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Posts mit dem Label "Uraufführung" werden angezeigt.

Grell und schnell in Richtung gestern

"Deutsches Haus" ist Heim für überlebende Hirnspender Ein Ensemble in Höchstform, ein Bühnenbild zum Fürchten, eine rasante Inszenierung mit Rocky Horror Momenten und jede menge laute und leise Lacher. Die Uraufführung von Philipp Löhles Eigenwerk "Deutsches Haus" in Eigenregie am Deutschen Theater in Göttingen überzeugt. Doch eins sollte man nicht machen: Diese Komödie zum Politikersatz hochstilisieren. Die Aufführung beginnt mit einem Aha-Effekt. Das Bühnenbild von Thomas Pump verlängert den Plüsch des altehrwürdigen Dekors des DT Göttingen bis auf die Brücke. Das ist nicht neu und gab es in Göttingen vor vielen Jahren schon einmal beim "Zauberberg" zu sehen. Aber es wirkt immer noch. Diese  bauliche Maßnahme durchbricht noch vor Spielbeginn die "vierte Wand" und macht dem Publikum deutlich: Ihr seid ein Teil der Inszenierung! Immer eine Kann in der Hand: Im  "Deutschen Haus" wird gebechtert wie in einer Dorfkneipe. Fotos: DT Gö/ Thom...

Loh-Orchester nutzt die zweite Chance

 Ballett Compagnie macht einen Riesenschritt Mit "Friedrich" und "Le Sacre du Printemps" machen Ivan Alboresi und sein Ensemble einen weiteren großen Schritt in der Entwicklung. Der Doppelabend zeigt nicht nur den State of Art im Tanztheater, sondern gibt auch die Richtung für die Zukunft vor. Das Loh-Orchester nutzt die Zweitaufführung für die Wiedergutmachung. Nach der Premiere sah sich das Orchester unter der Leitung von Julian Gaudiano harscher Kritik ausgesetzt. TA-Rezensent Wolfgang Hirsch schrieb in seiner Besprechung sogar von unprofessionellem Verhalten und brachte damit Intendant Daniel Klajner auf die Zinne und das Orchester in Erklärungsnöte.  Noch ist das Individuum oben.  Alle Fotos: Ida Zenna/TNLos Die Kritik hat geholfen. Bei der Zweitaufführung zeigte sich das Orchester von seiner glänzenden Seite. Der Klang war strukturiert und filigran. Jede Gruppe war deutlich zu erkennen und gerade die zuvor abgewatschten Streicher konnten überzeugten. Als Bel...

Zu viel gewollt - nichts gewonnen

Uraufführung mit gemischten Ergebnis im Deutschen Theater Göttingen Beim "Traum von der glänzenden Zukunft" muss man genau unterscheiden. Schauspieler top, Inszenierung in Ordnung, aber Stück mit deutlichen Schwächen. Die Vorlage von Carina Sophie Eberleist ein Werk, das alles will, aber nichts gewinnt. Nach 60 Minuten Küchenpsychologie bleibt die Frage: Wer therapiert hier eigentlich wem? Man muss die Klassiker bemühen. In seiner Ästhetik unterscheidet Kant zwischen nützlich, gut und schön. Nützlich ist, was einem anerkannten Zweck dient. Das gilt für "Der Traum von der glänzenden Zukunft" bestimmt. Mögliche Bedrohungslagen schildert das Stück in Gänze und voller Breite.  Gut ist nach Kant, was einem moralischen Grundsatz befolgt. Ob der oben geschilderte Zweck moralisch ist, das bedarf einer längeren Debatte. Was die überforderte Vorlage rettet ist die Inszenierung von Lucia Reichard, das Bühnenbild von Bettina Weller und vor allem die schauspielerische Leis...

This Pisspott is art

Konferenz am DT Göttingen: Warum Wilhelm Busch so aktuell ist Einblicke in das Leben warten manchmal dort, wo man sie gar nicht erwartet. Auf jeden Falle bietet “PARDAUZ! SCHNUPDIWUP! KLIRRBATSCH! RABUM!” eine Menge an Erleuchtung. Mit dieser Uraufführung legt Annette Pullen einen Einstand nach Maß am Deutschen Theater in Göttingen. Ihre Inszenierung einer Wilhelm-Busch-Revue hat Witz, Tiefgang, Satire, Finten, Selbstironie, Diskussionsbedarf und Unterhaltungswert. Mehr kann man sich nicht wünschen. Dabei hat Pullen gleich zwei prominente Hebammen. Die Vorlage stammt von niemanden geringen als Rebekka Kricheldorf und Hannah Zufall und wurde eigens für Göttingen geschrieben. Wilhelm Busch hätte das Stück bestimmt gefallen. Zu seinem 190. Geburtstag schaffen die beiden Autorinnen es nicht nur, dessen Kampf gegen Spießer und Selbstgerechte mit anderen Mitteln fortzusetzen. Sie machen auch deutlich, dass nicht “Max und Moritz” sondern “Die fromme Helene” wohl sein Schlüsselwerk ist...

Jane Eyre verharrt im Mittelfeld

 Uraufführung des Musicals kann nur bedingt überzeugen Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht. Diese alte Weisheit gilt zum großen Teil für das neue Musical am Theater Nordhausen. „Jane Eyre“ verharrt im Mittelfeld. Die Inszenierung hat wenige Höhepunkte und einige Schwachstellen. Dabei waren die Erwartungen hochgesteckt, denn das Musical nach dem gleichnamigen Roman von Charlotte Brontë erlebte in Nordhausen seine deutsche Erstaufführung. Am Ende überwiegt die Freude, endlich mal wieder Theater vor großem Publikum erleben zu können. Die Geschichte reiht sich ein in die Gefühlswirren der Romantik. Eine junge Frau mit schwerer Kindheit hat immer noch so viel Liebe in sich, dass sie einen verbitterten älteren Mann wieder auf den rechten Weg führt und am Ende auf die Allee in das gemeinsame Happy End einbiegt. Kommerziell war es der größte Erfolg von Charlotte Brontë. Die vermeintliche Autobiografie wurde 1847 schon kurz nach dem Erscheinen zum Bestseller. Zumindest im ...

Delikatessen am Sonntagmorgen

Die Geburt eines Stars? Felicitas Wrede im Stiftungskonzert Es gibt Konzert, die bringen einen selbst am Sonntagmorgen in Einklang mit sich selbst und der ganzen Welt. Das Stiftungskonzert derb diesjährigen Händel-Festspiele gehört genau in diese Kategorie. Die Sopranistin Felicitas Wrede und das Abchordis Ensemble servierten in der Aula der Universität Leckerbissen aus Händels Frühwerken. Darunter fand sich auch eine Welturaufführung. Zwischen den einzelnen Gängen spendierte das Publikum so viel Beifall, wie an einem Sonntagvormittag möglich ist. Betitelt war die Matinee mi “Händel, Almira und die Hamburger Gänseoper”. Schließlich war dies damals die erste Adresse, wenn es um Oper in Deutschland und deutschsprachige Oper ging. Im Sommer 1703 war der 18-jährige Händel in die Hansestadt gezogen, um sich dort musikalisch weiterzuentwickeln. In diesem Mikrokosmos traf er auf Reinhard Keiser und Johann Matheson. Daraus ergab sich eine nicht konfliktfreie Arbeitsgemeinschaft, die aber ...

Der Prinz kommt jetzt mit der Solo daher

Uraufführung am DT: So monoton kann das Leben an der Leine sein Sie haben es mal wieder getan Zum dritten Mal innerhalb eines Jahres haben Antje Thoms und Florian Barth ein sehenswertes Statement zur Corona-Pandemie abgegeben. Nach den Experimenten "Die Methode" und "DT Tankstelle" ist mit "Mode nach Madrid" am Deutschen Theater in Göttingen ganz den klassischen Theatermitteln verhaftet. Statt mit aufregenden Techniken überzeugt dies Musikrevue eher mit schlüssigen Charakteren. Selten wurde Monotonie so gut inszeniert. Es wirkt wie das "Warten auf Godot" in Corona-Zeiten. Hinter der durchdachten Sammlung popkulturellen Zitaten stecken lauter kleine Geschichten, die erzählen, wie die Corona-Krise Tausende von Biografien umgeworfen hat. Die bitterböse Satire zeigt, wie Lebensläufe entwertet wurden. Manchmal bleibt einem das Lachen im Halse stecken, bei so viel Realitätsnähe Es ist schon eine seltsame Gesellschaft, die sich im Reisebüro "Bon Vo...

Die Grenzen des Theaters gesprengt

"Die Methode" am DT Göttingen als Drive-In-Vorstellung Vergesst das Autokino. Kultur findet in der Tiefgarage statt. Mit „Die Methode“ hat das Deutsche Theater Göttingen ein Stück entwickelt, das die passende Antwort auf die Zeit ist. Es findet eben in der DT-Tiefgarage statt und begeistert mit einem Maximum an Nähe. Das erste Drive-In-Theater ist mehr als nur eine Überraschung. Das gestörte Verhältnis von Nähe und Distanz sei das sublime Thema der Corona-Krise. Das Fehlen der gewohnte Bipolarität würde die Menschen verunsichern, hatte Intendant Eric Sidler in der Pressekonferenz erklärt. Das wolle man mit dieser Inszenierung aufgreifen. Er hat zu wenig versprochen. „Die Methode“ ist eine geballte Ladung an Intimität und eine Stellungnahme zur Öffentlichkeit zugleich. Hinter allem steckt die Sehnsucht nach Liebe als Triebfeder menschlichen Handelns. Ein zutiefst humanistisches Statement in den Zeiten der Apparatschiks. Grundlage ist der Roman „Corpus Delicti“ von Juli Z...

Das neue Leiden der Familie W.

Ein Fluchtdrama: Die Legende von Sorge und Elend Unter dem Sofa hat jede Familie ihre eigenen Sprengstoff versteckt. Nicht bewältigte Konflikte können solch einen Verband sprengen, auch nach dreißig Jahren. Das sind die Kernbotschaften von Sören Hornungs "Die Legende von Sorge und Elend". Die Uraufführung ist das Hauptstück des diesjährigen Festivals Theaternatur. Zum fünften Geburtstag hat man sich in Benneckenstein damit eine Auftragsarbeit gegönnt. Angesichts der historischen Ereignisse lag das Thema "Grenze und Mauer" auf der Hand. Bevor die Politik im Herbst ihre Stellung einnimmt, wollte man ein Statement auf künstlerische Ebene abgeben. Sören Hornung scheint der geeignete Mann. Schließlich gilt der 30-jährige Berliner als Fachmann für unbewältigte Vergangenheiten. Für die Legende hat er in der Region umfangreiche Recherchen vorgenommen. Doch seine Mischung aus Fiktion und Historie stößt an die Grenzen der "oral history". Das Bühnenbild Es...

Dem Tod die Stirn bieten

Ewig jung: Eine grandiose Komödie Bitterböse und eigentlich zutiefst traurig, aber dennoch ein folgenschwerer Angriff auf die Lachmuskeln ohne dabei in den Klamauk abzudriften. Die Uraufführung von "Ewig jung" im Neuen Globe in Schwäbisch Hall hat das Zeug zu einem Klassiker. Das liegt an der überzeugenden Inszenierung ebenso wie an den großartigen Schauspielern. "Wir sind die letzten von hundertzehn - wir warten bis die Zeit vergeht", dichtete einst Herwig Mitteregger für Spliff in "Deja vue". Diese fünf Akteure sind zwar die letzten ihrer Art, aber alles andere als passiv. Das macht die Komödie von Erec Gedeon glich zu Anfang deutlich Wir schreiben das Jahr 2059. Vierzig Jahre nach der Eröffnung des Neuen Globes treffen sich die letzten Überlebenden der Erstbesetzung. Es sind die Damen Becker und Hanimyan und die Herren Eickelmann, Friedrich, Kraus und Weiler. Regelmäßig treffen sie sich zur Vergangenheitsbewältigung der besonderen Art. Dazu kommen...