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Posts mit dem Label "Jugend" werden angezeigt.

Mit Alice ins digitale Wunderland

Theaterclubs eröffnen neue Dimension des Spiels Sie haben es wieder getan. Zum zweiten Mal in der Corona-Krise hat das Deutsche Theater Göttingen die Maßstäbe für zeitgemäßes Spiel neu definiert. Mit “Ich sehe was, was du nicht siehst” haben die Theaterclubs eine neue Dimension eröffnet, in der sich Wirklichkeit und virtuelle Realität mischen. Das Urteil des härtesten Kritikers ist eindeutig: "Geil". Am Sonntag ging das Projekt gewissermaßen online. An diesem Termin sollte eigentlich der Start des Festivals “Am Puls” sein. Doch Corona hat dies und auch die Proben dazu verhindert. Da man aber doch etwas aufführen wollte, haben Gabriele Michel-Frei, Lisa van Buren und Jana Kühner etwas Neues konzipiert. Man könnte es als “Theater on demand” bezeichnen. Erst scannen, dann gucken, Alle Fotos: Kügler  In der Corona-Krise haben sich viele Theaterschaffende mit Streaming abgemüht. die wenigstens Ergebnisse waren länger als 15 Minuten sehenswert. DT-Intendant betont zu ...

Aus der Dampflok einen ICE gemacht

Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer im Deutschen Theater Göttingen Es ist durchaus ein Wagnis, dieses Werk auf die Bühne zu bringen. Schließlich hat jeder die Bilder der Augsburger Puppenkisten vor dem Erwartungshorizont. Das Deutsche Theater Göttingen hat das Wagnis aber auf sich genommen. Sein Familienstück funktioniert, weil es sich von der televisionären Vorlage abgrenzt. Es ist ein Wagnis im doppelten Sinn. Auch der härteste aller Kritiker will mal den Jim und den Lukas live sehen. Trotz seines hohen Alters von fast 13 Jahren und der einstudierten Coolness eines Pubertiers will er einen Blick auf eines der schönsten Werke deutscher Jugendliteratur wagen. Als der Vorhang sich hebt, verzaubert bereits der erste Anblick und die Musik von Michael Frei hat das Publikum schon vorbereitet. Es gibt Pop statt Volksmusik. Niemand singt das Lied von der Insel mit zwei Bergen und das ist auch ganz gut so. Die Inszenierung von Katharina Ramser macht sich so weit es geht frei von ...

Eine Schublade voller Träume

Domfestspiele 2018: Abheben mit Peter Pan Die Antworten auf die Fragen, was witzig und was sehenswert ist, kann die Generationen spalten. Nicht so beim Familienstück der Gandersheimer Domfestspiele 2018. Peter Pan in der Inszenierung von Sarah Speiser lässt Große träumen und Kleine wachsen. Es ist ein komplettes Werk, dass nicht  nur die Sonnenseiten zeigt. Neid und Missgunst werden nicht ausgespart. Aber es ist vor allem der Kinderzimmer-Charme, der diese Inszenierung so zauberhaft macht. Das Ausstattung von Karen Briem und Sandra Becker wirkt, als wäre sie gerade eben erst entstanden, als wäre hier eine ganze Menge kindlicher Fantasie am Werke gewesen. Alles, was es braucht, ist ein wenig Vertrauen, Zuversicht, ein bisschen Feenstaub und ein wenig Mobiliar. "Mach die Schublade mit deinen Träumen auf, lass sie raus und bau' mit dem Küchentisch ein Piratenschiff". So lautet die Botschaft. Der härteste aller Kritiker ist wieder Zuhause.  Alle Fotos: Kügler ...

Berühmte letzte Worte: Ich liebe dich

Clyde und Bonnie in einer ergreifenden Inszenierung am Städtebundtheater Rabiat, empathisch, schonungslos, berührend, geradezu ergreifend. Die Liste der Adjektive ließe sich noch fortsetzen, aber auf jeden Fall ist Janek Liebetruth mit "Clyde und Bonnie" eine Inszenierung gelungen, die niemanden kalt lässt. Ein junger Mann steht am Bühnenrand und starrt ins Publikum. Irgendwo im Dunkel plätschert elektronische Musik und auf den Hintergrund zeigt eine Videoprojektion szenische Schnipsel eines Paares. Musik und Video laufen in einer Schleife. Der Loop-Effekt bestimmt den Einstieg.  Der Mann hebt den Arm und zieht an seiner Zigarette. Er atmet aus, lässt den Arm sinken und starrt wieder ins Publikum.  Mit dieser einfachen Geste erzeugt Liebetruth Aufmerksamkeit.  Der Mann raucht, der kann doch nicht normal sein. Zwei werden zu einem: Bonnie und Clyde. Alle Fotos: Ray Behringer Es ist großes Schauspiel mit wenigen Mitteln. Jonte Volkmann wirkt wie in Stein gemeiße...

Ein Spiel zwischen Theater und Therapie

DOMinos mit Premiere von "Dass nach dem Tag die Nacht kommt" Was ist Erziehung? Darum dreht sich das Stück "Dass nach dem Tag die Nacht kommt" des britischen Dramatikers Tim Etchells. Am Freitag feierten die DOMinos  mit ihrer Inszenierung voller Tempo und Experimentierfreude Premiere. Es bleibt ein zweischneidiger Eindruck zurück bei diesem Anti-Tschick. Das Werk  ist eine Mischung aus Brechtschem Lehrstück und Handkes Publikumsbeschimpfung. Auf jeden Fall Sprechtheater der gehobenen Kategorie. Das Publikum ist durch die Ankündigung schon auf jede Menge vorbereitet. Es muss noch mehr verarbeiten. Mal spricht der Chor zum Publikum (Brecht), mal spricht eine Solistin  zum Publikum (Handke). Kommunikation oder Miteinander der Darstellerinnen gibt es auf jeden Fall nicht. Gibt es dann doch Interaktion, so dreht sie sich meist um Gewalt. Die Grenzen sind eindeutig und schwarz steht gegen bunt.       Alle Foto: Kügler Unterbrochen wird das ...

Ein opulentes Märchen mit Musik

"Gold!" im Theater unterm Dach Der härteste aller Kritiker war mal wieder unterwegs. Auf dem Spielplan stand "Gold!" von Leonard Evers, ein Märchen für zwei Schauspieler und zwei Musiker. Die Inszenierung von Bianca Sue Henne überzeugt mit vielen Einfällen, visueller Opulenz und dem märchenhaften Bühnenbild von Wolfgang Rauschning. Das Libretto von Flora Verbrugge folgt dem Märchen vom Fischer und seiner Frau. Es ist eine Geschichte von Glück, Gnade, Gier und der Katastrophe, die alles wieder ins Reine bringt, einen vermeintlich natürlichen Zustand wieder herstellt. Fast alles ist wie immer, aber nur fast. Denn  neben den modernen Zutaten wie Auto und Weltreisen hat das Autorenpaaren noch zwei wichtige Ergänzungen beigesteuert. Jakob fängt den Fisch. Fotos: Tilmann Graner   Zum einen gibt es einen Perspektivwechsel. Träger der Handlung ist nicht der Fischer. Er und seine Frau sind die Eltern von Jakob. Er fängt den verzauberten Fisch und aus der Sicht d...

Leicht und bunt wie ein Ballon

Rike Reiniger inszeniert einen traumhaften Luftballonverkäufer Poesie, Philosophie und Theater und alles zusammen in 45 Minuten und dann auch noch für Kinder. Kann das gut gehen? Ja, das kann es. Das beweißt die Inszenierung von "Der Luftballonverkäufer" am Theater unterm Dach. Zum Maus Türöffner Tag gab es noch einmal ein Sondervorstellung voller Zauber und Poesie. Traumhaft schön und leicht gibt es die Antwort auf die allerletzte aller Frage: "Wo landen die Luftballons, wenn sie davon geflogen sind". Die Freundinnen Antonella ( Uta Haase ) und Margherita ( Bianca Sue Henne ) erzählen die Geschichte vom Luftballonverkäufer Alberto. Jeden Tag bläst er die Ballons auf, bindet sie fest und stellt sich dann auf seinem Platz. Jeden Kind, dass ihm ein Geldstück gibt, gibt er einen Ballon. Sie berichten von seinem Abenteuer, das begann, als der Wind ihn und sein 400 Ballons davontrug. Auf dem Planet der verlorenen Spielsachen fand er unter den drei Sonnen alles das, wa...

Achtung Abenteuer, ich komme

Ronja Räubertochter als komplettes Stück bei den Domfestspielen Es wird gestritten, geliebt, gekämpft und gezittert. Es wird geschrien, geflüstert, gepupst, gesungen und geweint. Mit seiner Inszenierung von Lindgrens Kinderbuchklassiker "Ronja Räubertochter" zeigt Max Merker gewissermaßen eine Kindheit im Zeitraffer-Tempo, von der Geburt bis zur Adoleszens. Die Livemusik von Dominik Dittrich unterstreicht den lebensfrohen Grundton. Eine riesige Burg aus Getränkekisten bestimmt das Bühnenbild von Martin Dolnik . Der härteste Kritiker von allen ( siehe hier ) kommentiert nur kurz: "Die müssen aber viel getrunken haben". Die Burg ist seit Generationen die Heimat der Mattis-Räuberbande. Hier fühlen sich der Räuberhauptmann und seine Männer sicher. Hier erwarten sie die Geburt des Mattis-Kinds, des zukünftigen Räuberhauptmann. Das dies ein Mädchen ist, das tut der Räubersache keinen Abbruch. Gleich ist das Räuberkind da.  Fotos: Hillebrecht Seit dem Theater Rot...

Es ist nicht einfach, radikal zu sein

Theaterjugendclub spielt Stück über blinden Aktionismus Marie, Rosa und Ana sitzen fest. Eigentlich wollte sie den Schalter umlegen, die Scheinwerfer erlöschen lassen und die Europa-Premiere von "Lovely Juliet" platzen lassen. Schließlich ging es um nichts Geringeres, als die Welt wach zurütteln und die Welt zu verbessern. Doch bevor sie ihre spektakuläre Tat durchführen konnten, haben die Sicherheitskräfte die Drei erwischt. Nun sitzen sie fest, aber es besteht noch Hoffnung. Denn Viktorie, die vierte Verschwörerin, ist noch auf freiem Fuß und kann die Aktion zum Erfolg führen. Marie, Rosa und Ana sitzen fest und in Rückblenden erzählen sie ihre eigene Chronologien des Scheiterns Mit den vier Themen Weltverbesserung, Sinnfrage, Suche nach dem Platz im Leben und pubertierende Liebe ist das Jugenddrama "Heute ist ein guter Tag"  ein ambitioniertes Projekt. Dennoch ist Autorin Ann-Christin Focke ein authentisches Werk gelungen. Der Theaterjugendclub Nordhausen zeig...

Der Flut nicht ganz freiwillig entkommen

TfN und Kinderchor inszenieren Brittens Noah Zwischen den Oper-Titanen Wagner und Verdi wird Benjamin Britten in diesem Jahr fast zerrieben. Wenigstens das Theater für Niedersachsen setzt einen eigenen Schwerpunkt zum 100. Geburtstag des Erneuerer des Musiktheaters . Auftakt der Britten-Tage in Hildesheim war am 19. Oktober die Inszenierung der Kinderoper "Noah und die Flut" in der Lamberti-Kirche. Die Koproduktion von TfN, TfN-Kinderchor und Musikschule Hildesheim schafft den Spagat zwischen altersgerecht, ansprechend und anregend. Der härteste aller Kritiker , sieben Jahre alt, theateraffin und theatererprobt, bestätigt das Urteil. Die Einführung in das Werk macht der musikalische Leiter Achim Falkenhausen. Er erzählt von Brittens Absicht, auch das Publikums beziehungsweise die Gemeinde aktiv in das Stück einzubinden. Bei der Premiere 1958 sicherlich ein Novum. Falkenhausen verweist noch auf die mittelalterlichen Mysterienspiele als Vorlage, die dem unbelesenen Volk die ...