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Mut nur zur Hälfte belohnt

Großartiges Konzert zum Abschluss Musik großartig, Zuspruch eher mau. Der Mut von Intendant Anselm Cybinski wurde nur zum Teil belohnt. Das dreiteilige Konzert "Die Dunklen hört man doch"war ein großartiger Abschluss der Niedersächsischen Musiktage 2019. Doch im Opernhaus Hannover blieben sehr viele Stühle frei. Das ändert aber nichts an der Leistung der Künstler und an Begeisterung der Anwesenden. Für diese war es ein Ereignis, dass die Grenzen des Konventionellen überschritten hat. Michael Nyman ist ein Altmeister der Grenzüberschreitung. Der Brite mischt seit Jahrzehnten Elemente aus sogenannter E- und U-Musik. Dabei stellt er sich auch mal gegen den verkopften Mainstream. Bekannt wurde Nyman vor allem durch seine Kompositionen für die die Filme von Peter Greenaway. Teil eins Unter dem Titel "Noises, Sound  & Sweet Airs" stehen Ausschnitte aus dem Soundtrack zu "Prospero's Book" auf dem Programm. Es ist gewissermaßen eine szenische Singu...

Spaß zwischen Vergangenheit und Zukunft

Die Couchies lassen die Scheune beben Die Gewissheit, dass Jazz auch ohne Oberstudienrat-Appeal geht und dass ein Teil der Zukunft in der Vergangenheit liegt, waren die verkopften Erkenntnisse. Ansonsten hat das Konzert der Couchies einfach nur Spaß gemacht. Im Landgasthof Sindram gab es mitreißende Musik und hintersinnige Moderation. Das Trio aus Berlin war im Rahmen der Niedersächsischen Musiktage Gast der Sparkasse Osterode. die hat mit der mutigen Auswahl einen echten Treffer gelandet. Der Clash of Cultures zwischen den Hauptstädtern und den Landbewohner bleibt aus. Musik verbindet eben. Gemeinsam feiert man die Freude am Leben. Dazu trägt auch die ungewöhnliche Raumkonstellation zu. Wie der Name andeutet, bestreiten Couchie Couch, Hank Willis und Colt Knarre ihre Konzert von einem Sitzmöbel aus. Das sorgt in der Sindram Scheune für ein Plus an Heimlichkeit. Es gibt keine Barriere zwischen Musiker und Publikum und das trägt zur Entspannung und Verbrüderung bei. Di...

Pilgertour durch die Kirche

Tenebrae begibt sich musikalisch auf den Jakobusweg Ungewöhnlich, beeindruckend und herausfordernd und trotzdem ein Erlebnis. Der Tenebrae Choir gastierte im Rahmen der Niedersächsischen Musiktage in der St. Sixti-Kirche. Das Publikum bedankte sich mit donnernden Applaus. Das 18-köpfige Ensemble gilt als eines der besten weltweit. Hier setzt der ehemalige King's Singer  Nigel Short seine Vorstellungen von aktueller Chormusik um. Das Programm "Path of Miracles" ist gewissermaßen eine Auftragsarbeit an Joby Talbot. Der Komponist hat hier seine Erfahrungen auf dem Jakobsweg in Musik umgesetzt. Zehn Männer stehen im Kreis auf den Stufen zum Altar. Aus ihrer Mitte ertönt ein Ton, leise und tief und knapp an der Grenze der Hörbarkeit. Dieser archaische Klang kommt tief aus der Vergangenheit der Menschwerdung. Er wirkt nicht über die Ohren, er dringt über das Zwerchfell zum Publikum vor. Aus einem Ton werden viele. Sie schwellen an, beschleunigen sich im Wechsel und erhö...

Musikalischer Brückenschlag gelungen

Knabenchor Hannover und la festa musicale im Hildesheimer Dom Es gibt Konzerte, von denen man wünscht, sie gingen nie zu Ende. Tritt das aber nicht ein, dann hat  man aber trotzdem seinen Frieden mit der Welt geschlossen. Der Auftritt des Barockorchesters "la festa musicale" und in des Knabenchor Hannover im Hildeheimer Dom war solch ein Abend. Am Schluss lässt sich das Konzert mit einem Begriff zusammenfassen: Rundum gelungen. Die seit langem angespannten Beziehungen zwischen der Landeshauptstadt und Hildesheim zu verbessern, das muss der Sparkassenstiftung wohl eine Herzensangelegenheit sein. Was sollte sonst der Beweggrund gewesen sein, gleich zwei Hannöversche Ensembles ins Allerheiligste einzuladen? Genauso gewagt war das Programm. Vor allem italienische Barocker der eher unbekannten Art standen auf dem Zettel. Mit der Musik von Agostino Steffani, Diogenio Bigaglia und Antonio Lotti sollte noch einmal verdeutlicht werden, dass es einst einen regen Austausch zwische...

Unterwegs mit der ältesten Boy Group

Von der Renaissance bis in den Pop:  King's Singers setzen die Standards Für einen Abend stand Northeim ganz oben auf der Landkarte des gepflegten Chorgesangs. Auf ihrer Jubiläumstour machten die Kings Singers Station in der Sankt Sixti-Kirche. Das Sextett machte deutlich, wie hoch die Latte in Sachen a cappella nun mal liegt. Vor 50 Jahren betraten die Sänger aus dem King's College zum ersten Mal die Bühne. Damit sind sie wohl die älteste Boy Group des Planeten.  Mit einer Welttournee feiern dies Ereignis und dabei entfielen vieer Konzert auf Deutschland. Dementsprechend hoch war die Nachfrage und die St. Sixti-Kirch schlicht und einfach bis auf den letzten Platz ausverkauft. In den Swingin' Sixties war die Hinwendung zu klassischer Musik eine deutliche Aussage gegen den Mainstream. Bei allen Neuerungen im zweiten Set, muss man feststellen, dass sich das Ensemble im Großen und Ganzen treu geblieben ist. Auch die Besetzung mit zwei Countertenören, einem Tenor, zwe...

Keiner hat sich im Kräutergarten verirrt

Family Clash: Die Gebrüder Gerassimez begeistern in Nörten Von wegen Familienstreit. Am Freitag entführten Alexej, Wassily und Nicolai Gerassimez bei den niedersächsischen Musiktagen ihr Publikum in ihre kunterbunte Welt aus Jazz, Klassik und Tango. Zur Musik auf allerhöchstem Niveau gab es noch eine unterhaltsame Show mit Augenzwinkern. Die drei Brüder sind ganz bestimmt ein Glücksfall für die Musik. In eine Musikerfamilie geboren, lernten sie schon von frühester Kindheit an ihre Instrumente und wurden auch schon früh mit Preisen ausgezeichnet. Die Ankündigung hatte ein mitreißendes, homogenes und nahezu intuitives Zusammenspiel versprochen. Der Auftritt im Atrium des Gräflichen Landsitz Hardenberg übertraf die Erwartungen. Das zarte Klavierspiel von Nicolai Gerassimez leitet das Präludium von Johann Sebastian Bach ein. Behutsam gesellt sich das Vibraphon dazu. Mit dem vorsichtigen Spiel von Wassily Gerassimez am Cello ist die außergewöhnliche Besetzung komplett. Dann tritt das...

Till Brönner at his best

Ein Beitrag von Gastkritiker Jörg Hüddersen Eröffnung der niedersächsischen Musiktage in Göttingen Unter dem Motto "abenteuer" gastierte Till Brönner mit dem Till Brönner Orchestra am Sonntagabend im Rahmen der Niedersächsischen Musiktage in der Göttinger Stadthalle. Es wurde eine musikalische Reise durch viele Länder, doch "abenteuer" war eigentlich der falsche Titel: nach eher seichteren Abenteuern auf seiner letzten Platte sah man einen Till Brönner in Hochform, der ehrlichen Jazz spielte und ihn mit Funk und ein wenig Pop und Klassik angereichert dem Göttinger Publikum präsentierte. Der Meister bläst die Trompete. Alle Fotos: Hüddersen Brönner kam nicht allein sondern brachte sein neues Till Brönner Orchestra mit. Dessen Mitglieder stellte er als Kollegen vor und genauso musizierten sie zusammen: sich gegenseitig Raum gebend zeigten die Musiker unter der Gesamtleitung von Magnus Lindgren, dass sie nicht nur Hintergrund für Till Brönner waren. Lead-...