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Den Doktor Faust zeitlos gemacht

TfN-Inszenierung zeigt das Optimum für die Oper Es gibt die seltenen Fälle, in denen eine Inszenierung weit über das hinausgeht, was die Vorlage liefert. "Doktor Faust" am Theater für Niedersachsen ist solch ein Fall. Hier stimmt alles. Sie stellt die Frage nach dem menschlichen Verhalten in Phasen des Zeitenwechsels, des radikalen Umbruch und nach der Moral. Deswegen gab es zur Premiere am Karsamstag auch jede Menge Applaus. Grundlage der Oper von Ferruccio Busoni ist die  Legende um ist Johannes Georg Faust . Er war  zu Beginn des 16. Jahrhunderts im süddeutschen und mitteldeutschen Raum als Wunderheiler, Wanderprediger, Alchemist und Magier tätig. Er gilt als zweifelhafte Randfigur einer Ära, in der sich im deutschsprachigen Raum Wissen, Humanismus und Neuzeit aus den Zwängen des Mittelalters und des Klerus befreiten. Damit gibt er die optimale Projektionsfläche für die Kritik der klerikalen Restauration ab. Schwarz Inszenierung zeigt einen Menschen, der mit den wech...

Ein Spiel herausragender Schauspieler

Der Faust der stille hunde ist gar nicht so einfach  Also, eigentlich ist die Geschichte ja ganz einfach. Alternder Wissenschaftler bekommt Schaffens Lebenskrise, gerät in schlechte Gesellschaft, verführt ein Mädchen und stürzt alle ins Unglück. Nicht mehr und nicht weniger, das ist der Plot von "Faust. Der Tragödie erster Teil". Mit ihrer Inszenierung in der Klosterkirche Nikolausberg am 8. März haben die stillen hunde das deutsche Überstück neu strukturiert, auf das Wesentliche reduziert und die Sicht auf eine Figur gelenkt, die im Ich-erklär-die-ganze-Welt-Werk schnell mal zur Randfigur wird und die Gretchenfrage neu gestellt. Im Vergleich zu den anderen Inszenierung in dieser Saison ( siehe hier ) ist diese Aufführung ist fast schon ein Anti-Typ. Die gewaltigen Aufbauten fehlen komplett. Das Seitenschiff der romanischen Kirche ist Bühne und Bühnenbild zugleich, einziges Gestaltungsmittel ist Licht. Das weiße Licht zeichnet harte Schatten, rotes Licht tauscht die Mauer ...

Goethe in mächtigen Bildern

Zurmühle zieht alle Register beim kompletten Faust Für Johann Wolfgang von Goethe war der Faust in wahrsten Sinne sein Lebenswerk. Die Legende vom Doktor Faustus, der an seinen eigenen Ansprüchen scheiterte, begleitete den Dichterfürst  über 60 Jahre lang von  1770 an. Schließlich sollte es das Stück sein, welches das Leben, das Universum und den ganzen Rest erklärt. Aus der Erkenntnistragödie wird die Gretchentragödie und die wird zur Menschheitsparabel, fürwahr ein ambitioniertes Programm. Von ähnlichen Ambitionen muss Mark Zurmühle getragen worden sein. Zum Schluss seiner Intendanz am Deutschen Theater in Göttingen fasste er den kompletten Faust komplett in eine Neuinszenierung.Auch das ist fürwahr ein ambitioniertes Projekt, daswohl allen Beteiligten viel abverlangt. Die Premiere in der Lokhalle beeindruckte mit monumentalen Bildern, die manchmal den Blick auf die Schauspieler verstellen. Selbst am  Ostersonntag gelingt Faust und Wagner der Kontakt mit der einf...

Faust trinkt Efes-Pils

Theater für Niedersachsen gewinnt der Tragödie erster Teil komische Seiten ab Der Herr Heinrich Faust ja so viel studiert und in einigen Fächer hat er wohl auch promoviert. Aber wenn sich die Gelegenheit ergibt, dann trinkt er mit seinem türkischen Nachbarn an einem lauen Frühlingstag auch schon mal ein Bier. Dies ist nicht die einzige Erfrischung in der Inszenierung des TfN von Goethes Welterklärungsstück "Faust. Der Tragödie erster Teil". Mit popkulturellen Rückgriffen holt Wolfgang Hofmann das Monument deutscher  Dramatik vom Sockel. Vielleicht wirkt dieser Faust so zeitbezogen, weil Goethes Fragen, die Frage nach den Grenzen der Erkenntnis und die Frage nach der Schuld, Fragen ohne Mindeshaltbarkeit sind? Dies herauszuarbeiten, das ist dem Regisseur fraglos gelungen. Gott ist ein weltentrückter und gelangweilter Bartträger. Fotos: Andreas Hartmann/Tfn Der Direktor des Vorspiels auf dem Theater ist ein Typ von heute, im Auftreten und in Gestus mehr Manager als vKuns...