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Nur bedingt tauglich

Das DT belebt Brechts Puntila und dessen Knecht Matti In einer Friede-Freude-Eierkuchen-Ära unbequeme Fragen zu stellen, die Wohlfühl-Politik mit dem Thema Macht und Herrschaft zu kontern, ist grundsätzlich löblich. Das war der Ansatz von Christoph Mehler. Doch seine Inszenierung von "Herr Puntila und sein Knecht Matti" am Deutschen Theater in Göttingen erfüllt die selbst gesteckten Ziele nur zum Teil. Was ein Kommentar zur Zeit sein könnte, gerät über weite Strecken zur historisierenden Schaustellung. Als das Licht angeht, geht der Blick ins Leere. Die Bühne ist komplett abgeräumt und es das Bühnenhaus ist nackt. In der Ferne baut sich der Chor auf und eine Stimme schüttelreimt den Anfang. Hier ist die Aufführung Brechtischer als Original. Die zahlreichen Nebenrollen hat Christoph Mehler in einem Chor zusammengefasst, der in vielen Stücken Brechts eine große, kommentierende und reflektierende Rolle spielt. Noch ist der Herr bei Sinnen und bestimmt nicht nüchtern.  F...

Dieser Haifisch, der hat noch Zähne

Bettina Rehm inszeniert eine raue und ungeschliffene Dreigroschenoper Doch, Brechts Paradestück auf die Bühne zu bringen, das ist ein Wagnis. Irgendwie kann jeder was dazu sagen, also sind die Erwartungen gross und ebenso die Chance auf einen Verriss. Bettina Rehm ist dieses Wagnis am Theater für Niedersachsen (TfN) eingegangen und belohnt das Publikum, mit einer Deutung, die wohl näher am Original ist, was als vieles andere unter dem Label Brecht. Es geht nicht um die Philosophie der Relativität des Verbrechens im gesellschaftlichen Kontext, es geht  nicht um eine Fallstudie über die Wertbildung im Londoner Subproletariat und es geht vor allem nicht um Sozialromantik unter Ausgestoßenen. Diese Dreigroschenoper ist rau und ungeschliffen, direkt und spröde, gewalttätig und niederträchtig, steckt voller Sex und ist damit ganz nah dran am Original. Julia Hattstein hat die Bühne sparsam und damit variabel möbliert. Es gibt nur eine lange Tafel, die auch als Laufsteg dienen wird un...

Mutter Courage: Auf halber Strecke stehengeblieben

Einfach zu linientreu Mutter Courage und ihre Kinder im Deutschen Theater Der Krieg frisst seine Kinder und manchmal stirbt ein Stück an zuviel Werktreue. Die Inszenierung der Mutter Courage und ihrer Kinder erstickt jedenfalls an zuviel Liebe zum Vater. Der Anfang ist viel versprechend. Eine Stimme aus dem Off fordert das Publikum zu mehr Aufmerksamkeit und zum Abschalten der Mobiltelefon. an  fühlt man sich ertappt und schon ist man mittendrin. Mutter Courage und ihre Kinder, das ist in erster Linie Erzähltheater. Foto: DT Dem gelungenen Auftakt folgt aber keine ebenbürtige Fortsetzung. Die Einführung wird heruntergerattert und Mutter Courage und ihre Kinder wirken auf der Bühne deplazeirt wie Statuen aus dem Brecht-Museum. Die Bühne ist leer gefegt, selbst der Wagen der Marketenderin, eine Konstante und  zentrales Gegenstand im Werk, fehlt.  Immerhin ist es doch der Wagen mit den Waren, der die Anna Fierling erst zur Marketenderin macht. Eine Inszenier...