Hat jede eine zweite Chance verdient?
Manchmal ist es gut, wenn eine Ausstellung zu Ende geht. Das gibt der Kuratorin die Chance, es noch einmal zu versuchen und es besser zu machen. Das Publikum hat anschließend die Gelegenheit, im zweiten Anlauf etwas Sehenswertes und Bleibendes zu erleben. Die erste Aussage gilt besonders für die Ausstellung "Glückauf" im Mönchehaus in Goslar, die bald schließt.
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Christos Erbe in Goslar ist der Ausgangspunk. Alle Fotos: Kügler |
Bergbau, Goslar und Kunst gehören ebenso unlösbar zusammen, seit Christo und Jeanne-Claude im Juni 1988 den letzten Hunt aus dem Bergwerk Rammelsberg verpackt haben. Seit neun Jahren steht dieses einzige erhaltene Werk des Paars wieder in Goslar, im Garten des Museums Mönchehaus. Dort hängt auch die dazugehörige Skizze "Package on a hunt" in 80 mal 70.
Ausflug in den Sommer 1988
Das mag der Ausgangspunkt dieser Ausstellung gewesen sein, die dann weitergeht mit drei Fotografien von Lars Wiedemann. Beeindruckt die erste noch mit Details, Größe und erstaunlichen Perspektiven, kommt dann die aneinandergereihte Beliebigkeit.
Ja, irgendwie hat alles was hier hängt, mit Bergwerken und Bergleuten und harter Arbeit zu tun. Aber nur, wenn man drei bis vier Gedankenwendungen macht. Nicht nur die Skizze des Bergwerk Rammelsberg aus dem 18. Jahrhundert ist überraschend bis verwirrend. Auch die Zurrgurte mit chinesischer Beschriftung im selben Raum wirken verloren.
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"STORY" ist ein Fragment aus einer Performance von Donna Kukarma aus dem Jahr 2015. |
Für Kuratorin Miriam Bettin mögen die Verbindungen zwischen den einzelnen Exponaten deutlich sein. Doch dem Publikum fehlt das missing link und somit wirkt die Zusammenstellung beliebig, fast nach dem Motto "Schauen wir mal, was es im Depot dazu gibt." Oder was mir sonst noch zum Thema Bergbau einfällt. Spätestens angesichts der Exponate im dritten Obergeschoss kippt die ganz Schau dann in Richtung Heimatmuseum.
Grubenlampe, Helm und Wettertabellen. Wie aus dem Nichts tauchen Relikt aus dem Rammelsberg auf, präentiert in Vitrinen mit der Museumpädagogik der 50-er Jahre. Soll das Publikum zum Nachdenken über geänderte Sehgewohnheiten angeregt werden, sollte die Kuratorin besser einen Gebrauchsanweisung daneben hängen.
Wahrscheinlich hat Frau Bettin hier den Brückenschlag zwischen internationaler Kunst und lokalen Gegebenheiten versucht. Gelungen ist er ihr nicht. Gleiches gilt für die Installation von Helena Uambembe. Das liegt nicht an der denkbar ungünstigen Platzierung im dunklen zweiten Obergeschoss, sondern einfach daran, dass sie am Thema vorbei ist.
Das "Lava kaleidoscope" von Olafur Eliasson ist sicherlich ein schönes Spiel mit verwirrten Perspektiven in einem sich selbst spiegelnden Raum. Aber auch hier bleibt der Zusammenhang im Großen und Ganzen unklar. Schließlich findet man Lava nicht in Bergwerken. Lava hat die unangenehme Angewohnheit heiß an die Oberfläche zu steigen und erst dort zu Gestein zu erstarren. Für Reichtum durch Bergbau steht sie schon gar nicht, sondern eher für Zerstörung. Vielleicht wollte Miriam Bettin auf dieses Antagonismus hinweisen. Wir können es nur hoffen, ansonsten bliebt dieser Beitrag in diesem Zusammenstellung nur Spielerei.
Der stärkste Beitrag ist am besten versteckt
Es gibt eine schönes Zitat von Tobias Wolff zur Präsenz auf deutschen Bühnen, das ausbaufähig ist. Nicht alles was in deutschen Museen hängt, gehört da auch hin. Nur weil etwas im Museum hängt, ist es noch lange nicht Kunst. Das gilt auch für die Videoinstallation von Karimah Ashadu.
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Auch "EVENT" ist ein Überbleibsel aus einer Performance von Donna Kukarma aus dem Jahr 2015. |
Warum hingegen der Kurzfilm "Mine" von William Kentridge in die hinterste Ecke des Mönchehaus-Komplexes verbannt wurde, bleibt unklar. Vielleicht, weil man dort im klaustrophobischen Dunkel ein Gefühl für die Arbeitsbedingungen südafrikanischer Minenarbeiter bekommt.
Auf jeden Fall greift Kentridge die Mittel des Expressionismus auf, um mit schnelle und assoziativen Bildern nicht nur berichtet, sondern eben auch zum Mitdenken und Mitfühlen. Das geht dem größten Teil der Exponate in dieser Ausstellung ab.
Am Ende bleibt die Feststellung, das es für den ersten, guten Eindruck meist keine zweite Chance gibt.


