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Posts mit dem Label "Junges Theater" werden angezeigt.

Die Welt braucht diesen Hotzenplotz

Junges Theater Göttingen zeigt den Räuber von einer anderen Seite Alles passt zusammen. In ihrer Inszenierung von „Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“ verknüpfen Nico Dietrich und Christian Vollmer die klassischen Mittel des Kindertheaters mit einer neuen Aussage. Es funktioniert. Kinder und ältere Hotzenplotz-Fans haben ihren Spaß daran, weil es eben klassisches Mutmacher-Theater bleibt und doch neu ist. Der Räuber Hotzenplotz ist aus dem Gefängnis ausgerissen. Während die Erwachsenen mit Angst und Schrecken reagieren, fassen Kasperl und Seppel einen mutigen Plan. Sie wollen den Räuber mit einer List einfangen, denn was einmal klappt, das klappt auch ein zweites Mal. Im Zentrum ihres Plan steht eine selbst gebaute Rakete. Otfried Preußler hat die kurze Geschichte vom Räuber, der auf den Mond will, um sich dort mit Silber einzudecken, bereits 1967 veröffentlicht. Das Werk war als Stück fürs Puppentheater gedacht. Doch „Die Mondrakete“ geriet in Vergessenheit und wurde erst...

Gemeinsam die Dämonen besiegen

 Sayasaki: Butoh-Tanz im Jungen Theater Eine Choreographie, die Mut macht in diese Zeiten, zeigte das Junge Theater am vergangenen Wochenende. Unter der Leitung von Tadashi Endo war dort in den letzten Wochen „Sayasaki“ entstanden. Dennoch zeigt die Uraufführung ein beeindruckendes Werk mit Schwachstellen. Endo hat den Butoh vor mehr als vierzig Jahren nach Südniedersachsen gebracht. Diese Form des Tanztheaters thematisiert immer wieder den Schmerz in seinen unterschiedlichen Formen. Da ist es also naheliegend, eine Butoh-Choreographie zu Corona zu machen. Ausgehend von der Theorie, dass die Lasten der Pandemie hauptsächlich auf den Schultern der Frauen lasten, hat Endo das Stück mit den Tänzerinnen Virginia Torres Peres, Satoko Shimizu und Natsuko Kono entwickelt.  Tadashi Endo in den wechselnden Rollen das Troll, Dämon oder Virus immerhin als Individuum, die drei Tänzerinnen nur als Kollektiv. Zwei von drei gemeinsam gegen den Dämon Foto: Maciej Rusinek Es ist eine Cho...

Ein Parzival für alle Fälle

Sven Mattke entstaubt für Junges Theater Nordhausen Es bedarf keines Wunder, damit Sohn und Vater mal einer Meinung sind. Es braucht nur ein mitreißendes Stück Theater und schon sind sie sich einig. So geschah es am Sonnabend im Theater unterm Dach in Nordhausen. Sven Mattke und Nele Neitzke zeigten in der Uraufführung von "Young Parzival" eine großartige Aufführung. 25.000 paarweise Verse umfasst der Epos von Wolfram von Eschenbach aus den Jahren 1200 bis 1210. In Buchform sind das 16 Bände. Nele Neitzke hat es geschafft, dieses literarische Monstrum auf 65 Minuten Schauspiel zu komprimieren und konzentrieren. die Meisterleistung besteht darin, dass nichts verloren geht. Krone auf: Sven Mattke spielt den König Artus. Alle Fotos: András Dobi Der Dramaturgin und Regisseurin ist es gelungen, die lange Legende auf die Eckpunkte zu reduzieren. In beeindruckenden Schlüsselszene  setzen sie die Wegmarken. Die Entwicklung des jungen Manns, sein Prozess der Reifung wird ...

Der Schah kam nur bis Berlin

Das Junge Theater rechnet mit der 68er-Generation ab Die Revolution hat Geburtstag und das verlangt nach einem Theaterstück. Weil sie auch in der Provinz stattfand, betreibt das Junge Theater unter dem Titel "GÖ 68 ff" eine Retrospektive mit Nabelschau. Diese entpuppt sich als Dokumentationstheater mit hohen Ehrlichkeitsfaktor, wenn man genau hinschaut und aufmerksam zuhört. Der Einstieg ist stilgerecht. Vom Katheder aus zitiert  Jan Reinartz  den Übervater Theodor W. Adorno. Es geht um Revolution und Anpassung und darum, wie sehr die Erinnerung doch täuschen kann. Das Konzept von Autor und Regisseur Peter Schanz ist einfach. Das Gerüst bilden Interviews mit Zeitzeugen und die diejenige, die sich dafür halten. Der Blick auf den Stückzettel macht deutlich, dass einige Befragte sich 1968 noch weit ab von Göttingen befanden. Da sprach wohl eher der Promi-Faktor als das Prinzip Betroffenheit für die Befragung. Katheder ist das eine Symbol für die Studentenunruhen 68 ...

Immer noch Holzfäller

Clauy Peymann liest Thomas Bernhard im Jungen Theater Zum Schluss sagte Intendant Nico Dietrich, der Gast sei immer noch ein Gigant des Theaters. Zuvor hatte Claus Peymann eine Stunde fünfzehn lang diese These reichlich unterfüttert. Seine Lesung von Bernhards „Holzfällen“ im Jungen Theater war ein Ausflug in die Zeit, als Theater noch Angriffslust hatte. Natürlich liest ein Theatermann von der Bühne hinunter. Auf dieser stellt lediglich ein Ohrensessel in roten Samt. Von der Decke hängt ein weißes Tuch. Darauf ist ein Zitat von Voltaire gedruckt und über dem Sessel drapiert liegt ein weiteres Tuch. Wie ein Leichentuch scheint es eine längst vergangen Zeit zu verdecken. Aus dem Hintergrund taucht Peymann auf. Er betritt die Bühne, auf der vor mehr als 50 Jahren seine Karriere als Regisseur begann. Die Freude ist wohl echt, sowohl beim Gast als auch beim Publikum. Dessen Altersdurchschnitt liegt deutlich über 50 und einige der Zuhörerinnen und Zuhörer dürften schon mal...

Bilder des Unbegreiflichen

Junges Theater bringt die Katastrophe von Tschernobyl auf die Bühne Der 26. April 1986 hat die Welt verändert. Damals explodierte der Atomreaktor im ukrainischen Tschernobyl. Der erste GAU tötet abertausende Menschen. Er beendete die Biographien von weitaus mehr Menschen, indem er ein riesiges Gebiet radioaktiv verseuchte, und er tötet noch heute. Mit "Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft" hat das Junge Theater Göttingen die Katastrophe auf die Bühne gebracht. Bei der Premiere am Freitag gab es donnernden Applaus. Ein karge Bühne, im Hintergrund eine weiße Wand, davor ein Streifen mit Erde. Zwei Darsteller sitzen an der Rampe und blicken in den Zuschauerraum, im Hintergrund schleppen drei Darsteller Hausrat an der weißen Wand vorbei. Aus dem Off erzählen mehrere Stimmen zugleich von ihrem Leben vor der Katastrophe. Das erwartet das Publikum beim Betreten des Saals. Pflanzen als Zeichen der Hoffnung. Alle Fotos: Dorothea Heise/JT Dann beginnt das Stück, die Dars...