  Eine Serenade ist ein Musikstück für die Abendstunden und deswegen mit der Erwartung "ruhig und gelassen" verbunden. Genau dies erfüllt Mozarts 11. Serenade in vier von fünf Sätzen. Das Allegro kommt wahrlich majestätisch daher. Gelassen entwickeln Thomas Ziesch und Ingolf Barchmann an den Klarinetten das Thema, das dann die Blechbläser kontrastieren. Im Wechselspiel von Holz und Metall ergibt sich eine für Mozart ungewohnte Ru...

Verzaubert mit viel Lyrik

Lenz inszeniert die Zauberflöte in Nordhausen Das Tiefstapeln war rein taktischer Natur. Mit seiner Inszenierung der Zauberflöte hat Achim Lenz die Erwartungen mehr als erfüllt. Starke Sängerinnen und Sänger trafen bei der Premiere auf ein Loh-Orchester in Spiellaune. Nach anfänglichem Fremdeln war das Publikum begeistert. Die Ansprüche sind unterschiedlich. Mozart vorletztes Bühnenwerk ist für die einen ein Menschheitswerk wie der Doktor Faust. Andere sehen es etwas nüchterner und für sie ist die Oper um zwei ungleiche Paare, die Erlangung der Weisheit und die Macht der Liebe ein unterhaltsames und lehrreiches Wechselspiel. Achim Lenz sieht es vor allem als Schatz mit vielen Ideen und Anregungen. Ein paar hat aufgegriffen, ein paar neue hat er hinzugefügt. Vor allem hat er Schauspiel in das Singspiel gebracht. Seine Sängerinnen und Sänger agieren regelrecht, miteinander und gegeneinander. Der Schauspiel-Anteil ist erfreulich hoch. Tamino und ein Fan-Club. Alle Fotos: Marco...

Ein Abend voller Entdeckungen

Zweites Kaiserpfalzkonzert mit der TfN-Philharmonie Unverhofft kommt nicht allzu oft, wenn aber doch, dann ist es umso schöner. Das ist das Fazit des zweiten Kaiserpfalzkonzert der TfN-Philharmonie in Goslar. Statt Erfahrung und Reputation stand dort Jugendlichkeit und Engagement am Pult. Das Publikum erlebt wohl so etwas wie die Geburt eines Stars. Als Dirigent war für diesen Abend mit Mozart und dem Londoner Bach Reinhard Goebel angekündigt. Als Gründungsmitglied der Musica antiqua Köln ja schon ein Hochkaräter. Doch Goebel musste kurzfristig absagen. Der Ersatzmann Oscar Jockel entpuppte sich als Hauptgewinn. Der 24 Jährige ist ein aufgehender Stern am Dirigentenhimmel. Er sammelt Preis und Auszeichnungen wie andere. Mit Mitte zwanzig ist die Liste seiner Referenzen so umfangreich wie bei Kollegen, die zwanzig Jahre älter sind. In diesem Jahr wir er einer von drei Drigenten beim Beethoven-Festival sein. Alle Fotos: Thomas Kügler Dass alle diese Vorschusslorbeeren ber...

Ein Fest des Großmuts

Gekonnte Unterhaltung: Entführung aus dem Serail bei den Schlossfestspielen Ein wenig Poesie, jede Menge Herzschmerz und vor allem überbordender Großmut. Mit der "Entführung aus dem Serail" zeigt Saskia Kuhlmann bei den Schlossfestspielen gekonnte Unterhaltung. Die Inszenierung zeigt vor allem zwei starke Sängerinnen und einen überraschenden Bass. Die Poesie gibt es gleich zum Anfang. Zur Ouvertüre durchmisst ein Kind die riesige Bühne vor dem Schloss, lässt sich am Wassergraben nieder und schaut versonnen. Dann zieht es unter sichtlicher Kraftanstrengung ein Segelschiff zu sich heran. Das ist nicht nur schön anzusehen. So hat Saskia Kuhlmann auch die Vorgeschichte der Entführung in einer betörenden Szene aufgelöst. Sehnsucht im Blick: SuJin Bae als Konstanze. Alle Fotos: Marco Kneise Das Bühnenbild von Dietrich von Grebmer zeigt sich aufgeräumt und auf das nötigste reduziert. Von Grebmer verzichtet auf Folklore und Ornamente. Damit erzeugt die Ausstattung eine...

Kammermusik fasziniert immer noch

Solisten des Gewandhausorchesters verzaubern den Sonntagabend Wer schon das Ende der Kammermusik herbei schreiben will, der hätte am Sonntag im Kloster Walkenried sein müssen. Vor ausverkauftem Haus bewiesen die Bläsersolisten des Gewandhausorchesters, dass diese Sparte lebendig ist wie eh un je. Trotz einer kurzfristigen Umbesetzung agiert das Ensemble souverän, präzise und leichtfüßig. Zum Schluss bedankte sich das Oktett mit einer Zugabe. Carlo Schütze am Kontrafagott wurde zum Hitzeopfer und musste kurzfristig absagen. Zudem ersetzte Johannes Hund kurzfristig am Fagott. Den Verlust konnte das Ensemble aber mehr als wettmachen. Philipp Tondre legt vor, .... Alle Fotos: Kügler Beim Thema Literatur setzten die Leipziger auf Bewährtes. Mozart - Beethoven - Mozart war die Abfolge. Für seine Entstehungszeit war Mozart Serenade in c-Moll ein Tabubruch. Ein Abendständchen in Moll, so etwas gab es bis dahin nicht. Dabei blieb des Salzburger im Aufbau dem Standard verpflichtet ...

Unterhaltsame Lehrstunde in Sachen Klassik

Ein leichter Sommerabend mit dem Staatsorchester Braunschweig So gefällig kann Musikunterricht als auch sein. Mit dem Programm "Klasse! Klassik!" hat das Staatsorchester Braunschweig eine Lehrstunde in Sachen Klassik erteilt und es klang nicht einmal im entferntesten nach Belehrung. Nein, es sind einfach drei Stücke, die einen unterhaltsamen Querschnitt durch die Epoche bilden, präsentiert von einem überzeugenden Orchester und einer überragenden Solistin. Ob Lehrstunde oder nicht, am Ende fühlte sich das Publikum gut unterhalten und erklatschte sich eine klassische Zugabe. Manche Orchester sind wie ein Ufo. Alle Fotos: tok  Ob nun Wolfgang Amadeus Mozart im Alter von 8 Jahren wirklich seine Sinfonie Nr. 1 selbst geschrieben hat oder ob der Vater maßgeblich die Feder führte, auf jeden Fall kann man hier bereits die Leichtigkeit des späteren Mozarts erkennen. Diese Leichtigkeit transportiert das Staatsorchester Braunschweig bestens. Gerd Schaller entlockt ihm eine...

Willkommen im Zauberwald

Die Zauberflöte überzeugt in allen Bereichen Auch auf die Gefahr hin, in Phrasendrescherei zu verfallen. Diese Oper ist zauberhaft. Die Inszenierung am Theater für Niedersachsen überzeugt in allen Belangen und damit ist Volker Vogel ein großer Wurf geglückt. Es ist ihm und seinem Team gelungen, Mozarts beliebtestes Werk werkgetreu weiterzuentwickeln. Er greift alle Fäden und Motiven in diesem handlungsreichen Musiktheater auf und führt sie konsequent und facettenreich in die Jetztzeit vor, ohne den Geist des Stücks zu entkernen. Wer sich einen Abend lang verzaubern lassen will, der findet in der Zauberflöte des TfN genau die richtige Inszenierung. Basis des Erfolg sind das großartige Bühnenbild und die fantasievollen Kostüme von Norbert Bellen, der mittlerweile zu den gefragtesten Bühnenbildnern Deutschlands gehört. Er nur schauen möchte, der erfreut sich an den prächtigen Bauten. Wer verstehen möchte, der sieht überall die Symbole der Freimaurer. Denn die Zauberflöte ist auch ein ...

Männer auf Normalmaß gestutzt

Figaros Hochzeit als buntes Bäumchen-Wechsel-Dich in Nordhausen Sie ist bunt, sie ist schrill, sie macht unheimlich viel Spaß und zum Schluss kriegen die Mädels was sie wollen, weil sie eben nicht artig sind. Mit "Die Hochzeit des Figaros" hat Kay Link am Theater Nordhausen eine Neuinszenierung von Mozarts beliebtester Oper vorgelegt, die den Nerv der Zeit in vielen Belangen trifft und von starken Frauen lebt. Dafür gab es bei der Premiere reichlich Applaus. Im Grunde genommen erleben Fernsehzuschauer dieses Libretto an jedem Nachmittag. A liebt B und B liebt A. Doch obwohl C mit D verheiratet, gönnt C  den beiden das Glück nicht. D wieder sinnt auf Rache für die Dauerdemütigung durch die Eskapaden ihres Gatten. Dann tauchen aus der Vergangenheit von A noch E und F auf und wollen auch das junge Glück verhindern, während die Hormone bei Jüngling G für  Gefühlsverwirrungen sorgen. Im Gegensatz zu Figaro durchschaut Susanna den Plan des Grafen recht schnell. Fotos: Tilmann...

Aus einer anderen Welt, von einem anderen Stern

Pepe Romero begeistert im Kloster Walkenried Pepe Romero gilt als einer der besten, wenn nicht gar als der beste Gitarrist im klassischen Fach auf dieser Welt. Also trägt das Publikum einen ordentlichen Packen an Erwartungen mit in den Konzertsaal. Umso schöner ist es, wenn diese Erwartungen erfüllt werden. So geschehen beim Kreuzgang-Konzert am 25. August in Walkenried. Eine Bühne, ein Hocker und eine Gitarre, mehr braucht Pepe Romero, um sein Publikum in den Bann zu schlagen. Die Musik steht eindeutig im Vordergrund. Dies ist ein Abend, der sich auf den Gehalt der Musik konzentriert, nicht auf deren Präsentation. Verstärker lehnt der Meister ab, er dringt auch so zu seinem Publikum durch. Schließlich gilt Romeros Anschlag als besonders kraftvoll. Romero ist ganz in die Musik versunken. Foto: tok Doch an diesem Abend ist es ein Blick auf das zweite Stück. Überschrieben ist des Programm mit "Die Seele Andalusiens". Wer nun Flamenco erwartet, muss seine Hoffnungen f...

Amadeus: Genies, Gerüchte und Gegner

Theater Rudolstadt zeigt in Nordhausen einen kompletten Amadeus “ Amadeus” ist ein Monolith. Seit der oscarprämierten Verfilmung von Milos Forman ist es ein Wagnis, das Theaterstück von Peter Shaffer aufzugreifen. Das Publikum kommt mit fertigen Bildern in die Vorstellung. Das Theater Rudolstadt hat  es trotzdem gewagt und gewonnen. Am Freitag stellte das Ensemble unter der Leitung von Jürgen Pröckel  sein Intrigenspiel um Salieri und Mozart im Theater Nordhausen vor. Dieser “Amadeus” ist ein Puzzle aus lauter kleinen Perlen  und es ist ein komplettes Stück. Dort wo die Verfilmung von Milos Forman eindimensional wirkt, überzeugt die Thüringer Inszenierung mit Tiefe und Vielschichtigkeit. Am eindrucksvollsten zeigt dies Johannes Arpe in der Rolle des vermeintlichen Bösewicht Antonio Salieri. Er bespielt die gesamte Klaviatur von Begeisterung bis Verzweiflung, von Freundschaft bis Niedertracht, er beherrscht die lauten Szenen und die stillen Momente und er nutzt...