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Ein leiser Angriff auf den Mythos

Erich Sidler inszeniert "Wagner - Ring des Nibelungen" am DT Göttingen  Dieses Stück ist wohl nötiger denn je. Am Deutschen Theater Göttingen hat Erich Sidler “Wagner - Der Ring des Nibelungen” von Thomas Köck inszeniert. Es geht um die Wirkungsmächtigkeit der Mythen. Die Aufführung ist ein vielschichtiger Kommentar zur Zeit und lässt dabei Raum für die Zuschauer. Vier Opern, 16 Stunden Spielzeit und insgesamt 24 Jahre Schaffenszeit. Der Ring der Nibelungen ist das Opus magnum von Richard Wagner. Das Werk und ihr Schöpfer verschmelzen in der Populärkultur. Seine Fans bezeichnen sich als Wagnerianer und bekennen sich zu ihrem sektenhaften Verhalten. Nicht weniger als die ganze Welt erklären, wollte Wagner hiermit und ausgerechnet der selbst ernannte Punk Schlingensief holte den bayerischen Sachsen aus der Ecke der Untoten. In Zeiten, in denen das Narrativ mehr zählt als die Fakten, ist ein Stück, dass sich mit der Kraft der Mythen beschäftigt, dringend notwendig. Autor Thomas ...

Auf die Kleinigkeiten achten

Tristan und Isolde am Theater für Niedersachsen Wagner zum Auftakt. Fünf Monate lang wurde das Theater für Niedersachsen renoviert. Zur Wiedereröffnung gab es "Tristan und Isolde". Die Inszenierung von Tobias Heyder zeigte sich der Tradition verpflichtet. Die Darsteller überzeugen mit guten Leistungen, aber den Star des Abends gab es nicht zu sehen. In seiner Eröffnung scherzte  der Intendant. Man habe sich solch ein Mammutwerk ausgesucht, um die Qualität der neuen Bestuhlung zu testen, so Jörg Gade. Immerhin ist die Dauer der Oper mit 4 Stunden 45 Minuten angegeben. Die Sitzprobe fiel positiv aus. Ein anderes Ziel der Renovierung war nach Gades Angaben auch die Verbesserung der Akustik. Davon profitierte an diesem Abend vor allem das Orchester. Abgesehen von modischen Ergänzung bleibt Heyders Interpretation massenkompatibel. Der  Regisseur aus Hamburg scheut das Risiko und liefert eine Aufführung ab, die bestimmt keinen Skandal erregt, weil das Skandal-Potential nur ...

Das Glück im Unglück suchen

Der Fliegende Holländer als Abhängigkeitsstudie Wagners Singspiel ist nicht ein Drama um einen verfluchten Kapitän. Bei den Schlossfestspielen in Sondershausen wird die Oper zur Tragödie weil die Heilserwartungen nicht aufgehen können-Alle suchen Glück und Erlösung, das kann nicht gut gehen. Getragen wird die Aufführung des Nordhäuser Ensembles bei den Schlossfestspielen vor allem von einer starken musikalischen Leistung des Orchesters, dreier Sänger und Kathleen Parker als Senta. Auf dieser Basis kann Toni Burkhardt in seiner Inszenierung eine neue Seite bei Wagner aufschlagen, die vor allem die Abhängigkeiten der Handelnden in den Vordergrund stellt Schon im Präludium begeistert das Loh-Orchester mit Dynamik und malt das kommende Unglück musikalisch in die Sommernacht. Vor allem das präzise Zusammenspiel im Dialog mit den Sängern zeigt das Ensemble unter der Leitung von Markus Frank seine ganze Klasse. Kraftvoll, wenn es kraftvoll sein muss, leise, wenn Zurückhaltung geboten ist u...

Wagner wird überschätzt und Goethe auch

Psychogramm eines Mittelmäßigen – Der Kontrabass in Nordhausen Seit 30 Jahren gehört „Der Kontrabass“ zu den populärsten Theaterstücken in deutscher Sprache. Nun hat Frank Sieckel das Ein-Mann-Stück für das Theater Nordhausen neu inszeniert. Am Ende bleibt ein tiefer Einblick in die Seele eines Mannes, der an seiner Mittelmäßigkeit verzweifelt. Die Bühne ist sparsam möbliert: ein Stuhl, ein Sessel, eine Stereo-Anlage. Der Raum schallisoliert, damit der Moloch Großstadt draußen bleibt. Brahms spielt, der Bassist betritt die Bühne durch den Zuschauerraum. Der Alleindarsteller enthüllt den heimlichen Hauptdarsteller, seinen Kontrabass. Noch berichtet er über den Reiz und die Möglichkeiten des Instruments, von der Quart-Stimmung des Viersaiters. Am Kontrabass kommt niemand vorbei, er ist das Fundament des Orchesters. Ohne ihn verliert das Ensemble die Orientierung. Der Musiker und das Objektes des Hasses. Foto: Sieckel Doch die Fassade bröckelt. Zwischen Ins...

Wagner ohne Gewalt entstaubt

Das TfN inszeniert den Fliegenden Holländer als Oper der Jetztzeit Ob nun Genie oder Wahnsinniger, 2013 kommt der Kulturbetrieb nicht an Wagner vorbei. Das Theater für Niedersachsen hat sich den fliegenden Holländer vorgenommen und am Karsamstag in Hildesheim die Legende um den niederländischen Kapitän Bernard Fokke in einer entkrampften Inszenierung präsentiert. Der Anfang ist alles andere als schroff.  Ein Schiff auf der Heimreise, eine aufstrebende Bühnenarchitektur, viel Blau und Weiß, ein Chor und Daniel Jenz als Steuermann künden im Tenor von der Freude der baldigen Heimkehr. Doch die Mächte eines düsteren Himmels verlangen einen Aufschub, Triebverzögerung nicht als Kulturtechnik, sondern als Wesen einer widerspenstigen Natur. Als die Mannschaft des Kapitän Daland sich von den Strapazen des Sturms erholen, taucht aus den Tiefen des Bühnenhauses das Schiff des Holländers auf. Ein Bau wie ein Skelett, ein blutrotes Segel wie ein Totenkopf, eindeutig geisterhaft. Doch der...