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Der Gesang der Lerche

BarrocoTout stellt sich im Kloster vor

Wenn die Zukunft der Alten Musik so aussieht, dann muss sich über den Barock keine Sorgen mehr machen.  Im Rahmen des eeemering-Projeklts stellte sich BarrocoTout aus Belgien mit einem Konzert im Kreuzgang vor. Was bleibt, war der Eindruck eines jungen Ensemble mit erfrischender Herangehens, von dem man sicherlich noch viel mehr hören wird.

Was BarrocoTout so bemerkenswert macht, ist die Instrumentierung und die Spielweise, die ein transparentes und filigranes Klangbild erzeugen, das immer wieder die Assoziationen an einen hellen Frühlingsmorgen voller Vogelgesang wecken. Wenn Lerchen Instrumentalmusik machen würden, dann würde sie wohl so klingen.

Dabei lässt sich dieses Klangbild an zwei Personen festmachen. Da ist zum einen Carlota Garcia an der Traversflöte. Im Gegensatz zur metallischen und spitzen Cousine Querflöte zeichnet sich das Holzblasinstrument durch einen weichen und runden Klang aus, der gelegentlich auch ins Meditative hineinspielt. Dies ist ein Punkt, an dem das Ensemble seinen Anspruch, zur historischen Aufführungspraxis zurückzukehren, gekonnt umsetzt.

Das Konzert von BarrocoTout hatte Workshop-
Charakter. Fotos: tok
Der andere Pfeiler heißt Zeljko Manic. Der Cembalist zeigt schon jetzt ein Können, dass auf eine große Karriere hoffen lässt. BarrocoTout ist einer der wenigen Klangkörper, bei denen dass Cembalo als Basso continuo im Hintergrund grummelt. Hier darf es die Melodieführung übernehmen und kann sich als eigenständiges Instrument etablieren. Dieses Konzept nennt sich Cembalo obligato und ist ein weiterer Schritt in Richtung Historische Aufführungspraxis.

Eeemerging ist ein Netzwerk aus acht Partner in der europäischen Kulturbranche. Mit Mitteln aus dem Kulturfond der EU sollen jungen Ensemble für die Anforderungen des Musikmarktes fit gemacht werden. Im Rahmen eines Stipendiums weilte BarrocoTout in Duderstadt, um dort mit Schülern und Senioren zu musizieren.

Kooperationspartner des eeemerging-Prjektes in Niedersachsen sind die Händel Festspiele, die an diesem Abend auch als Gastgeber fungierten. Der Auftritt in Walkenried war gewissermaßen der Abschluss der Projektwoche. Damit hatte der Abend eher den Charakter eines Workshops. Die lockere Atmosphäre steigerte das Vergnügen und das Publikum zeigte angesichts der musikalischen Leistungen Verständnis für manch ungewohntes Detail in der Präsentation. Alte Musik muss eben nicht immer im Smoking und Abendkleid stattfinden.

Auch das Programm ist bemerkenswert, es stehen ein sehr früher Händel drauf. Dazu gesellen sich mit Lebrecht Julius Schultz, Johann Christoph Friedrich Bach und Joseph Aloys Schmittbauer. Man wolle unbekannte Komponisten bekannte machen und bekannte Werke aus einer neuen Perspektive zeigen, erklärt Carlota Garcia in der Einführung, die zu lang und zu akademisch gerät.

Mit dieser Werkauswahl wird der Abend zu einer Entdeckungsreise zur Basis und in die Zukunft der Barockmusik. Kling komisch, ist aber so. Das Quartett II in D-Dur zeigt diese filigrane Struktur, die schon jetzt das Markenzeichen dieses jungen Ensembles ist. Traversflöte und Cembalo hüpfen im Allegretto wie Vögel die Tonleitern rauf und runter. Auch das Larghetto bleibt trotz des verschleppten Tempos hell im Gesamtbild und im zweiten Allegretto treten Manic und Garcia in einem bezaubernden Dialog ein.

Edouard Catalan hatte an diesem  Abend
Spaß und das Publikum mit ihm.
Das Kontrastprogramm ist die Trisonate op. 1. Sie zeigt einen verinnerlichten und fast schon meditativen Händel. Im Andante entwickeln flöte und Cembalo gemeinsam die Melodie, im Allegro spinnt Carlota Garcia zusammen mit Izana Soria an der Violine diesen Faden weiter. Das Largho ist durch eine weiche, fast schon hypnotisch Traversflöte gekennzeichnet, die zum Verweilen an diesen temporeichen Abend einlädt.

Ein überraschendes Stück Barockmusik präsentieren Zeljko Manic und Edouard Catalan am Cello mit der Sonate in D-Dur von Johann Christoph Friedrich Bach. Im Werk des sogenannten "Bückeburger Bachs" laufen Cembalo und Cello erst lange Zeit nebeneinander her, scheinen gar nicht zusammenzugehören. Zwei Soloinstrumente interpretieren dasselbe Material auf sehr unterschiedliche Weise. So hat es den Anschein und damit viel Jazz-Appeal.

Erst im Larghetto finden Cembalo und Cello zueinander, bis dahin haben beide eine Kette an Tonperlen geflochten. Obwohl nur im Duett tanzt das  Rondo dann wirklich. Immer wieder schimmert der Vögel, der Hochzeit feiner wollte, durch das Tonmaterial. Allein schon wegen dieses selten gespielten Bachs ist der Abend ein voller Erfolg.

Das Quartett IV in F-Dur von Joseph Schmittbaur ist gekennzeichnet durch ein schnelles Spiel und den Wechsel der kurzen Soli. Carlota setzt hier wieder die Akzente. Ihre Barockmusik hat einen sehr hohen Ian-Anderson-Faktor. Ian Anderson? Das ist der von Jethro Tull. Carlota Garcia hat Spaß an dieser Musik und diesen Spaß vermittelt sie dem Publikum und sie teilt diesen Spaß auch mit dem Publikum.

Wenn die Zukunft der Alten so aussieht, dann muss man sich keine Sorgen über den Barock machen und kann nur hoffen, dass es in Zukunft noch mehr zu hören gibt von BarrocoTout. Vielleicht bei der in der Göttinger Reihe der Händel Festspiele.      


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