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Posts mit dem Label "Händel" werden angezeigt.

Heldinnen in Cargo-Hosen

Ein nachdenklicher "Julius Cäsar" am Theater Nordhausen Händel mal ganz anders und doch sehenswert. So präsentiert sich derzeit "Julius Cäsar" am Theater Nordhausen. Die Absolventen der Hochschule "Felix Mendelssohn Bartholdy" zeigten bei der Premiere eine reife Leistung. Schon vor dem Schlussvorhang gab es reichlich Applaus. Julius Cäsar hat die Schlacht von Pharsalos gewonnen. Sein Feind Pompeo ist auf der Flucht. Der Sieger wird in Alexandria erwartet. Männer in Tarnfleck und Security-Look mit Knopf im Ohr hasten über die Bühne, stellen Stuhlreihen auf und platzieren ein Rednerpult. Die Siegesfeier wird vorbereitet und das Jubelvolk wird wie Stimmvieh auf die Bühne getrieben. Dann darf der Chor zum Lobgesang ansetzen. Er agiert als Versammlung der Einzelnen und zeigt ein wunderbar transparentes  Klangbild. Sänger und Sängerinnen bleiben klar erkennbar. Davide Lorenzato hat in der Einstudierung hervorragende Arbeit geleistet. Der Imperator und ...

Händel trifft auf Wort- und Vertikalakrobatik

Theaterjugendclub begeistert mit Premiere von Hip-Hop Händel Händels Opern haben in den letzten 313 Jahren viele Deformationen und Transformationen überstanden. Was der Theaterjugendclub am Theater Nordhausen aber aus "Alcina" gemacht, das ist mehr als eine hippe Bearbeitung und geht weit über den Tag hinaus. Am Samstag war Premiere von "HipHopHändel" im Großen Haus und diese zeigte, dass einem um die Zukunft von Händel nicht bange sein muss. Es ist der Stoff für eine Daily Soap und der Theaterjugendclub behält die Story bei. Alcina lockt den Ritter Giero auf ihre Insel, doch dessen Frau Bante hätte den Gatten gern zurück. Sie verkleidet sich als Mann und zieht mit ihre Amazonen und den Kriegern ihres Mannes auf die Insel. Dort treffen sie auf Morgana, die Schwester der Alcina, die sich in Bante verliebt und auf Oronte. Der ist mit Morgana verlobt und chronisch eifersüchtig. Mad Max erliegt der barocken Zauberin.  Alle Fotos: Lennart Hattenhauer Oronte...

Das ist wohl allerfeinste Sangeskunst

Das Ensemble 1700 zeigt Lucio Cornelio Silla als szenische Darstellung Das ist wahrlich ein Kontrastprogramm. Nach der Premiere des bombastischen "Lotario" gab es am Samstag bei den Händel-Festspielen die Oper "Lucio Corneli Silla" als szenische Darstellung. Das Ensemble 1700 unter der Leitung von Dorothea Oberlinger und die sieben Sängerinnen und Sänger glänzten mit Tonkunst der allerfeinste Art. Eine Festspieloper mit Glanz und Gloria im Großen Haus des Deutschen Theaters und eine reduzierte Oper in der Stadthalle. Kann das überhaupt aufgehen? Machen sich die Festspiele dabei nicht selbst Konkurrenz. Nein, es geht auf, denn diese Konzept bedient zwei unterschiedliche Aspekt des Musiktheaters. Die nüchterne Atmosphäre der Stadthalle und der Verzicht auf ein Bühnenbild ermöglichen die volle Konzentration auf die Musik. Für dieses Händel-Destillat ist das Ensemble 1700 wie geschaffen. Die 15 Musiker haben viel Spaß an ihrem Schaffen und diesen Spaß können si...

Ein eiliger Messias

Das Wroclaw Baroque Orchestra spielt Händels Überwerk Wer den "Messias" spielt, der begibt sich auf ganz dünnes Eis. Es ist Händels meistgespielteste Werk und jeder im Publikum bringt so seine eigen Version mit ins Konzert.  Mit seiner Version konnten das Wroclaw Baroque Orchestra und Leiter Jaroslwa Thiel bei den Händel-Festspielen in Göttingen letztendlich überzeugen. Sie zeigen einen heiteren aber auch eiligen Messias. Der Anfang ist wenig überraschend. Das Wroclaw Baroque Orchestra startet getragen und gemessen in das Oratorium. Doch nach wenigen Takten ändert sich alles. Thiel steigert das Tempo, die Musik hüpft geradezu. Es ist die Vorfreude auf den Heiland, der dort aus dem Text des Alten Testaments springt. Diese Tonlage dominiert den ganzen Abend in der Stadthalle Göttingen und es ist eine deutliche Stellungnahme. Diese Herren warten auf den Messias. Alle Fotos: tok Weder Händel noch der Librettist Charles Jennens haben das Werk je als Kirchenmusik gese...

Der Gesang der Lerche

BarrocoTout stellt sich im Kloster vor Wenn die Zukunft der Alten Musik so aussieht, dann muss sich über den Barock keine Sorgen mehr machen.  Im Rahmen des eeemering-Projeklts stellte sich BarrocoTout aus Belgien mit einem Konzert im Kreuzgang vor. Was bleibt, war der Eindruck eines jungen Ensemble mit erfrischender Herangehens, von dem man sicherlich noch viel mehr hören wird. Was BarrocoTout so bemerkenswert macht, ist die Instrumentierung und die Spielweise, die ein transparentes und filigranes Klangbild erzeugen, das immer wieder die Assoziationen an einen hellen Frühlingsmorgen voller Vogelgesang wecken. Wenn Lerchen Instrumentalmusik machen würden, dann würde sie wohl so klingen. Dabei lässt sich dieses Klangbild an zwei Personen festmachen. Da ist zum einen Carlota Garcia an der Traversflöte. Im Gegensatz zur metallischen und spitzen Cousine Querflöte zeichnet sich das Holzblasinstrument durch einen weichen und runden Klang aus, der gelegentlich auch ins Meditative hi...

Wenn Gambe und Laute singen

Hille Perl und Lee Santana begeistern mit unbekannten Meistern Barockmusik kennt nicht nur Opulenz und expressive Gesten. Sie kann auch sehr meditativ und innerlich sein. Hille Perl und Lee Santana spielten im Rittersaal im Schloss Herzberg und am Ende dieses musikalischen Nachmittags mit einem der besten Duos für alte Musik bleibt tiefe Zufriedenheit und der Einklang mit sich selbst und mit der Welt im Ganzen. Das Programm lässt sich unter dem Stichpunkt "Händel und seine Nachbarn" zusammenfassen und es versammelte Komponisten, die sonst nicht im Fokus der musikalischen Aufmerksamkeit stehen. Weil die Zusammenstellung " ... per la viola di Gamba é Liuto... " nach Aussage von Hille Perl nur für diesen Nachmittag erfolgte, wurde das Publikum Ohrenzeuge eines einmaligen Erlebnisses. Auch so einmalig ist der Dialog der Künstler mit dem Publikum. Beide erläutern nicht nur, was sie tun, sondern auch, warum sie es tun, und stehen in der Pause auch für Fragen und Fachs...

Zweifelhafte Heldinnen

Die Händel-Festspiel-Oper hinterlässt einen gemischten Eindruck "Heldinnen!?" ist das Motto der diesjährigen Händel-Festspiele in Göttingen. Mit "Agrippina" hat sich Laurence Dales ein frühes Werk aus Händels Opus vorgenommen, in dessen Zentrum ein Frau zweifelhaften Rufes steht. Während das Ensemble auf der Bühne und im Orchestergraben in allen Belangen überzeugen konnte, hinterließ die Inszenierung bei der Premiere am 15. Mai im Deutschen Theater einen gemischten Eindruck. Mit Werk um die römische Kaiserin, die ihren Sohn Nerone mit Intrigen auf den Thron hievt, schafft Händel zum Schluss seines Italienaufenthalts 1709 den Durchbruch als Operkomponist. Vermutlich hat sich zu sehr von dem Versprecher einer alten Aufführungspraxis leiten lassen, denn eine dramaturgische Straffung hätte der Inszenierung durchaus gut getan. Endlose Rezitative, die bereits Bekanntes wiederholen, lassen sich nur mit den Sehgewohnheiten einer höfischen Gesellschaft erklären. In bürgerl...

Musik auf gelungene Art begreifbar gemacht

Barocksolisten aus Braunschweig eröffnen die Kreuzgangkonzerte Auf der organisatorischen Ebene war es eine Zeitenwende, musikalisch blieb es beim Gewohnten. Mit dem Programm "Vier Jahreszeiten" eröffneten die Barocksolisten am Samstag, 9. Mai, die 32. Kreuzgangkonzerte im Kloster Walkenried. Das Ensemble aus Braunschweig schaffte so den Ausgleich zwischen alter Praxis und neuen Verständnis. Vivaldis "Die vier Jahreszeiten" zu spielen, das ist ein erhebliches Wagnis. Schließlich hat jeder seinen eigenen Soundtrack zum Dauerbrenner barocker Werbebegleitung im Kopf und fast jeder hat dementsprechend eine Vorstellung davon, wie dieses Musterexemplar an Streicherliteratur zu spielen ist. Aber das kann man weder Vivaldi noch den Barocksolisten ankreiden. Die Interpretation der Norddeutschen Barocksolisten und von Josef Ziga stellten das ausverkaufte Haus mehr als zufrieden. Am Ende des Abends forderte das Publikum mit langanhaltenden Applaus drei Zugaben ein. Josef...

Mehr als ein Auftakt nach Maß

Oberlinger und Cummings machen neugierig auf Händel-Festspiele Bei aller Vorsicht im Umgang mit Superlativen, aber das Konzert von Dorothee Oberlinger und Laurence Cummings am 26. April im Ursulinenkloster in Duderstadt war nicht nur ein Auftakt nach Mass für die Händel Festspiele 2015. Es war eine Sternstunde der Barockmusik, die das Publikum zwei musikalischen Partner auf Augenhöhe zu verdanken hat. Das Erstaunlichste an diesem Abend war die Vorkenntnisse, dass Oberlinger und Cummings erst zum zweiten Mal gemeinsam eine Bühne betreten hatten. Die Premiere gab es erst am Vortag. Aufdie Gefahr ein Floskel zu gebrauchen, aber dies spricht für das sehr hohe Niveau der beiden Künstler und dem gleichen Verständnis von Konzertmusik. Keiner der beiden drängte sich nach vorne, beide ließen Raum für den anderen. Das Tempo und die Übergänge waren durchweg gelungen. Am Anfang war das Cembalo und das Cembalo war im Kloster und es sprach. Alle Fotos: tok  Aber am erstaunlichsten war...

Bezaubernd und wohldosiert durchgeknallt

Eine Oper über King George und Barock-Star George F. Händel Ist das die Zukunft der Oper? In einer wohl dosiert schrägen und schnellen Produktion erzähltdasTrio Elena Kats-Chernin, Axel Ranisch und Danya Segal am TfN von der schwierigen Beziehung zwischen dem englischen König George und seinem Hofkomponisten Georg Friedrich Händel. Es gelingt ihnen eine moderne Oper, die nicht verstört, sondern unterhält und trotzdem einen Wendepunkt in der Musikgeschichte erklären kann. Alles mit einem Schmunzeln und einen Musikmix, der Barock, Jazz, Tango und Rap vereint und die Erzählweise des 21. Jahrhunderts aufgreift. Zur Ausgangslage: Der Welfenherzog Georg hat seinen Hoflkomponisten Georg Friedrich Händel einst mit nach London genommen. Dort entwickelte sich der Deutsche zum ersten Pop-Star der Musik-Geschichte und solange er seinen König mit immer neuen Opern "beliefert" bleibt er auch der Favorit seiner Exaltiertheit. Doch dann kommt es zur Krise und fast zum Zerwürfnis zwischen...

Jede Menge Potential

Radio Antiqua beim Preisträgerkonzert Im Wettbewerb "Alte Musik - Junge Künstler" der Händel Festspiele Göttingen konnte "Radio Antiqua" Jury und Publikum bei ihrem ersten Auftritt im Dezember überzeugen. Am Pfingstmontag kam das internationale Quintett als Sieger der Reihe 2013/14 zum Preisträgerkonzert in den Muthaussaal nach Hardegsen. Das Ensemble präsentierte mit seinem Programm "Der König of Musicke" einen beeindruckenden Querschnitt durch die Barockmusik, dass Händel und seine Beziehungen zum englischen Königshof in das Zentrum rückte, aber auch in Deutschland selten gespielte Komponisten wie Giovanni Battista Bononcini oder Nicola Antonio Porpora vorstellte. Radio Antiqua bestätigte das Votum der Jury und zeigte, dass es angesichts des eigenen Potentials noch große Dinge möglich sind. Das Ensemble Treibende Kraft bei Radio Antiqua sind Lucia Giraudo und Isabel Favilla. Sie riefen das Ensemble vor zwei Jahren in Den Haag ins Lebens. Seit der G...

Die Themen Liebe und Barock sind noch lange nicht ausgereizt

Jochen Kowalski und das „Junge Barockorchester Berlin“ beim gemeinsamen Liederabend Als Partner auf Augenhöhe zeigten sich Jochen Kowalski und das „Junge Barockorchester Berlin“ beim gemeinsamen Liederabend am 7. Juni bei den Kreuzgangkonzerten in Walkenried. Aber sie zeigten auch, dass das Thema Barockmusik noch lange nicht ausgereizt ist und das es noch viele musikalische Perle und Schmuckstückchen zu entdecken gibt. Unter dem Titel „Wo die Liebe wohnt“ wurden barocke Liebesarien mit einem der besten Countertenöre der Gegenwart angekündigt. Doch die Ankündigung war zu kurz gegriffen, denn der Liederabend entpuppte sich als Wechselspiel zwischen Gesang undKammermusik mit Partnern auf Augenhöhe, mit einer musikalischen Liebeshochzeit und mit einigen anderen Überraschungen. Die Themen Liebe und Barock sind noch lange nicht ausgereizt. Obwohl Jochen Kowalski seit mehr als 30 Jahren auf den großen wie kleinen Bühnen der Welt steht, hat er immer noch Spaß an dem, was er tut und was e...

Am Ende haben sich dann doch alle lieb

Festspieloper Faramondo entwickelt Händel konsequent weiter Mit der Oper "Faramondo" setzten die Göttinger Händel Festspiele ihr Vorhaben fort, unbekannte Werke einem breiten Publikum vorzustellen. Die Premiere am 31. Mai zeigte neben tiefen Gefühlen  gelegentlich auch Humor und vor allem großartige Solisten. Nach dem experimentellen " Siroe, Re di Persia " kehrte das Team um Regisseur Paul Curran zu traditionellen Erzählstrukturen zurück und schaffte es trotzdem, dem Stoff neue Impulse zu verleihen. Das Publikum bedankte sich für diese Aufführung mit langanhaltenden Applaus für die Sänger, das Festspielorchester und die Macher. Doch, doch, es ist eine traditionelle Oper im modernistischen Gewand. Hinter allen modernistischen Fassaden hat die Struktur aus dem 30-er Jahren des 18. Jahrhunderts Bestand. Rezitativ - zweifelnder Proatgonist - Arie an das Publikum - Abgang. Aber auch die Botschaften bleiben dieselben: Unter den Adligen gibt es nur wenige Edle,aber tro...