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Jane Eyre verharrt im Mittelfeld

 Uraufführung des Musicals kann nur bedingt überzeugen Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht. Diese alte Weisheit gilt zum großen Teil für das neue Musical am Theater Nordhausen. „Jane Eyre“ verharrt im Mittelfeld. Die Inszenierung hat wenige Höhepunkte und einige Schwachstellen. Dabei waren die Erwartungen hochgesteckt, denn das Musical nach dem gleichnamigen Roman von Charlotte Brontë erlebte in Nordhausen seine deutsche Erstaufführung. Am Ende überwiegt die Freude, endlich mal wieder Theater vor großem Publikum erleben zu können. Die Geschichte reiht sich ein in die Gefühlswirren der Romantik. Eine junge Frau mit schwerer Kindheit hat immer noch so viel Liebe in sich, dass sie einen verbitterten älteren Mann wieder auf den rechten Weg führt und am Ende auf die Allee in das gemeinsame Happy End einbiegt. Kommerziell war es der größte Erfolg von Charlotte Brontë. Die vermeintliche Autobiografie wurde 1847 schon kurz nach dem Erscheinen zum Bestseller. Zumindest im ...

Stotterstart bei den Schlossfestspielen

Addams Family in Sondershausen ist vor allem routiniert Acht Monate war der Spielbetrieb des Theater Nordhausen und des Loh-Orchesters lahmgelegt. Bei den Schlossfestspielen in Sondershausen erfolgt mit der Premiere der “Addams Family” am Donnerstag der Neustart. Doch das Musical war ein Stotterstart. Die letzten beiden Spielzeiten fanden im Park vor dem klassizistischen Flügel statt. Nun sind die Festspiele in den Innenhof zurückgekehrt. In seiner Begrüßungsrede freute sich Intendant Daniel Klajner, wieder im Wohnzimmer spielen zu dürfen. Doch mit der Rückkehr in den Schlosshofes ist viel an sommerlicher Atmosphäre verloren gegangen. Konnten die Festspiele 2019 und 2018 mit Weite, Licht und Luftigkeit verzaubern, herrscht nun wieder mittelalterliche Enge. Darunter leidet auch das Bühnenbild von Wolfgang Rauschning. Es wirkt gedrängt und eingequetscht. Vor allem leidet es unter dem Manko, dass der Sitzplatz über den Genuss entscheidet. Wer rechts auf der Tribüne sitzt, dem ist s...

Das geht unter die Haus

Antje Thoms inszeniert Woyzeck am DT Göttingen Leicht schräg, endlos traurig und mit einer völlig neuen Perspektive. Der "Woyzeck" am Deutschen Theater Göttingen geht unter die Haut. Dabei ist die Inszenierung von Antje Thoms nicht nur beeindruckend, sondern nötiger denn je. Die Vorlage von Georg Büchner ist ein Stück, dass schon sehr die Frage nach Macht und Abhängigkeit gestellt hat. Mit dieser Aufführung macht Antje Thoms deutlich, dass dieses immer wieder getan werden muss. Das ist in Zeiten, in denen Friede, Freude, Eierkuchen zur Maxime geworden sind und in denen Antagonismen hinter dem Scheinwerferlicht verschwinden, um so wichtiger. Thoms hat sich nicht des Dramas sonder des gleichnamigen Musicals bedient. Dazu hat sie den militärischen Hintergrund entfernt und in die banale Welt des Rockbiz verlegt. Bei aller Kumpelhaftigkeit ist auch dieses von steilen Machtgefügen geprägt. Schon bevor die Show beginnt, hat Woyzeck verloren. Alle Fotos: Thomas Jauks Als ...

Das Schicksal läutet mit viel Musik

Der Glöckner von Notre Dame bei den Domfestspielen Ist dass noch ein Drama oder schon ein Musical? Auf jeden Fall inszeniert Achim Lenz den "Glöckner von Notre Dame" mit viel Musik. Das Werk nach dem Roman von Victor Hugo wird zu einem Lehrstück über die Angst vor dem Anders sein. Dabei liegen die Überraschungen in den Details und den Nebenrollen. Trotz der musikalischen Leichtigkeit schafft es Achim Lenz seiner Inszenierung Tiefe zu verleihen. Es um die Macht über Andere, um Mitgefühl, um Erwartungen und um die Schwierigkeit, die Andersartigkeit des Gegenübers zu ertragen. Wie eine Gänseschar zieht eine Gruppe Touristen vor das Domportal. Fremdenführer Jan Kämmerer rattert die Daten zu Notre Dame runter, er zieht sein Programm durch. Die Gruppe interessiert ihn nicht. Aber immer wieder scheucht er die Gästeschar vor sich her. Er hat sie im Griff, die Masse lässt sich lenken. Damit gelingt Kämmerer ein unterhaltsamer Auftakt. Später wird er als Poet Pierre diese Leist...

Göttlich und mitreißend

"Spatz und Engel" eröffnen die Domfestspiele Ich habe die Piaf gesehen, doch wirklich. Die steht in diesem Sommer in Bad Gandersheim auf der Bühne. Dort lebt, leidet und stirbt sie auch eindrucksvolle Weise. Doch hübsch der Reihe nach. Man könnte es wohl Musiktheater nennen. "Spatz und Engel" von Daniel Große Boymann und Thomas Kabry behandelt das Verhältnis von Marlene Dietrich und Edith Piaf zueinander. Was dabei Historie und was Fiktion ist, bleibt in der Inszenierung von Sandra Wissmann zweitrangig. Die Möglichkeit ist entscheidend. Es könnte so gewesen sein, es könnte sich so zugetragen haben. Die Aufführung vor der Stiftskirche entwickelt eine eigene Logik. Aber vor allem fesselt sie durch die gesangliche Leistung von Syliva Heckendorn. Damit erleben die 61. Gandersheimer Domfestspiele eine mitreißende Eröffnung. Da ist sie noch die Kühle. Alle Fotos: Kügler Auf ihre spezifische Art und Weise haben Marlene Dietrich und Edith Piaf das Showgeschä...

Lazarus bleibt halbtot

Musical am DT Göttingen gefällt nur streckenweise Die Reanimation ist nur ein Teilerfolg. Das Musical "Lazarus" am Deutschen Theater Göttingen bleibt hinter den eigenen Ansprüchen zurück. Da helfen auch die großartigen Bilder und die Video-Projektionen nur bedingt. Angekündigt ist das Stück als das Vermächtnis von David Bowie. Das Musical knüpft an den Roman "The Man who fell toEarth" aus der Feder von Walter Tevis. In dessen Verfilmung spielte Bowie 1976 die Hauptrolle des Thomas Jerome Newton. Der Außerirdische reist durchs  All, um wasser für seinen Heimatplaneten zu besorgen. auf der Erde erlebt er Ruhm und Aufstieg, die große Liebe mit Mary-Lou  und die herbe Enttäuschung. Zum Schluss kann er die Erde nicht mehr verlassen, kann auch nicht leben und nicht sterben und verharrt im Dämmerzustand. Knapp vierzig Jahre später schrieb Bowie zusammen mit dem Dramatiker Enda Walsh die Geschichte fort. Newton lebt als schwer reicher Exzentriker völlig zurückgezoge...

Das Leben ist härter als das Cabaret

Ein packendes Musical   Große Gefühle und tiefe Verzweiflung, belebende Musik und mitreißende Tanzszenen und zwei unglückliche Liebesgeschichten verpackt in ein visuelles Gesamtkonzept. Alles gepaart mit einem überragenden Hauptdarsteller. Die Inszenierung von "Cabaret" am Theater Nordhausen hat alles, was man von einem Musical erwarten kann. Die Erwartungen sind hoch gesteckt, denn "Cabaret" hat als Film die Wahrnehmung der frühen 30-er Jahre mitgeprägt. Dabei hat sich Ivan Alboresi aber für eine Inszenierung entscheiden, die sich stärker am Musical aus dem Jahre 1966 orientiert als am Streifen von 1972. Deutlich wird dies an der Namensgebung. Alboresis Held heißt wie in der literarischen Vorlage „Goodbye to Berlin“ Clifford Bradshaw und damit wird die persönliche Perspektive des Autors Christopher Isherwood übernommen, wie sie den Ursprungsroman „I am a Camera“ bestimmt. Auf der dunklen Bühne steht ein einsamer Mann im Spotlicht von oben. Im Hintergrund...

Lieder mit Krokodilstränen

Ein Besuch in der Bar zum Krokodil musste sein Was aus den ersten Blick wie eine amüsante Revue von Evergreens und Gassenhauer erscheint, entpuppt sich als eingängige Zusammenfassung von rasanten gesellschaftlichen Umbrüchen. Auf jeden Fall können Christian Doll und Heiko Lippmann mit dieser Form eines musikalischen Dokumentationstheaters überzeugen Der erste Weltkrieg ist vorbei und Deutschland gehört zu den Verlierer. Das alte Morsche ist zerbrochen und der Kaiser hat sich nach Holland abgesetzt. Regisseur Ulf Dietrich gelingt es, diesen Zustand mit wenigen Mitteln deutlich. Es sind unruhige und ungewisse Zeiten und hektisch patrouillieren die verbliebenen Ordnungshüter vor dem Bahnhof. Klara ist auf der Suche nach ihrem Mann, der aus dem Felde zurückkehren soll. Die Pickelhauben vertreiben sie ein ums andere Mal. Während Mario Gremlich als Unternehmer Wilhelm darüber klagen darf, dass mit dem Krieg nun auch die guten Geschäfte vorbei sind, schwenkte ein Bolschewist eine rot...

Am Ende siegt doch die Liebe

Addams Family als schräges Familiendrama bei den Domfestspielen Man muss sie einfach mögen, diese Mischung aus schwarzem Humor, Gesang, Kitsch und Parodie. Wenn man sich drauf einlässt, dann bietet die Addams Family viele laute und leise Lacher, einige Mitschnipp- und Mitklatsch-Momente und einen kurzweiligen Abend. Zum Schluss siegt die Liebe und es bleibt die Erkenntnis, dass es selbst bei denen nicht viel anders ist als bei Familie Normalo. Die Addams sind ein wenig in die Jahre gekommen. Seit ihrem ersten Erscheinen im "New Yorker" sind mehr als 80 Jahre vergangen und die Simpsons zeigen seit mehr als 20 Jahren, dass die amerikanische Realität schlimmer ist als die Satire. Teenager in schwarzen Klamotten und mit dem Kajal-All-Inclusive-Abo gehören zum dörflichen Ortsbild und Walking Deads ist Pflichtprogramm für Pubertiere. Trotzdem tauchen die Addams immer wieder wie Untote im Kino auf. Andrew Lippa hat 2009 ein Musical zu Amerikas schrägster Familie gemacht. Achim...

Nicht für immer aber vielleicht für zwei Spielzeiten

Fame - Das Musical bei den Domfestspielen Rasante Tanzszenen, ein wenig Herzschmerz und Musik mit hohen Mitklatsch-Faktor. Was kann man von einem Musical mehr erwarten. Auf jeden Fall erfüllt "Fame" bei den Gandersheimer Domfestspielen diese Erwartungen und dafür gab es bei der Premiere a lot of standing ovations. Zurecht. Mit "Fame" hat Alan Parker 1980 Filmgeschichtschen geschrieben und die neue Sparte Tanzfilmmusical begründet. In den 80-er Jahren folgte eine ganze Reihe von Streifen, die sich um das Drehen von Pirouetten drehen. Nach der Fernsehserie von 1982 bis 1987 folgte 1988 das Musical. Aber Achtung, das Bühnenstück setzt weder Fim noch Serie eins zu eins um. Die Ausgangslage ist aber dieselbe. Acht aus einer Reihe von Kandidatinnen und Kandidaten schafft die Aufnahme. Das Publikum begleitet die Eleven durch die Höhen und Tiefen ihrer Ausbildung. Zum Schluss darf man begutachten, wer sich weiterentwickelt hat. Auch ein Clash of Cultures: Dinipiri...

Eine Inszenierung, die sticht

Comedian Harmonist bei den Schlossfestspielen überzeugt in allen Belangen Was will man mehr? Eine traurige Geschichte auf unterhaltsame Weise erzählt, eine gesunde Portion Ulk und dazu sechs erstklassige Musiker und ein Schauspieler, der ihnen fast die Show stiehlt und alles zusammen in einer Inszenierung, die mit Leichtigkeit begeistert. Mit den "Comedian Harmonists" bei den Schlossfestspielen in Sondershausen ist Ivan Alboresi mal wieder ein großer Wurf gelungen. Mit einer Zeitungsanzeige sucht im Harry Frommermann im Dezember 1927 Sänger für eine noch zu gründendes Quartett. Sein Vorbild sind die Revellers aus den USA. Nach vielen Proben, Schwierigkeiten und Streitigkeiten beginnt das Ensemble  ein Jahr später unter dem Namen "Comedian Harmonists" eine einmalige Karriere. Diese wird die deutsche Musiklandschaft langfristig prägen, doch auf dem Höhepunkt funkt die Politik dazwischen. Die Comedian Harmonists entsprechen nicht dem Musikgeschmack der regierende...