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Ausgeträumt

Der Club Göttingen spielt den Sommernachtstraum am JT

Mit Shakespeare kann eine Laiengruppe gnadenlos scheitern oder glänzend übrraschen. Mit dem Sommernachtstraum ist dem Club Göttingen am Jungen Theater eine Inszenierung mit einem besonderen Reiz und einer ordentlichen Portion Selbstironie gelungen.
Herzog Theseus hat die Amazonen besiegt und will nun deren Anführerin Hippolyta heiraten, die will aber nicht. Demetrius soll die Hermia heiraten, die will aber lieber den Lysander ehelichen, während Helena hinter Demetrius her, der ja aber die Hermia will, die aber nun mit Lysander flieht. Beide müssen in dem Wald übernachten, im dem sich Oberon und Titannia, Herrscher der Feen und Elfen, durch ihren ehelichen Alltag angiften. Also will Oberon seiner Gattin eins auswischen und ruft Puck zu sich, um das zänkische Weib und die widerspenstigen Menschen zu verzaubern. Und dann sind da noch dieHandwerker, die zu Ehren der fürstlichen Hochzeit ein Theaterstück einstudieren wollen. Das klingt sehr deutlich nach einen "Tür auf - Auftritt - Abgang - Tür zu"-Stück und das ist ungefähr die Ausgangslage in Shakespeares erfolgreichster Komödie.
Titannia und ihre Feen überlegen, wie sie Oberon
aus dem Weg gehen können. Fotos: Eulig/JT
Die Inszenierung des Club Göttingen ist wohltuend aufgeräumt. Das Bühnenbild ist auf das wesentliche reduziert und der Auftakt mit Händels triumphaler Feuerwerksmusik ist ein  Kontrast mit Augenzwinkern. Schließlioch schreitet gleich der siegreiche Theseus einher. Als Triumphator über die Amazonen kann er auch über das Schicksal der Menschen gebieten, dies glaubt zumindest Winfried Binder in der Rolle des obersten Athener. Nur Hermia ist entschlossen, sich dem Diktat des Herrschers zu entziehen. Denn des Menschens Willen ist sein Himmelreich. Dies macht Katharina Arand mit fester Stimme und erstaunlicher Präsenz deutlich und dies hält sie auch bis zum Ende durch. Im Gegensatz dazu leidet Micky Bartl als Helena von der ersten bis zur vorletzten Minuten und die Zuschauer mit ihr.
Da bedarf es schon der Handwerkertruppe, um deutlich zu machen, dass Shakespeare seinen Sommernachtstraum als Komödie angelegt. Unter den Laiendarstellern sticht Gudrun Voss als Zettel. Da steckt schon eine Menge Selbstironie drin, wie sie den überambitionierten Amateur gibt, der im Bemühen das Drama neu zu erfinden, sich überhebt und scheitern muss. Dieser Clown ist eher ein Grock als ein Till Eulenspiegel.
Puck ist dem Oberon gern zu Diensten, sonst ist
der nicht mehr lange Chef im Wald.
Dieser Titannia ist Oberon bestimmt nicht gewachsen. Deshalb muss der König der Elfen im alltäglichen  Ehekrieg zu Hinterlist und zum Liebestrank. Sonst ist er den Chefposten im Wald bald los, angesichts der geballten Feenpower und der weiblicher Verweigerungshaltung.
Die zu brechen, dies ist die Aufgaben von Puck. Doch der Elf ist kein Werkzeug, unfreiwillig steuert er fortan das Geschehen. Nicht des Menschen Willen oder des Oberons List regiert das Geschehen, sondern die Mißgeschicke des Puck. Seit den Entstehungszeiten ist der Sommernachtstraum ein Stück, dass eben um den Unruhestifter geschrieben wurde. Der Club Göttingen bleibt dieser Tradition treu. Angelpunkt der Inszenierung ist eindeutig Inga Kahlcke in der Rolle des Puck, den sie irgendwo zwischen Pumuckl und Clown ansiedelt. Hektisch hin und her und rauf und runter, aber eben auch mal still und um Besinnung im menschlichen Drunter und Drüber. Feixend und omnipräsent, überfordert und an den Rand gedrängt ist sie jedes Mal das Zentrum des Geschehens. Nur als sie den Sprung von den Rollator von Kerstin Schulz wagt, verschieben sich die Schwerpunkte für einen zauberhaften Augenblick. Im übrigen muss am für die Besetzung der Fee Bohnenblüte dem Ensemble gratulieren.
Das beste Solo bleibt Gudrun Voss vorbehalten. Verzaubert, benutzt und entzaubert bleibt Zettel verlassen im Wald zurück. Nach dieser intensiven Moment  könnte das Stück eigentlich zu Ende sein, denn der Worte sind genug gewechselt. Mit so viel Mut hätte der Club Göttingen eine ganz eigene Inszenierung geschaffen. Nun wirkt das Ende des Sommernachtstraum ein wenig wie drangeklebt.

Der Club Göttingen

Der Spielplan

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