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Posts mit dem Label "Musik" werden angezeigt.

Gegen das Sedativum

Deutsches Theater Göttingen eröffnet “Tankstelle”  Das DT Göttingen hat noch einmal ein starkes Zeichen gesetzt und Theater in Corona-Zeiten neu definiert. Am Freitag eröffnete es die “Tankstelle” und mit diesem analogen Stück verabreichen Antje Thoms und Erich Sidler ein Gegengift gegen das Sedativum “streaming”. Geöffnet ist die Tankstelle täglich von 16.30 bis 18.30 Uhr. Am Karfreitag ist geschlossen.  Es scheint, als wäre ein Ufo am Wall hinter dem Deutschen Theater gelandet. Die Container, die sonst als Proberäume dienen, sind im Chick der 60-er Jahre verkleidet. Davor stehen Zapfsäulen aus derselben Zeit. Wer dicht genug herangeht, kann nicht nur “Blasenfrei zapfen” lesen, sondern auch riechen, dass die Geräte wirklich mal in Gebrauch waren.  Dort, wo am Turm sonst die Preise für den Treibstoff stehen, werden heute “Begegnung”, ”Musik”, “Appetit”, “Beweglichkeit” und “Liebe” angepriesen. Menschen in roten Overalls schwirren umher. Das Bodenpersonal macht die Ill...

Keiner hat sich im Kräutergarten verirrt

Family Clash: Die Gebrüder Gerassimez begeistern in Nörten Von wegen Familienstreit. Am Freitag entführten Alexej, Wassily und Nicolai Gerassimez bei den niedersächsischen Musiktagen ihr Publikum in ihre kunterbunte Welt aus Jazz, Klassik und Tango. Zur Musik auf allerhöchstem Niveau gab es noch eine unterhaltsame Show mit Augenzwinkern. Die drei Brüder sind ganz bestimmt ein Glücksfall für die Musik. In eine Musikerfamilie geboren, lernten sie schon von frühester Kindheit an ihre Instrumente und wurden auch schon früh mit Preisen ausgezeichnet. Die Ankündigung hatte ein mitreißendes, homogenes und nahezu intuitives Zusammenspiel versprochen. Der Auftritt im Atrium des Gräflichen Landsitz Hardenberg übertraf die Erwartungen. Das zarte Klavierspiel von Nicolai Gerassimez leitet das Präludium von Johann Sebastian Bach ein. Behutsam gesellt sich das Vibraphon dazu. Mit dem vorsichtigen Spiel von Wassily Gerassimez am Cello ist die außergewöhnliche Besetzung komplett. Dann tritt das...

Reise an den Sehnsuchtsort

"Bandoneon Glück auf" mit Christian Gerber und Sabrina Ascacibar Tango in der Kraftzentrale des Industriedenkmal Rammelsberg. Kann das funktionieren? Ja, das kann es und zwar wunderbar. Das zeigte die Premiere mit Sabrina Ascacibar, Christian Gerber und Gerd Bauder am Sonntag. Der Reflex funktioniert bei den meisten: Das Bandoneon ist im argentinischen Tango zu Hause. Doch geboren wurde es in Deutschland und war lange Zeit das Instrument der Bergarbeiter im Ruhrgebiet und im Erzgebirge. Erst mit den Auswanderern fand es seinen Weg nach Südamerika. Diese Reise nachzuvollziehen, dass war der Anspruch von Ascacibar und Gerber. Dabei spielte die Richtung nicht so sehr die Rolle. Es ging hin und her zwischen den Kontinenten und es ging nicht nur nach Tango-Land. Sehnsucht, Freud und Leid und ihre musikalische Verarbeitung sind die Konstanten in diesem Programm. Sabrina Ascacibar kann nicht nur Gesang sondern auch Gitarre.    Fotos: Kügler Instrumentenbauer, Seemänner, ...

Sehr persönlich und fast schon lyrisch

Cloud 6 zeigt sich vielfältig auf dem neuen Album Spielerisch und leicht. Blues hat nicht immer was mit alten Männer, die über eine verflossene Liebe jammern. Es geht auch frisch und leicht. Das beweist Cloud 6 mit dem neuen Album "Leaving Home". Blues sei irgendwo zwischen Jazz, Swing, Rockabilly zu Hase, kalauerte mal Michael Arlt. Es ist ja wohl eher so, dass der Blues der Vater all dieser und noch viel mehr ist. Sei's drum. Auf jedem Fall bewgen sich die vier Musiker bei "Leaving Home" genau in diesem Bermudadreieck. Diese Vielfalt ist nicht der Orientierungslosigkeit geschuldet sondern dem tieferen Verständnis einer Musik, die auf Dogmen verzichtet. 11 Songs haben sie in diesem Album zusammengefügt und zeigen damit eine Vielfalt, die bei Newcomern überrascht. Das Tomtom-Gewummer beginnt, dann setzt die prägnante Stimme von Kim Shastri ein, dazu eine geslappte Gitarre ohne Effekte. Der Start ist rau und ungekünstelt und klingt ein wenig nach Jerry Le...

Meine Höhepunkte

Ein persönlicher Rückblick auf das Kulturgeschehen in 2014 Es war viel los "uff de gass", deswegen ohne viele Worte und mit einigen Bildern das Jahr 2014 im Rückblick mit sehr persönlichen Kriterien. Fortsetzung folgt. In der Kategorie Theater Die rasanteste Inszenierung: Der Fall der Götter am DT. Die Komödie mit dem verzerrsten Gesichtern: La Mandragola in Nordhausen Die Inszenierung mit dem meisten Klößen im Hals: Eine Stille für Frau Karasch am TfN in Hildesheim.  Die Inszenierung mit dem meisten "Betretenes Schweigen im Publikum": Fast normal am TfN Die Inszenierung mit dem größten Abenteuer-Appeal: Ronja Räubertochter in Bad Gandersheim. Die Inszenierung mit dem größten Mutmacher-Effekt: " Der Raub des Prinzen Hugo " in Sonderhausen Die Inszenierung mit der Schlussfrage "Verdammte Hacke, warum kann es nicht endlich mal ein Happy End geben?" Orpheus steigt herab in Nordhausen. ...

Das geilste Konzert der Welt?

Jan Delay und Disko Nr. 1 eröffnen Soundcheck-Festival Um in meiner Alters- und Gewichtsklasse 2.500 Kalorien vom Hüftgold loszuwerden, braucht es 2,5 Stunden auf dem Fahrrad, bei einem 30-er Schnitt wohl gemerkt. Bei Jan Delay und Disko Nr.1 schafft man es in der Hälfte der Zeit. Am Donnerstag macht der Chefstyler den Opener beim Soundcheck-Festival in Göttingen. Die 1.500 Zuschauer und ich, wir erlebten 75 Minuten Tempo, Party und Spaß. Besser kann man ein Festival nicht beginnen. Jan Delay ist ein Magier. Alle Fotos: Layda Für sein aktuelles Album „Hammer & Michel“ musste sich Jan Delay Kritik und Spott gefallen lassen. Den Puristen ist das Werk zu rocklastig. Doch kann Jan Delay nicht erschüttert, deswegen hieß die Devise am Donnerstag: Volles Brett heißt die Devise in der ausverkauften Stadthalle. Noch bevor die Lichter angehen, hämmern die Gitarrenriffs von Wacken ins Publikum. Der Sound ist fett, die Bass-Drum wummert, die Snare scheppert, die Horn-Section macht Dru...

Gefährliche Liebschaften haben am Ende nur Verlierer

Das Musical als Uraufführung bei den Gandersheimer Domfestspielen Nun ist das Programm der 56. Gandersheimer Domfestspiele komplett. Ab Freitag erlebten die "Gefährliche Liebschaften" ihre Uraufführung. Eigens für die Bühne vor der Stiftskirche haben Heiko Lippmann, Andreas Gäßler und Christian Doll aus dem Briefroman von 1782 ein Musical gemacht.Leichter verdaulich ist das starke Stück um Lug und Trug dadurch nicht. Es gewinnt eher an Schärfe und deswegen spart das Premierenpublikum am Freitag auch nicht mit Applaus. Die Marquise Isabelle Merteuil schlägt dem Vicomte Sébastien de Valmont vor, die jugendliche Braut ihres früheren Geliebten Gercourt, Cécile de Volanges, noch vor der Hochzeitsnacht zu verführen. Frühere Intrigen haben die beiden in eine riskante Form der gegenseitigen Abhängigkeit gebracht. Eine Feindschaft könnte beide in den Abgrund stürzen. Das ist die erste Aussage des Musicals. Die Marquise und der Vicomte pflegen ein System von Ko-Abhängigkeiten. al...

Das Leben ist ein Laufsteg

Thomas Klenk eröffnet mit Goldonis Sommerfrische die Domfestspiele Nach viel Vorprogramm ist das Schauspielprogramm der 56. Gandersheimer Domfestspiele  eröffnet. Thomas Klenk zauberte am Donnerstag mit "Die Sommerfrische" von Carlo Goldoni eine Neubearbeitung auf die Bühne vor der Stiftskirche, die keine Wünsche offen ließ. Es war der Abend von Gunter Heun, der in der Rolle des Leonardos ganz großes Theater bot. Alles will nach San Remo, zumindest diejenigen Mailänder, die zur  High Society gehören wollen. Solche Leute wie  Leonardo und seine Schwester Vittoria, der alternde Filippo und seine Tochter Giacinta andererseits. Beide Familien eint die Tatsache, dass sie sich den kostspieligen Aufenthalt in der Sommerfrische gar nicht leisten können. Sie sind allesamt pleite. Da hat sich eine feine Reisegesellschaft zusammen- gefunden. Alle Fotos: Hillebrecht  Dennoch werden sie nach langen Hin und Her, nach "rin in die Kartoffeln und raus aus den Kartoffeln"...

Kampf der Kulturen

Mark Zurmühle verabschiedet sich mit "Ay" Ay" Carmencita!" Einst diente die Novelle Carmen als Vorlage für die weltberühmte Oper von Georges Bizet. Für seinen Abschied als Intendant interpretierte Mark Zurmühle das Werk von Prosper Merimée neu als ein Kampf der Kulturen, der Lebensentwürfe, die nicht zueinander passen können. Bei der Premiere seiner szenischen Fantasie am 19. Juni in der Lokhalle konnte die Mischung aus Musik, Schauspiel und Lesung überzeugen. Mit dieser Bühne hat Eleonore Bircher einen großartigen Entwurf umgesetzt. Lange Tischreihe mit weißen Decken umrunden ein großes Geviert, dahinter stehen die kleinen Tribünen und zusammen bilden sie eine Stierkampfarena. Im Vorspiel streute Andreas Jeßing Sand in das Geviert, später werden die Opfer wie tote Stiere vom Schauplatz geschliffen und damit wird die Assoziationskette rund um den spanischen Kampf der Kulturen wieder aufgegriffen und verstärkt. Die offen Konstruktion in der Lokhalle sorgt dafür, ...

Eine flog über's Kuckucksnest, fast jedenfalls

TfN-MusicalCompany wagt sich an "Fast normal" Hingehen, anschauen und zuhören und zwar unbedingt. Dieses Stück ist hinreißend, atemberaubend, rührt das Herz und geht an die Nieren. Craig Simmons hat "Fast normal" von Tom Kitt und Brian Yorkey als rasante Achterbahnfahrt durch die Höhen und Tiefen und durch die manischen und depressiven Phasen einer bipolaren Störung inszeniert. Das Kammermusical verzichtet auf eine große Besetzung und große Szenen, sondern überzeugt mit Charakterstudien und eindringlichen Szenen. Am Schluss bleibt die Katastrophe aus, ein Happy End gibt es auch nicht, aber die Hoffnung bleibt. Alle zusammen singen das Loblied auf die Psychopharmaka. Fotos: TfN/Hartmann "Fast normal" ist der Kammerspiel unter den Musicals und kommt mit sechs Sängerinnen und Sängern aus. Das macht das Stück und die Geschichte, die es erzählt, aber auch so eindringlich und intensiv und ist im Gegenzug auch ein Herausforderung für die Akteure. Hier gi...