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Posts mit dem Label "Theater unterm Dach" werden angezeigt.

Von Menschenfeinden und Hundehassern

"Die Hundegrenze" ist eine Dokumentation mit Theatermitteln Eine Menschenleben zählte an der innerdeutschen Grenze nicht viel und ein Hundeleben schon gar nicht. Dies zu zeigen, das gelingt Christian Georg Fuchs in seiner Inszenierung von "Die Hundegrenze" auf beklemmende Weise. Am Sonntag war Premiere im Theater unterm Dach Ausgangspunkt der Aufführung ist die gleichnamige Reportage von Marie-Luise Scherer. 1994 widmete sie sich im Spiegel auf beeindruckende Weise einem Kapitel der deutschen Trennung, das bis dahin weitestgehend vergessen war. Es ging um die sogenannten Trassenhunde, um jene Vierbeiner, die einst die Grenze bewachten. Angekettet und isoliert waren sie dem Wetter ausgeliefert. In einem unmenschlichen System standen die Tiere auf der untersten Stufe. Die emotionslose und klare Sprache, die die Reportage prägt, verdeutlicht die Unmenschlichkeit, das Fehlen jeglicher Empathie. Fuchs orientiert sich an eben diesem Stil. Er über nimmt ganze Passag...

Die Kraft zum Überleben

Eine beeindruckende Geschichte aus dem Holocaust am Theater Nordhausen "Die Tänzerin von Auschwitz" ist die Geschichte von Roosje Glaser.   Bianca Sue Henne und Jutta Ebnother haben die Biografie der Frau, die das Grauen überlebte, für das Theater Nordhausen inszeniert. Herausgekommen ist ein beeindruckendes Werk, das viele Grenzen sprengt. Premiere war am Donnerstag im Theater unterm Dach. Die Inszenierung ist als spartenübergreifend angekündigt. Es vereint Schauspiel, Tanz und Element des Figurentheater miteinander. Der offene Beginn zeigt zwei Paare, die sich im Tanz wiegen. Natürlich liegt es nahe, die Biografie einer Tänzerin mit Bewegung aufzufüllen. Aber der Tanz hat in diesen Konzept eine wichtige erzählerische Funktion. Kann man dieses Grauen in Worte fassen? Nur schwer. Deswegen "vertanzen" Joy Kammin und Olaf Reinecke und Joy Kammin und Patrick Jech die Passagen, die weit über das Normalverständnis hinausgehen. Sie fassen das in Bewegung, wofür es...

Zwei gute Lösungen

Theaterjugendclubs Nordhausen und Rudolstadt zeigen gemeinsames Projekt Wenn man zwei unterschiedlichen Gruppen dieselbe Aufgabe stellt kommen zwei unterschiedliche Ergebnisse dabei heraus. Das Projekt "Aus dem Koffer" ist so etwas wie wohl kalkuliertes Improvisationstheater. Im letzten Herbst schickten sich die Theaterjugendclubs von Nordhausen und von Rudolstadt jeweils einen Koffer voller Requisiten zu. Aus den Gegenständen sollten bei Gruppen ein eigenes Stück entwickeln. Bei der Premiere am Sonnabend im Theater unter Dach präsentierten die Jugendlichen zwei sehr unterschiedliche Werke. Diese können nebeneinander bestehen und zeigen beide, auf welch hohen Niveau Jugendtheater sich bewegen kann. Die Spielfläche ist in Schwarzlicht getaucht. Die Requisiten hängen im Halbkreis von der Decke und begrenzen die Aktionsfläche. Acht Jugendliche liegen als Knäuel auf dem Boden. Zur Sarabande von Händel erhebt sich einer nach dem anderem und wedelt mit einer Mullbinde. Diese Re...

Ein opulentes Märchen mit Musik

"Gold!" im Theater unterm Dach Der härteste aller Kritiker war mal wieder unterwegs. Auf dem Spielplan stand "Gold!" von Leonard Evers, ein Märchen für zwei Schauspieler und zwei Musiker. Die Inszenierung von Bianca Sue Henne überzeugt mit vielen Einfällen, visueller Opulenz und dem märchenhaften Bühnenbild von Wolfgang Rauschning. Das Libretto von Flora Verbrugge folgt dem Märchen vom Fischer und seiner Frau. Es ist eine Geschichte von Glück, Gnade, Gier und der Katastrophe, die alles wieder ins Reine bringt, einen vermeintlich natürlichen Zustand wieder herstellt. Fast alles ist wie immer, aber nur fast. Denn  neben den modernen Zutaten wie Auto und Weltreisen hat das Autorenpaaren noch zwei wichtige Ergänzungen beigesteuert. Jakob fängt den Fisch. Fotos: Tilmann Graner   Zum einen gibt es einen Perspektivwechsel. Träger der Handlung ist nicht der Fischer. Er und seine Frau sind die Eltern von Jakob. Er fängt den verzauberten Fisch und aus der Sicht d...

Leicht und bunt wie ein Ballon

Rike Reiniger inszeniert einen traumhaften Luftballonverkäufer Poesie, Philosophie und Theater und alles zusammen in 45 Minuten und dann auch noch für Kinder. Kann das gut gehen? Ja, das kann es. Das beweißt die Inszenierung von "Der Luftballonverkäufer" am Theater unterm Dach. Zum Maus Türöffner Tag gab es noch einmal ein Sondervorstellung voller Zauber und Poesie. Traumhaft schön und leicht gibt es die Antwort auf die allerletzte aller Frage: "Wo landen die Luftballons, wenn sie davon geflogen sind". Die Freundinnen Antonella ( Uta Haase ) und Margherita ( Bianca Sue Henne ) erzählen die Geschichte vom Luftballonverkäufer Alberto. Jeden Tag bläst er die Ballons auf, bindet sie fest und stellt sich dann auf seinem Platz. Jeden Kind, dass ihm ein Geldstück gibt, gibt er einen Ballon. Sie berichten von seinem Abenteuer, das begann, als der Wind ihn und sein 400 Ballons davontrug. Auf dem Planet der verlorenen Spielsachen fand er unter den drei Sonnen alles das, wa...

Dieses Theater lässt keinen kalt

Peter Jech macht im Theater unterm Dach den Feuerwehrmann Hiermit schlagen wir, der härteste aller Kritiker und der Theatergänger, Peter Jech und das schwarzweiß figurentheater für die Verdienstmedaille "Lebendiges und witziges Kinder- und Familientheater 2015" vor. Doch erst von Anfang an. Prolog: Eigentlich wollte ich mit meinem Neffen zu dieser Vorstellung. Er ist bekennender Nachwuchsfeuerwehrmann.  "Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt" von Hannes Hüttner ist seine bevorzugte Fachliteratur. Doch dann habe ich doch für den härtesten aller Kritiker als Begleitung entschieden. Der Einsatz bei Omas Eierschecke läuft. Alle Fotos: Anja D. Wagner   Die Vorlage gehört in Ostdeutschland seit mehr als 40 Jahren zu den Monumenten der Kinderliteratur. Eine Adaption für die Bühne ist mit hohen Risiko behaftet, weil das Publikum die Bilder von Gerhard Lahr mit in die Vorstellung bringt. Um nicht in diese Nacherzählungsfalle zu tappen, war die Entscheidung von P...

Der Charme des Unperfekten

Der Theaterjugendclub ging mit den Papierpiraten auf große Fahrt Der härteste aller Kritiker und sein schreibender Vater waren wieder auf Reise. Sie führte nach Nordhausen ins Theater unterm Dach. Die Junioren des Theaterjugendclubs hat zur Premier der Papierpiraten eingeladen. Mit dem Soundtrack aus dem "Fluch der Karibik" begann die letzte Inszenierung des Theaterjugendclubs in dieser Saison pompös. Aber die großen Erwartungen werden gleich wieder gebrochen, weil in der Bühnenmitte ein Schattenspiel der robusten Art abläuft. Es ist dieser Zauber des Selbstgemachten, des Unperfekten, den den Charme der "Papierpiraten" ausmacht. Dadurch wirkt die Produktion authentisch, wirkt wie ein kindliches Spiel auf dem Dachboden. Aber erst zum Inhalt: Capt'n McUnheil ist der furchterregende Piratenkapitän, der die schöne Clara entführen ließ. Clara zieht gemeinsam mit dem Schiffsjungen Tim den schiffsbrüchigen Klaas aus dem Wasser. Schiffskoch Pierre, Klaas und Mc...

Stück für einen Schauspieler und sechs Puppen

Patrick Jech spielt mit der Weihnachtsgans Auguste Eigentlich ist von Anfang an klar, dass die Gans zu Weihnachten nicht im Bräter landen wird. Aber wie das schwarzweissfigurentheater "Die Weihnachtsgans Auguste" zum guten Schluss kommen lässt, das ist das Allerschönste. Patrick Jech und Bianca Sue Henne ist eine Inszenierung gelungen, die Kinder und Erwachsene auf sehr unterschiedliche Weise verzaubert, weil in ihrer Aufführung zwei Ebenen miteinander verwoben sind, die beiden Ansprüchen gerecht werden. Auch Tammo, acht Jahre alt und der härteste aller Kritiker ( siehe hier ), zeigte sich zufrieden. Mit einem Monolog und einer Strumpfpuppe fängt alles an. Alle Fotos: Toni Burckhardt Da ist die Geschichte um die Gans Auguste, die Freundschaft schließt mit dem sechsjährigen Peter, und da ist die spitzfindige und anekdotenreiche Darstellung einer Familie mit Großmutter und pubertierender Tochter, mit Vater, der gern Held wär, immer wieder geerdet wird, und der Mutter, d...

Die Grimms im ABBA-Sound

Jugendclub junior entzaubert die zertanzten Schuhe Diese Inszenierung hat ihren ganzen besonderen Reiz. Bianca Sue Henne, Daniela Zinner und die 14 Kinder des Theaterjugendclub junior haben "Die zertanzten Schuhe" der Brüder Grimm zerlegt, entzaubert und  nach Heute gebeamt. Heraus gekommen ist ein Stück, das nicht nicht märchenhaft ist, sondern frech, keck, witzig, ironisch, spontan, mutig, kindgerecht, zeitgemäß, innovativ und vor allem eins: sehenswert. Am Sonntag war Premiere im Theater unter Dach in Nordhausen, der härteste aller Kritiker ( siehe unten ) war mal wieder mit von der Partie. Auch er hat sich gefreut, dass Märchen auch heute noch begeistern können. Die Brüder Grimm sollte man nur als Anregung verstehen. "Die zertanzten Schue" des Theaterjugendclub kommt ganz ohne Pluderhose, Feder am Hut, Puff-Ärmelchen und Spitzenkleidchen aus. Bianca Sue Henne wagt eine Kostümierung, die man so nicht erwartet hat. Diese Inszenierung ist ein Wettrennen zwische...

Es ist nicht einfach, radikal zu sein

Theaterjugendclub spielt Stück über blinden Aktionismus Marie, Rosa und Ana sitzen fest. Eigentlich wollte sie den Schalter umlegen, die Scheinwerfer erlöschen lassen und die Europa-Premiere von "Lovely Juliet" platzen lassen. Schließlich ging es um nichts Geringeres, als die Welt wach zurütteln und die Welt zu verbessern. Doch bevor sie ihre spektakuläre Tat durchführen konnten, haben die Sicherheitskräfte die Drei erwischt. Nun sitzen sie fest, aber es besteht noch Hoffnung. Denn Viktorie, die vierte Verschwörerin, ist noch auf freiem Fuß und kann die Aktion zum Erfolg führen. Marie, Rosa und Ana sitzen fest und in Rückblenden erzählen sie ihre eigene Chronologien des Scheiterns Mit den vier Themen Weltverbesserung, Sinnfrage, Suche nach dem Platz im Leben und pubertierende Liebe ist das Jugenddrama "Heute ist ein guter Tag"  ein ambitioniertes Projekt. Dennoch ist Autorin Ann-Christin Focke ein authentisches Werk gelungen. Der Theaterjugendclub Nordhausen zeig...