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Posts mit dem Label "TfN" werden angezeigt.

Getanzter Zorn

Die Räuber zwischen Kain, Abel und Ödipus Mit einer Räuber-Trilogie wollte Olaf Graf in sein Amt als Intendant des TfN starten. Nach Schauspiel, Oper, defekter Brandschutzanlage und geflutetem Theater feierte nun der letzte Teil des Triptychon Premiere im Ausweichquartier "Halle 39". Die Räuber-Choreografie von Marguerite Donlon lässt staunen und macht atemlos.  Sie ist vor allem rasant und schnell, und bringt doch neue Perspektive. Donlon präsentiert eine neue Version von Kain und Abel und von der verlorenen Unschuld. Damit steht am Ende die Gewissheit, dass die Geschichten mit dem alten Grafen, seinen Söhnen und der schönen amalia nicht anders als tödlich ausgehen kann. Franz hat den Vater in der Gewalt.  Alle Fotos: Quast Seelenleben oder Erzählballett? Innerlichkeit oder Action? Die Wahlberlinerin verknüpft in ihrer Choreografie beide Möglichkeiten und die vier Tänzer und Annick Schadeck als Amalia setzen dies einsdruckvoll um.  Das verwundert nicht, denn ...

Ein Abend voller Entdeckungen

Zweites Kaiserpfalzkonzert mit der TfN-Philharmonie Unverhofft kommt nicht allzu oft, wenn aber doch, dann ist es umso schöner. Das ist das Fazit des zweiten Kaiserpfalzkonzert der TfN-Philharmonie in Goslar. Statt Erfahrung und Reputation stand dort Jugendlichkeit und Engagement am Pult. Das Publikum erlebt wohl so etwas wie die Geburt eines Stars. Als Dirigent war für diesen Abend mit Mozart und dem Londoner Bach Reinhard Goebel angekündigt. Als Gründungsmitglied der Musica antiqua Köln ja schon ein Hochkaräter. Doch Goebel musste kurzfristig absagen. Der Ersatzmann Oscar Jockel entpuppte sich als Hauptgewinn. Der 24 Jährige ist ein aufgehender Stern am Dirigentenhimmel. Er sammelt Preis und Auszeichnungen wie andere. Mit Mitte zwanzig ist die Liste seiner Referenzen so umfangreich wie bei Kollegen, die zwanzig Jahre älter sind. In diesem Jahr wir er einer von drei Drigenten beim Beethoven-Festival sein. Alle Fotos: Thomas Kügler Dass alle diese Vorschusslorbeeren ber...

Auf die Kleinigkeiten achten

Tristan und Isolde am Theater für Niedersachsen Wagner zum Auftakt. Fünf Monate lang wurde das Theater für Niedersachsen renoviert. Zur Wiedereröffnung gab es "Tristan und Isolde". Die Inszenierung von Tobias Heyder zeigte sich der Tradition verpflichtet. Die Darsteller überzeugen mit guten Leistungen, aber den Star des Abends gab es nicht zu sehen. In seiner Eröffnung scherzte  der Intendant. Man habe sich solch ein Mammutwerk ausgesucht, um die Qualität der neuen Bestuhlung zu testen, so Jörg Gade. Immerhin ist die Dauer der Oper mit 4 Stunden 45 Minuten angegeben. Die Sitzprobe fiel positiv aus. Ein anderes Ziel der Renovierung war nach Gades Angaben auch die Verbesserung der Akustik. Davon profitierte an diesem Abend vor allem das Orchester. Abgesehen von modischen Ergänzung bleibt Heyders Interpretation massenkompatibel. Der  Regisseur aus Hamburg scheut das Risiko und liefert eine Aufführung ab, die bestimmt keinen Skandal erregt, weil das Skandal-Potential nur ...

Ein Stück wie eine Axt

Ein beeindruckender Michael Kohlhaas am TfN Wenn man Literatur so auf die Bühne bringt, dann darf man sich nicht wundern, dass das Publikum hinterher begeistert ist. Mit seinem "Michael Kohlhaas" hat Moritz Nikolaus Koch am Theater für Niedersachsen eine Inszenierung vorgelegt, die zugleich verstört und begeistert. In der Uraufführung gab es schon zur Pause tosenden Applaus. Kleist Novelle ist das Synonym für einen Menschen, der ein berechtigtes Anliegen hat, aber bei der Umsetzung jegliches Gefühl für die Verhältnismäßigkeit verloren hat. Berechtigte Empörung schlägt hier in Hass um. Für Kleist ist Kohlhaas das Opfer aristokratischer Ränke und damit ein dunkler Held aufklärerischer Ambitionen gegen staatliche Willkür. In seiner Bühnenfassung verschiebt Koch die Akzente deutlich. Aus dem Opfer wird schnell ein Täter und damit die Blaupause für einen Wutbürger in der übersteigerten Form. Er ist kein bürgerlicher Don Quichote im Sinne von Ernst Bloch sondern einfach ein a...

Quicklebendig in den Tod

TfN spielt die Love Story Hier ist alles auf das Ende hin konstruiert und das dürfte bekannt sein: Jennifer Cavalleri ist tot. Im zarten Alter von 25 rafft sie die Leukämie dahin. Doch bis es soweit ist, zeigt sich das Ensemble des Theater für Niedersachsen quicklebendig. IN der Inszenierung von Chef Jörg Gade bleiben die Taschentuch-Phasen erfreulich kurz. Als Film war Love Story die Gefühlsattacke der 70er Jahre. Die Geschichte ist auch herzzerreißend. Junger Schnösel trifft auf talentiertes Mädchen aus einfachen Verhältnissen. Nach ersten Zankereien verlieben sie sich ineinander. Gegen den Widerstand seiner Eltern heiraten beide und verzichten auf Geld und Karriere. Unter widrigen Umständen bringt er sein Studium zu Ende und bekommt eine Anstellung. Doch als alles gut zu werden droht, erkrankt sie und stirbt in Windeseile. Vierzig Jahre später haben Stephen Clark und Howard Goodall daraus ein Musical gemacht. die Inszenierung von Jörg Gade am TfN überzeugt, weil sie den Fokus...

Ich wollt wie Eurydike singen

Barocke Opernpracht: Telemanns Orpheus am TfN Still und leise ginge das Telemann-Jahr zu Ende, gäbe es nicht das Theater für Niedersachsen. Dort stellte man sich dem Wagnis "Orpheus oder die Beständigkeit der Liebe". Die selten gespielte Oper zeigt in der Inszenierung von Sigrid T'Hooft barocke Opernpracht mit hohen Unterhaltungswert. Am Samstag war Premiere am TfN. Die Regisseurin Sigrid T'Hooft hat sich einen Ruf als Spezialistin für historische Aufführungspraxis gemacht. Ihre Inszenierungen wandeln dabei auf dem schmalen Grat zwischen angewandter Musikwissenschaft und opulenter Unterhaltung. Mit Imeneo bei den Händel-Festspielen in Göttingen konnte das niedersächsische Publikum 2016 zum ersten Mal einen Blick auf ihr Konzept werfen. Ihr Orpheus am Theater für Niedersachsen ( TfN ) ist Bestätigung und Ausbau zugleich. Opulenz an allen Orten. Diese Inszenierung ist ein Fest für Augen und Ohren, das vor allem erst einmal unterhalten möchte. Musik, Schauspiel, ...

Nur im Ansatz gelungen

Hohe Ansprüche: "1984" am Theater für Niedersachsen  Big Data ist Big Brother. Unter diesem Leitsatz inszenierte Reiner Müller am Theater für Niedersachsen die Bühnenfassung von Orwells Klassiker "1984". Doch die Premiere am Sonnabend zeigte, dass die eigenen Ansprüche nur teil umgesetzt werden konnten. Der Aktualitätsanspruch fehlt über weite Strecken.Es bleibt die Darstellung eines totalitären Staatsapparates. Die Anbindung sind die Jetztzeit sind ja da. Das Bühnenbild von Eva Humburg strotz nur so vor Computern und Bildschirmen. Bildschirme als Möbel, als Hocker, als Kletterhilfe, als Lebensinhalt. Die Blaumänner im Hoodie-Look mit modischen Sneakern verweisen auf Jetzt-Eben-Gerade. Das war es dann auch schon erst mal mit der Aktualität. Die Bezüge zu Big Data bleiben vorerst ein Versprechen, das nur zaghaft eingelöst wird. Total fit und entspannt in die Hass-Woche. Foto: TfN/Westhoff Die Inszenierung von  Reiner Müller  ist eher die Entdeckung der...

Mehr als schöne Bilder

Ein Telemann-Ballett am Theater für Niedersachsen Lauter Amateure und trotzdem ein ambitioniertes Tanzprojekt. Kann das klappen? Ja, das kann. Dies zeigt zumindest der Ballettabend "Kann man das tanzen?" des Theaterpädagogischen Zentrum Hildesheim am Theater für Niedersachsen. 250 Jahre ist Georg Philipp Telemann nun also schon tot. Das muss man irgendwie feiern. Also ist das Tanztheater zu Telemanns "Auferstehung und Himmelfahrt" der Hildesheimer Beitrag zum Gedenkjahr. Ohne seine Hildesheimer Erfahrungen und die Förderung vor Ort wäre Telemann wahrscheinlich nie Profi-Musiker geworden. Da entbehrt es nicht einer gewissen Spitzfindigkeit, ihm mit einem Amateurprojekt zu ehren. Grundlage des Oratoriums "Auferstehung und Himmelfahrt Jesu" ist ein Libretto von Karl Wilhelm Ramler, das in die empfindsame Phase fällt. Durch Telemanns eigene Dramatik erfährt es eine deutliche Aufwertung, die durch filigrane Tonstrukturen kontrastiert und aufgebrochen wird...

Den Doktor Faust zeitlos gemacht

TfN-Inszenierung zeigt das Optimum für die Oper Es gibt die seltenen Fälle, in denen eine Inszenierung weit über das hinausgeht, was die Vorlage liefert. "Doktor Faust" am Theater für Niedersachsen ist solch ein Fall. Hier stimmt alles. Sie stellt die Frage nach dem menschlichen Verhalten in Phasen des Zeitenwechsels, des radikalen Umbruch und nach der Moral. Deswegen gab es zur Premiere am Karsamstag auch jede Menge Applaus. Grundlage der Oper von Ferruccio Busoni ist die  Legende um ist Johannes Georg Faust . Er war  zu Beginn des 16. Jahrhunderts im süddeutschen und mitteldeutschen Raum als Wunderheiler, Wanderprediger, Alchemist und Magier tätig. Er gilt als zweifelhafte Randfigur einer Ära, in der sich im deutschsprachigen Raum Wissen, Humanismus und Neuzeit aus den Zwängen des Mittelalters und des Klerus befreiten. Damit gibt er die optimale Projektionsfläche für die Kritik der klerikalen Restauration ab. Schwarz Inszenierung zeigt einen Menschen, der mit den wech...

Komisch, befremdlich, tieftraurig, optimisch und auf alle Fälle anrührend

Supergute Tage im Theater für Niedersachsen Wie bringt eine Handlung, die auf Innerlichkeit beruht, in die Äußerlichkeit einer Theaterbühne? Jörg Gade hat es vorgemacht. Seine Inszenierung von "Supergute Tage oder die sonderbare Welt des Christopher Boone" am Theater für Niedersachsen ist befremdlich und mitfühlend, tieftraurig und optimistisch, erschreckend und komisch und auf alle Fälle anrührend. Der Erfolg beruht auch auf dem mitreißenden Spiel der beiden Hauptdarsteller Marek Egert und Martin Schwartengräber. Christopher Boone ist 15 Jahre alt und an Asperger erkrankt. Er besucht eine Förderschule und lebt mit seinem Vater zusammen. Eines Abends entdeckt er den toten Hund der Nachbarin Mrs. Shears. Mr Wellington wurde mit einer Forke in ihrem Vorgarten ermordet. Trotz väterlichem Verbot macht sich Christopher auf die Suche nach dem Mörder. Mit seinen unbedarften Fragen und seinen offensichtlichen Ängsten bringt er die Fassaden der Erwachsenen zum Wanken und auch zu...

Der Tag, an dem Jean zu trinken anfing

TfN dreht in "Funny Money" fleißig an der Spirale des Wahnsinns Es ist eine Plattitüde, aber dennoch wahr. Man  muss schon verdammt gut, um eine überdrehte Komödie davor zu bewahren, in Klamauk zu enden. Mit "Funny Money" beweist das Theater für Niedersachsen, dass es genau das kann. In der Farce von Ray Cooney schimmern immer wieder Realität und echte Typen durch. Henry Perkins scheint ein wahrer Glückspilz zu sein. An seinem Geburtstag verwechselt der Buchhalter auf dem Heimweg in der U-Bahn seinen Aktenkoffer mit dem eines Unbekannten. Im nächsten Pub trinkt er sich nicht nur Mut an sondern überprüft auch den Inhalt des Koffers: 2,5 Millionen Pfund, wohl zweifelhafter Herkunft. Kaum hat Henry Perkins einen Koffer voll Geld,hat er auch gute Freunde. Alle Fotos: F.v. Traubenberg Er fasst einen wichtigen Entschluss: Geburtstagsessen absagen, Frau einpacken, ab in den Süden und ein neues Leben beginnen. Doch er hat die Rechnung ohne seine Frau, die Freunde, ...

Gestrandet in der Einsamkeit

Theater für Niedersachsen zeigt das Elend der Effi Briest 'tschuldigung für die antiquierte Formulierung, aber diese Inszenierung geht einem wirklich zu Herzen. Petra Wüllenweber hat beim Schreckgespenst des Deutschunterrichts nicht nur die Rasselkette entrostet. Sie hat dem Stück auch die Bissigkeit zurückgegeben, dass es zu den Zeiten Fontanes auch hatte. Zwei Stühle auf einer leeren Bühne, ein Mikro recht, eins links, Musiker und Schauspieler betreten die Bühne. Eine Frau näht Gardinen. Das Akkordeon spielt eine gedämpfte Melodie, die Gitarre schlägt die Akkorde dazu. Katharina Kwaschik zitiert die ersten Sätze aus Fontanes Romanvorlage. Sie schildert die Idylle eine landadeligen Gehöfts irgendwo in der Weite der brandenburgischen Steppe. Noch sieht es aus, wie der endlose Sommer der Jugend.      Alle Fotos: tok Es ist ein passender Kunstgriff, der hier vollführt wird. Immer wieder wird eine Darstellerin oder ein Darsteller an den Rand des Geschehens treten, ...