Direkt zum Hauptbereich

Posts

Posts mit dem Label "Verdi" werden angezeigt.

Wenn das Zentralgestirn wunderschön verglüht

La Traviata im Sinne Verdis weiterentwickelt So ist es nun mal: Nirgends wird so schön gestorben wie in Verdis Dauerbrenner. Auch bei den Schlossfestspielen in Sondershausen ist die Titelheldin am Ende mausetot. Doch die Inszenierung von Anette Leistenschneider zeigt nicht nur drei Akteure in Höchstform sondern auch einige neue Aspekte. Das Libretto erscheint wie die Vorlage für eine Tele Novela: Lebedame aus der Pariser Oberschicht trifft auf Jüngling aus gutem Hause. Er ist unsterblich verliebt, sie ziert sich anfangs noch. doch dann schlägt die Liebe mit aller Macht zu und beide beginnen ein ruhiges Leben auf dem Lande. Dann funkt sein Vater dazwischen, sie opfert sich, er beschimpft. Als beide wieder zueinander finden, ist es zu spät. Die Schwindsucht rafft sie dahin. Was aus heutiger Sicht banal erscheint, war vor knapp 170 Jahren durchaus revolutionär. Anfang der 1850er Jahre erfindet Verdi die Volksoper. Nicht mehr Adelige und andere vermeintliche Helden stehen im Mit...

Ein leichtes Spiel für Jago

"Otello" am Theater Nordhausen zeigt Studie eines rasanten Verfalls Zum 100. Geburtstag hat sich das Theater mit Verdis "Otello" mit einer Ausstattungsoper erster Güte selbst beschert. Die Inszenierung von Anette Leistenschneider pflegt die traditionelle Aufführungspraxis und erfreut die Freunde werkimmanenter Interpretationen. Unter der Leitung von Michael Helmrath zeigt das Loh-Orchester eine begeisternde Leistung, die alle Anforderungen übererfüllt. Musikalisch packt Verdi in diesem Spätwerk alles aus. Die Arbeit an seine Wunschprojekt beginnt er 13 Jahre  nach der Uraufführung der Aida. Das liegt auch daran, dass Arrigo Boito ein Liebretto vorlegt, dass Shakespeares Werk noch einmal straffte. Konzeptionell bedeutet diese Oper für Verdi einen weiteren Schritt nach vorn. Mit Otello wendet sich der Komponist endgültig von der Nummernoper ab und legt ein Stück aus einem Guss vor, durchkomponiert von der ersten Note bis zum traurigen Ende Die Ouvertüre ist klan...

Du Narr, wärst du doch bei deinen Leisten geblieben

Theater Nordhausen zeigt einen Rigoletto, bei dem alles stimmt Am Ende bekommt er die Höchststrafe. Rigoletto, der Narr, der sich mit den Mächtigen angelegt hat, fällt tief, verliert seine Tochter und muss dennoch weiterleben. Bis es soweit ist, zeigt die Operkompanie des Theater Nordhausen bei der Premiere eine Inszenierung, an der alles stimmig und nichts zuviel ist. Kürzer gesagt: Katharina Thoma ist eine ganz große Oper gelungen. Grundlage dieser überragenden Leistung ist das Loh-Orchester unter Markus Frank. In der Ouvertüre zeigt das Orchester, dass es die vielen Tonarten des Unglücks meisterhaft beherrscht. Die Bläser flüstern erst und blähen sich dann auf, die Streicher brummen drohend, wachsen an und begleitet von den Pauken finden sich alle im Crescendo zusammen, um am Ende einen zerquetschten Rigoletto zu hinterlassen. Denn das Bühnengeschehen beginnt in Nordhausen noch vor dem ersten Akt. Auf der abgedunkelten Bühne irrt der Narr  im Gegenlicht zwischen zwei Treppenr...