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Posts mit dem Label "Sondershausen" werden angezeigt.

Amadeus rockt nur zögerlich

Eine bunte Inszenierung: Cosi fan tutte bei den Schlossfestspielen Bunt bis schrill, eine Herausforderung für die Augen, rasant auf alle Fälle, eine Reihe von Highlights, bestimmt gefällig, aber der letzte Schritt zu einer Neuinterpretation fehlt dann doch. So lässt sich die Inszenierung von "Cosi fan tutte" bei den Schlossfestspielen in Sonderhausen zusammenfassen. Angesiedelt ist die Oper in Neapel, Das schlägt sich im Bühnenbild von Birte Wallbaum nieder, nur versteht es kaum einer. Neapel war im 17. und 18. Jahrhundert nicht nur Europas größte, sondern auch reichste Stadt. Um den Reichtum zur Schau zu tragen, fliesten die Neapolitaner ihre Häuser von außen. Deswegen bestimmen die Fayencen das Bühnenbild. Schön ist es, das Geschehen auf einem Präsentierteller zu platzieren. Schließlich werden ja Gefühle zur Schau getragen. Leider verengt es den Raum zusätzlich, so dass kaum mehr möglich ist als " Auftritt - Arie - Abgang". Das hätte den Herrn Mozart sicherl...

Macht schlägt Kunst

“Tosca” verschenkt Potenzial in Sondershausen Mit der Inszenierung von Puccinis “Tosca” verabschiedet sich Regisseurin Annette Leistenschneider aus Nordthüringen und dem Südharz. Entsprechend hoch war die Messlatte bei der Premiere zu den Schlossfestspielen Sondershausen am Donnerstag. Doch die Erwartungen wurden nicht alle erfüllt. Die Aufführung zeigt stellenweise Defizite. Der Einstieg macht neugierig. Hyun Min Kim huscht als entflohener Häftling über die Bühne. Gekleidet ist der ehemalige Konsul Angelotti wie die Gefangenen in Guantanamo. Dazu hat ihn die Maske in einen Thüringer Wei Wei verwandelt. Das ist eine starke Aussage, in Zeiten in denen die Freiheit der Kunst von vielen Seiten unter Druck geraten ist. Religion ist ein Erfüllungsgehilfe der Macht.  Alle Fotos: Ronny Ristock Dieses Motiv taucht immer wieder auf, bis es Hye Won Nam in der Rolle der Floria Tosca im zweiten Akt deutlich ausspricht. Der Maler Mario Cavaradossi ist ein anerkanntes Mitglied der römisch...

Wer braucht schon Wien?

Loh-Orchester mit einem schwungvollen Programm So fängt das Neue Jahr gut an. Mit dem Programm "Wo die Zitronen blüh'n" begrüsste das Loh-Orchester im Achteck-Haus das neue Jahrzehnt. Die abwechslungsreiche Auswahl und der meisterliche Vortrag begeisterten. Musik aus Italien und italienisch inspirierte Werke standen auf dem Programm. Die Ouvertüre aus Rossinis war der passende Auftakt. Den Loh-Orchester gelang es hervorragend, den schnellen Wechsel der zahlreichen Motive zu gestalten. Aus dem Knall der Pauken und dem Stakkato der Streicher entwickelte die Oboe das erste Thema, dass dann von den Streichern übernommen wird. Die Geigen bauen es aus und lassen sich auch nicht von dem Pauken und Trompeten stören. Das deutliche Dirigat von Michael Helmrath zeigt klare Vorstellungen vom Zusammenwirken der Instrumentengruppen. Selbst im furiosen Finale sind die Unterschiede deutlich und das Klangbild transparent. Nur so lassen die unzähligen Ohrwürmer erkennen, die in diese...

Ein Fest des Großmuts

Gekonnte Unterhaltung: Entführung aus dem Serail bei den Schlossfestspielen Ein wenig Poesie, jede Menge Herzschmerz und vor allem überbordender Großmut. Mit der "Entführung aus dem Serail" zeigt Saskia Kuhlmann bei den Schlossfestspielen gekonnte Unterhaltung. Die Inszenierung zeigt vor allem zwei starke Sängerinnen und einen überraschenden Bass. Die Poesie gibt es gleich zum Anfang. Zur Ouvertüre durchmisst ein Kind die riesige Bühne vor dem Schloss, lässt sich am Wassergraben nieder und schaut versonnen. Dann zieht es unter sichtlicher Kraftanstrengung ein Segelschiff zu sich heran. Das ist nicht nur schön anzusehen. So hat Saskia Kuhlmann auch die Vorgeschichte der Entführung in einer betörenden Szene aufgelöst. Sehnsucht im Blick: SuJin Bae als Konstanze. Alle Fotos: Marco Kneise Das Bühnenbild von Dietrich von Grebmer zeigt sich aufgeräumt und auf das nötigste reduziert. Von Grebmer verzichtet auf Folklore und Ornamente. Damit erzeugt die Ausstattung eine...

Wenn das Zentralgestirn wunderschön verglüht

La Traviata im Sinne Verdis weiterentwickelt So ist es nun mal: Nirgends wird so schön gestorben wie in Verdis Dauerbrenner. Auch bei den Schlossfestspielen in Sondershausen ist die Titelheldin am Ende mausetot. Doch die Inszenierung von Anette Leistenschneider zeigt nicht nur drei Akteure in Höchstform sondern auch einige neue Aspekte. Das Libretto erscheint wie die Vorlage für eine Tele Novela: Lebedame aus der Pariser Oberschicht trifft auf Jüngling aus gutem Hause. Er ist unsterblich verliebt, sie ziert sich anfangs noch. doch dann schlägt die Liebe mit aller Macht zu und beide beginnen ein ruhiges Leben auf dem Lande. Dann funkt sein Vater dazwischen, sie opfert sich, er beschimpft. Als beide wieder zueinander finden, ist es zu spät. Die Schwindsucht rafft sie dahin. Was aus heutiger Sicht banal erscheint, war vor knapp 170 Jahren durchaus revolutionär. Anfang der 1850er Jahre erfindet Verdi die Volksoper. Nicht mehr Adelige und andere vermeintliche Helden stehen im Mit...

Eine Inszenierung, die sticht

Comedian Harmonist bei den Schlossfestspielen überzeugt in allen Belangen Was will man mehr? Eine traurige Geschichte auf unterhaltsame Weise erzählt, eine gesunde Portion Ulk und dazu sechs erstklassige Musiker und ein Schauspieler, der ihnen fast die Show stiehlt und alles zusammen in einer Inszenierung, die mit Leichtigkeit begeistert. Mit den "Comedian Harmonists" bei den Schlossfestspielen in Sondershausen ist Ivan Alboresi mal wieder ein großer Wurf gelungen. Mit einer Zeitungsanzeige sucht im Harry Frommermann im Dezember 1927 Sänger für eine noch zu gründendes Quartett. Sein Vorbild sind die Revellers aus den USA. Nach vielen Proben, Schwierigkeiten und Streitigkeiten beginnt das Ensemble  ein Jahr später unter dem Namen "Comedian Harmonists" eine einmalige Karriere. Diese wird die deutsche Musiklandschaft langfristig prägen, doch auf dem Höhepunkt funkt die Politik dazwischen. Die Comedian Harmonists entsprechen nicht dem Musikgeschmack der regierende...

Wahrlich eine Sternstunde

Ballettgala bei den Schlossfestpielen zeigt mehr als State of Art Thüringens Norden entwickelt sich zum Standort für Highballett. Das zeigte die Ballettgala "Sternstunden" bei den Schlossfestspielen Sondershausen am Mittwoch. Der zweigeteilte Abend gab vielleicht sogar einen Einblick in die Zukunft des Tanztheaters. Den Auftakt machte das Thüringer Staatsballett in Gera. Zuerst arbeitete es "Romeo und Julia" aus anderer Perspektive auf. "Mercutios Geheimnis" erzählt die tödliche Liebe aus Sicht von Romeos bestem Freund. Dabei liegt die Betonung auf "erzählt". Die beiden Choreographien dürften die Anhänger des klassizistischen Tanztheaters erfreut haben. Es ist traditionelles Handlungsballett und sie bedienen sich traditioneller Ausdrucksformen. Es gibt Spitze und viele Hebefiguren. Das ist gute alte Schule und passt zum gestelzten höfischen Gehabe in "Rittertanz" wunderbar und die Balkonszene rührt das romantische Herz. Mercut...

Gelungene Koopertaion

Die Carmina Burana bei den Festspielen in Sondershausen Auch Markus Frank wird in diesem Sommer das Theater Nordhausen verlassen. Zum Abschied zauberte der Generalmusikdirektor mit dem Loh-Orchester eine monumentale Aufführung mit mehr als 150 Akteuren auf die Bühne der Schlossfestspiele in Sondershausen: Die Carmina Burana von Carl Orff. Das Publikum auf der ausverkauften Tribüne war begeistert. Carmina Burana? Ach ja, jeder, der in den 1990er Jahren mal Fernsehwerbung oder Boxen gesehen hat, kennt zumindest Teile dieses Werkes. 1934 war Carl Orff auf eine Sammlung von mittelalterlichen Gedicht aus dem Kloster Bendiktbeuren gestossen. Der Bibliothekar Johann Schneller hat dieser Sammlung einst den Titel “Carmina Burana”, Lieder aus Beuren, gegeben. Frauen links, Kinder mittig und Männer rechts, so einfach ist die Konzertarchitektur.  Alle Fotos: tok Orff war von dem Material so begeistertet, dass die Gedichte innerhalb kürzester Zeit vertonte. Er meinte sogar, dass ...

Erwartungen erfüllt, Chance verpasst

"Anatevka" bei den Schlossfestspielen hat viel Broadway-Flair Opulente Kostüme, kräftige Stimmen und berauschende Tanzszenen. Bei ihrer Inszenierung von "Anatevka" greifen Jutta Ebnother und Toni Burckhardt in die Vollen. Bevor sie sich nach Schwerin verabschieden, zeigen die Choreografin und der Regisseur noch einmal, was den besonderen Zauber des Genre Musical ausmacht. Dabei können sie vor allem auf eine überragende Leistung von Thomas Bayer in der Rolle des Milchmann Tevje bauen. Bei der Premiere am Freitag war das Publikum berauscht und begeistert. Schon die Anfangsszene macht deutlich: Das Thema des Abends ist die Tradition in vielfältiger Form. Sie gibt den Menschen im Ort Anatevka, das irgendwo in der Ukraine liegt, den Lebensrhythmus, die Weltsicht und die Verhaltensregeln vor. Ganz in der Tradition des Broadway-Musicals macht Burckhard dies mit einer Massenszene, mit viel Tanz und überbordender Musik eines vollständigen Orchesters. Die Anfangsszene m...

Schöner Sterben

Werkgetreue Carmen-Premiere eröffnet die Thüringer Schlossfestspiele Liebe Leserinnen und Leser, sie können es ruhig zugeben. Seit Kati Witts goldgekrönten Auftritt in Calgary haben sie eine feste Vorstellung davon, wie Bizets Carmen zu verstehen ist. Temperamentvoll und schnell und zu Schluß wird dekorativ gestorben. Diese Erwartungen erfüllt die Inszenierung von Alfonso Romero Mora gänzlich. Damit erlebten die Schlossfestspiele am Freitag eine passenden Auftakt. Die Uraufführung galt 1875 als Skandal. Dem Pariser Publikum war die Oper um die laszive Zigeunerin viel zu naturalistisch. Not, Elend, Verführung, Verbrechen und Verderben, das wollte damals niemand auf einer Oper-Bühne sehen und hören. Dennoch wurde das Werk zum erfolgreichsten Musiktheater der Welt. Carmen ist der Mittelpunkt der Opernwelt. Alle Fotos: Tillman Graner Das liegt natürlich auch an der Musik von Georges Bizet. Der Franzose schaffte es die Exotik des spanischen Südens und die Musik der Roma und Sin...

Da blüht so einiges

"My fair Lady" ist nicht nur perfekte Unterhaltung Die leichte Muse ist ein schweres Fach, aber mit seiner Inszenierung von "My fair Lady" ist Toni Burkhardt bei den Thüringer Schlossfestspielen in Sondershausen der große Wurf gelungen. Das Musical ist komplettes Unterhaltungstheater, das begeistert, entführt und auch dem Kopf einiges zu bieten hat. Es ist Ausstattungstheater, das ein klassisches Musical in die Jetztzeit fortführt. Überkandidelter Sprachforscher trifft auf ein Blumenmädchen, schließt mit dem Kollegen Pickering  eine Wette über das Mädchen ab, benimmt sich wie die Axt im Walde, dressiert das Mädchen, scheitert in ersten Anlauf, gewinnt dann doch die Wette und verliert das Mädchen fast. Diese Aufführung wird von drei Polen bestimmt. Oliver Koch als Professor Henry Higgins, dem Opernchor des Theater Nordhausen und einer grandiosen Katharina Boschmann als Eliza Doolittle. Koch und Boschmann stehen exemplarisch für die beiden Seiten des Musicals. ...

Auch das Leben eines Prinzen ist eine einzige Baustelle

Ein Stück für 2 Gaukler und Hunderte von Spießgesellen im Liebhabertheater Zauberhaft, einfach nur zauberhaft. Was sich in der Ankündigung wie ein Historienspiel liest, entpuppt sich beim Zuschauen als Mut-Mach-Stück. "Der Raub des Prinzen Hugo" ist Theater für Kinder, dass alles bietet, was Kinder am Theater so lieben. Rike Reiniger ist Autorin und Regisseurin zugleich und mit dem Stück hat sie ein Werk vorgelegt, für das die Vokabel Gesamtkunstwerk vielleicht zu hochgegriffen erscheint, das aber alle Mal rundum gelungen ist und mehr sein sollte als das Kinderstück bei den  diesjährigen Schlossfestpielen in Sondershausen. In der Rollen von zwei Gauklern berichten Maria Hengst und Franz-Xaver Schlecht von einer historischen Begebenheit aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Prinz Hugo ist der Sohn des Grafen von Mansfeld, der mit Graf Günther von Schwarzburg befreundet ist. Damit der junge Mansfelder Gottesehrfurcht und Schönschreiben lernt, wird er zu Schwarzburg auf das Sch...