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Wenn Wichtigtuer auf Verblendete treffen

Das Theater Nordhausen zeigt "Schtonk" zur richtige Zeit Wenn die Schatten der dunkelsten Vergangenheit die Gegenwart einholen, dann ist das in aller Regel nicht witzig. Bei "Schtonk" im Theater Nordhausen aber doch. Damit ist es das passende Stück zu den Verwerfungen der Thüringer und der bundesdeutschen Politik. Bei der Premiere am Freitag gab es reichlich Applaus. Der Skandal um die angeblichen Hitler-Tagebücher erschütterte 1983 die alte Bundesrepublik. Gerade das linksliberale Magazin "stern" hatte die Fälschungen aus dubiosen Quellen bezogen. Anstatt den Medien-Coup des Jahrzehnts zu landen, flog die Geschichte recht schnell auf. Zurück blieb ein Scherbenhaufen, unter dem der "stern" fast erstickte. Der eigentliche Skandal waren aber nicht die Fälschungen sondern der Sumpf aus Alt- und Neonazis und Geschäftemachern, in den sie die stern-Redakteure und die Geschäftsleitung begaben, um die Auflage zu steigern. Das hat der Film "Sch...

Wahrlich ein Monumentalwerk

Die Bibel als Drama im Theater Nordhausen Das Theater Rudolstadt zeigt die Bibel und das ist schon Ben Hur für die Bühne. Mit 225 Minuten liegt das aberwitzige Unternehmen sogar noch 3 Minuten über den Filmklassiker von 1959. Aber keine Angst, diese Inszenierung ist alles andere als aufgewärmtes Sandalenkino. Regisseur Alejandro Quintana schafft es, antike Hintergründe und Zusammenhänge deutlich zu machen, die zum Teil heute noch wirken. Dabei macht er es dem Publikum und dem Ensemble nicht immer einfach. Der Einstieg ist noch leicht verdaulich. Das Licht wird eingerichtet. Der Ton vorbereitet. Ein paar Männer gehen kreuz und quer über die Bühne. Für sie ist die Erschaffung quasi wie eine Theaterprobe. Diese Szene hat noch einen gewissen Witz. Es ist ein aberwitziges Unterfangen, die Bibel auf die Bühne zu bringen bringen. Der Autor  Niklas Rådström  bewältigt dieses Monument indem er das Buch in 41 Szenen zerlegt, die er für wegweisend und andauernd hält. Eine Glaubens-...

Wenn alles schlecht läuft, dann ist Berlin wie Kassel

Weekend im Paradies ist ein Schwank mit ungeahnten Qualit'ten Franz Arnold und Ernst Bach waren das Autorenduo in deutschen Theater des fr[hen 20. Jahrhunderts und einiger STücke zählen zu den Evergreens. Regisseur Maik Priebe hat sich nun des eher unbekannten "Weekend im Paradies" angenommen. Die Premiere am 25.April im Theater Nordhausen zeigte eine routinierte Inszenierung, die trotz des angegrauten Humors gefällt. Getragen wird sie von der großartigen Leistung des Hauptdarstellers Matthias Winde. Tja, wie sage ich's meiner Frau? Alle Fotos:  Warum bringt man eine Komödie aus dem Berlin der 1920-er Jahre auf die Bühne? Ist die Verfallsdauer nicht überschritten? Nein, ist sie nicht und außerdem macht es manchmal einfach nur Spaß. Seit zwölf Jahren tut Regierungsrat Dittchen seinen Dienst bescheiden, pünktlich und unauffällig. Bei der Beförderung wurde am wieder übergangen, die Jugend ist an ihm vorbeigezogen. Seine Frau Hedwig wird angesichts des Stills...

Wie Vögel, die vom Himmel fallen

Theater Rudolstadt spielt Tennessee Williams in Nordhausen Bumm-Bumm-Bumm-Bumm, mmmmhhhhh, how-how-how-how. Dieser Theaterabend beginnt wie ein Walking Blues von John Lee Hooker und endet wie eine griechische Tragödie. "Orpheus steigt herab" ist in der Inszenierung von Alejandro Quintana ein Werk, dass immer rasanter in den Abgrund führt, weil die Akteure in der Spur bleiben müssen. Die Premiere am Theater Nordhausen zeigt wie gnadenlos das Kollektiv mit Fremdkörpern umgeht und erntet verdient viel Beifall. Die tragende Aussage kommt gleich zu Beginn. Die Bühne liegt noch im Halbdunkel, als eine Frauenstimme verkündet, wie wild und gleichzeitig freundlich und hilfsbereit die Menschen früher waren. Die Zivilisation hat ihnen diese Eigenschaften abgewöhnt. Das ist die Basis, war der sich dieses Spiel um Rollen, Normen, Fremde, Angst, Hass, Rache, Gewalt und Verderben entwickelt. Der Neuankömmling wird bestaunt wie ein Exot. Foto: P. Scholz  Dann geht das Licht an und d...

Ich will jemanden unter die Haut gehen und ich will, dass mir jemand unter die Haut geht

Das Theater Rudolstadt zeigt in Nordhausen die “Jugend ohne Gott” als Kinder ohne Eltern Ödön von Horváth “Jugend ohne Gott” zeigt, was passiert, wenn die Menschlichkeit aufgekündigt wird. Das Werk wurde als treffende Beschreibung des Werteverfalls im faschistischen Europa gefeiert. Das Theater Rudolstadt hat die Bühnenadaption von Andre Rößler zu einer Beschreibung des Werteverfalls im Du-bist-mir-doch-egal-Europa gemacht und daneben Brechts Weisheit, dass Theater die Beschäftigung mit den Themen der Zeit sei, neues Leben eingehaucht. Doch neben allen Prinzipien sind erst vor allem starke schauspielerische Leistungen und ein geschlossenes Konzept, die diese Inszenierung tragen. Es ist ein Mord geschehen, Schüler N wurde erschlagen. Der Lehrer und Fernsehpfarrer Biene wollen den Fall aus der Retrospektive erklären und ihre Rahmen ist eine Talkshow. Mit allen Weihwassern der televisionären Seelsorge gewaschen, nehmen wir Matthias Winde diesen Talkmaster der wind...

Amadeus: Genies, Gerüchte und Gegner

Theater Rudolstadt zeigt in Nordhausen einen kompletten Amadeus “ Amadeus” ist ein Monolith. Seit der oscarprämierten Verfilmung von Milos Forman ist es ein Wagnis, das Theaterstück von Peter Shaffer aufzugreifen. Das Publikum kommt mit fertigen Bildern in die Vorstellung. Das Theater Rudolstadt hat  es trotzdem gewagt und gewonnen. Am Freitag stellte das Ensemble unter der Leitung von Jürgen Pröckel  sein Intrigenspiel um Salieri und Mozart im Theater Nordhausen vor. Dieser “Amadeus” ist ein Puzzle aus lauter kleinen Perlen  und es ist ein komplettes Stück. Dort wo die Verfilmung von Milos Forman eindimensional wirkt, überzeugt die Thüringer Inszenierung mit Tiefe und Vielschichtigkeit. Am eindrucksvollsten zeigt dies Johannes Arpe in der Rolle des vermeintlichen Bösewicht Antonio Salieri. Er bespielt die gesamte Klaviatur von Begeisterung bis Verzweiflung, von Freundschaft bis Niedertracht, er beherrscht die lauten Szenen und die stillen Momente und er nutzt...