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Windsors Weiber sind vor allem schrill

Theater Nordhausen: Nicolais Oper hart an der Grenze inszeniert Irgendwo zwischen Rocky Horror Picture Show, Al Bundy und den Leningrad Cowboys. Anette Leistenschneider inszeniert "Die lustigen Weiber von Windsor" als eine Oper im Grenzbereich. Damit dürfte sie ganz im Sinne des Komponisten gehandelt haben. Bestimmt wird die Aufführung am Theater Nordhausen von zwei starken Polen: Zinzi Frohwein in der Rollle der Felicity Fluth und Michael Tews als Sir John Falstaff. Der letzte Pulverdampf der misslungenen 48er Revolution hatte sich verzogen, als Otto Nicolai die Arbeiten an seiner komischen Oper zum Abschluss bringt. Aber der Kampf geht in den Kulturpalästen weiter. Die Aufgabe der Kunst ist es, das Reine und Wahre zu zeigen, auch wenn man es nicht verstehen. So das Dogma des alles dominierenden deutschen Idealismus. Nein, sagten Otto Nicolai und Weggefährten. Aufgabe der Kunst ist es, zu unterhalten. Deswegen nimmt seine Oper einiges vorweg, was erst 50 Jahre später a...

The most sexy Blasinstrument

Wildes Holz bei den Jazzfreunden Osterode Warum eigentlich haben sich Generationen von pubertierenden Jungs mit der Gitarre abgemüht? Haben sich die zarten Finger an rauen Saiten ruiniert? Alles nur, um die Mädels zu beeindrucken. Hätten sie geahnt, dass man das auch mit der Blockflöte machen kann, wären ihnen einige erspart geblieben. Aber die züchtigen Musiklehrer haben es verschwiegen. Ob aus Unkenntnis oder mit Absicht, das sei dahingestellt. Aber Gott sei Dank gibt es ja Tobias Reisige und Wildes Holz. Das Trio war am Freitag zu Gast bei den Jazzfreunden Osterode und es hat nicht nur den kleinen Mädels imponiert. Am Ende des zweistündigen Konzerts tobte der ganze Saal, trotz des fortgeschrittenen Alters des Publikums. Tobias Reisige hat noch ganz andere Blockflöten im Arsenal. Fotos: tok  Seit 1998 ist das Trio unterwegs und es hat eine Mission. Handgemacht Musik ist mehr als bedächtiges Sinnieren über die Schlechtigkeit der Welt. Auch unplugged kann richtig abg...

Keine falsche Scham

Theater für Niedersachsen begeister mit Puppenmusical Sollten Waldorf und Statler eines Tages ein Musical schreiben, dann wird es  genau so aussehen und klingen. Am Sonntag zeigte das Theater für Niedersachsen (TfN) "Avenue Q" in der Stadthalle in Clausthal-Zellerfeld. Die Inszenierung von Intendant Jörg Gade untermauerte den Ruf des TfN als experimentierfreudiges Ensemble, das es versteht, anspruchsvolle Unterhaltung zu liefern. Waldorf und Statler? Ach ja, die Logenbesetzer aus der Muppets-Show. Auch wenn die Puppen die Hauptrolle spielen, dieses Musical  ist alles andere als jugendfrei. Denn es um die Themen, die die Erwachsenen so bewegen: Sex, Geld, Beruf, Freundschaft, Einsamkeit, der Sinn des Lebens und Sex. Brian (Alexander Prosek) und Kate Monster finden es zu Kot....   Foto: tok Nach dem Examen ist Princeton arbeitslos. Auf der Suche nach einer Wohnung landet er in der Avenue Q. In deren billigen Absteigen leben Menschen und Puppen zusammen und ja...

Sex wird überbewertet

Eine Premiere aus dem Milieu Rotlicht ist Dokumentationstheater und die werkgruppe2 bringt mit ihrer neuen Produktion ein wenig Licht in das Halbdunkel der Prostitution. Grundlage der Eigenproduktion sind Interviews mit Sexarbeiterinnen, die Mitrabeiterinnen der  werkgruppe2 im letzten Jahr geführt haben. Der Einblick in diese Welt, die zur Hälfte eben auch kleinbürgerliche Welt ist, gelingt entspannt und locker und ohne den Missionseifer einer Alice Schwarzer, ohne den moralischen Stinkefinger eine Alice Frohnert und auch ohne die schräge Lyrik und Romantik einer Domenica Niehoff. Die werkgruppe2 hilft, Klischees und Vorbehalte zu überwinden, dafür bedankt sich das Publikum zum Schluss mit stehenden Applaus. Damit ist Rotlicht auch Therapietheater. Drei Musikerinnen betreten die Bühne und bringen im Ambient-Sound dem Publikum den Slogan des Abends nahe: Ruf mich an! Das bleibt im Kopf und für die Umsetzung wird gesorgt. Schon im Foyer ist die Aufforderung zu lesen: Handys ...