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Posts mit dem Label "Biografie" werden angezeigt.

Die heilende Kraft des Laufen

Ein Sportroman, der nach innen schaut  Uwe Prieser ist wieder voll auf der Höhe. Er hat sein Tief überwunden. Mit „Der Lauf ihres Lebens“ hat Deutschlands einziger Sportschriftsteller ein Buch vorgelegt, das nicht nur fesselt. Es überzeugt vor allem durch seine Tiefe, durch die Beobachtung und die Charaktere, die wirken wie von nebenan. Prieser hat zurückgefunden zu seiner einfachen und präzisen Sprache. Langatmige Satzkonstruktie wäre bei dem Thema auch nicht angebracht. Die Sprache scheint dem Sportteil entnommen und das gibt der Erzählung ein eigenes Tempo. Satz für Satz wie Schritt für Schritt über die lange Distanz. Das ist dem Thema angemessen. Dabei verzichtet Prieser zum Glück auf die Scheinwissenschaftlichkeit, der sich manche Sportjournalisten so gern bedienen. Er schaut lieber nach innen in die Athletinnen. Eben diese Reduktion lässt den Lesern ausreichend Platz, um mit eigenen Gedanken und Bildern vermeintliche Lücken zu füllen. Prieser nimmt sein Publikum ernst u...

Karasek: Ein Schnaps wäre besser gewesen

                   Hellmuth Karasek über Vorlesende und Zuhörende, Heino-Schokolade und Kräuterschnaps. Kritiker sind auch Jäger und dieser Gesprächspartner fehlte mir noch auf meiner Interviewliste, schließlich ist er ja die humorvolle Seite der Kritik . Als  ich die Ankündigung bekam 'Hellmuth Karasek liest im Theater Nordhausen', da machte ich mich auf  die Fährte. Ich musste der Presseabteilung bei Rowohlt auch mehrfach auflauern, aber weil Karasek nun einmal der Kritiker mit Humor ist, darum steckte ich nicht auf. Wie zu lesen ist, hat es ja geklaptt. Es war schön, zu merken, dass sich solch ein berühmter Mensch auch Zeit nimmt für den kleinen Lokalreporter und der auch ernst nimmt. Das Frage-Antwort-Spiel wurde schnell zu einem Gespräch. Karasek erzählt auch zwei Witze, von denen nur einer wiedergegeben ist, weil der andere nur über das gesprochene Wort funktioniert. Herr Karasek, sei...

Sex wird überbewertet

Eine Premiere aus dem Milieu Rotlicht ist Dokumentationstheater und die werkgruppe2 bringt mit ihrer neuen Produktion ein wenig Licht in das Halbdunkel der Prostitution. Grundlage der Eigenproduktion sind Interviews mit Sexarbeiterinnen, die Mitrabeiterinnen der  werkgruppe2 im letzten Jahr geführt haben. Der Einblick in diese Welt, die zur Hälfte eben auch kleinbürgerliche Welt ist, gelingt entspannt und locker und ohne den Missionseifer einer Alice Schwarzer, ohne den moralischen Stinkefinger eine Alice Frohnert und auch ohne die schräge Lyrik und Romantik einer Domenica Niehoff. Die werkgruppe2 hilft, Klischees und Vorbehalte zu überwinden, dafür bedankt sich das Publikum zum Schluss mit stehenden Applaus. Damit ist Rotlicht auch Therapietheater. Drei Musikerinnen betreten die Bühne und bringen im Ambient-Sound dem Publikum den Slogan des Abends nahe: Ruf mich an! Das bleibt im Kopf und für die Umsetzung wird gesorgt. Schon im Foyer ist die Aufforderung zu lesen: Handys ...

Thomas macht jetzt auch in Bücher

Brief an meine Mutter by Georges Simenon My rating: 5 of 5 stars In de Rue Pasteur lebte Simenon von 1905 bis 1911. Foto:Flamenc/Wiki. Simenon schreibt drei Jahre nach ihrem Tod einen offenen Brief an seine Mutter. Ein sehr offener Blick zurück auf ein schwierige Beziehung zwischen einer vom Leben enttäuschten Frau, die nicht aus ihrer Haut heraus kann, und ihrem berühmten Sohn, eine Beziehung voller Missverständnisse, mit dem Blick für Details und Gründe. Das Buch ist gleichzeitig auch eine Analyse über die emotionale Armut im späten 19./ frühen 20. Jahrhundert, die die Protagonisten nicht durchbrechen können. Damit vielleicht ein Schlüssel zum Werk von Simenon. Meist sachlich und nüchtern geschrieben hat es auch liebevolle Moment und der Autor verzichtet auf Häme und Überheblichkeit. Wer Simenon verstehen will, der muss es gelesen habe: „Meinem Vater fehlte nichts, meiner Mutter fehlte alles. Das war der Unterschied zwischen ihnen“. View all my reviews