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Zaubertanz


Sommernachtstraum als Ballett zwischen Komödie und Kunst

Das ist Tanztheater in der fünften Dimension. Mit seiner Choreographie zu Shakespeares "Sommermnachtstraum"  am Theater Nordhausen verzaubert Ivan Alboresi nicht nur. Er setzt neue Wegmarken in Sachen zeitgemäßes Ballett. Die Premiere hinterließ ein begeistertes Publikum.

Eigentlich wollte er ja nie Erzählballett machen. Stimmungen zu generieren und zu transportieren, dass sei sein Anliegen, hat Nordhausens Ballettchef Ivan Alboresi immer wieder betont. Nun ist er sich selbst untreu geworden und hat wohl deswegen hat seine Ballettcompagnie TNLos eine großartige Leistung vorgelegt. Die drei Bilder "Tag", "Nacht" und "Morgen" glänzen durch eine eigenständige Formsprache.

Tanz, Musik, Kostüme, Bühnenbild und Licht. Hier stimmt alles und alles fügt sich in ein verzauberndes Ganzes. vor allem Wolfgang Kurima Rauschning ist mit dem Bühnenbild ein großer Wurf gelungen. Es ist keine Dekoration, ist keine Spielflächebegrenzung sondern akitver Part der Inszenierung. Als Puck im zweiten Bild eintritt in einen Dialog mit der Videoanimation des Bühnenbilds ist die fünfte Dimension eröffnet.

Aus vielen Einzelnen wird ein Ganzes und das wogt.
Alle Fotos: Andras Dobi
Doch erst ist die Bühne leer und die Wände blank. Die Amazonenkönigin Hippolyta ganz auf sich geworfen. Sie hat den Kampf gegen Theseus verloren und muss nun den Herzog von Athen heiraten.  Gabriela Finardi schafft es eindrucksvoll, diesem Kummer eine Gestalt zu geben. Ganz in sich versunken ist sie fast schon das bekannte Häufchen Elend. Doch sie schafft es, sich aus der Verzweiflung zu lösen und großen kreisen Bewegungen macht sie die Bühne frei für die Pärchen, die sich nun suchen und finden.

Sie drehen sich umeinander. Der Tanz beschleunigt sich. So sieht also das merkwürdige Paarungsverhalten geschlechtsreifer Großstädter aus. Die kreisenden Bewegungen beschleunigen die Choreografie und die immer wiederkehrenden Muster des Cembalos wirken wie ein Techno-Song aus dem Barock. Mit dem Einsatz des Minimalisten Philip Glass ist Michael Helmrath ein belebneder Bruch der Erwartungen gelungen. Schließlich war Romantik mit Mendelssohn Bartholdy angekündigt worden.

Aber aus den Paaren werden Kleingruppen und daraus wird ein Tutti. Der Modern Dance wird ergänzt mit Schritten aus dem Jazz Dance. Trotzdem bleibt jede Figur im Ensemble klar zu erkennen und mischt sich doch zu einem Ganzen, das wogt und köchelt. solche dynamischen Bilder mit Körpern zu schaffen, das ist die Hohe Kunst, die Ivan Alboresi beherrscht wie kaum ein anderer. Damit erdet er die zahlreichen Stränge des Erzählballetts in einer großen expressiven Geste.

Dann wird barocke Pracht auf die weißen Wände projiziert. Theseus und Hippolyta schreiten ein zur Vermählung. die schlichten Kostüme werden durch floralen Wagemut ersetzt. Die nächste Überraschung ist gelungen.

Das Paar des Abends: Puck und
Pouquette.      Foto: Andras Dobi
Im nächsten Bild ist dann Zauberwelt angesagt. Die Nacht dämmert im Wald und Mendelssohn Bartholdy erklingt. Joshua Lowe hat auch als Oberon das Schreiten beibehalten. Er ist der Herrscher im Wald, das ist deutlich. Er kann seine Position als Solist an diesem Abend wieder unter Beweis stellen.

Doch die Darsteller, die den größten Eindruck hinterlassen, sind eindeutig Keiko Okawa als Pouquette und Andrea Guiseppe Zinnato als Puck. Kann man frech tanzen? Diese Frage ist in der Fachliteratur noch nicht beantwortet.

Aber Okawa und Zinnato geben ein Antwort darauf. Ja, es geht. Kopf nach Oben, und immer schnelle kleine Schritte und hier ein Sprung und dort ein Sprung. In beeindruckender Harmonie bilden sie die jugendliche Seite dieser Komödie um. Zwischen die meditativen und verzweifelten Szenen setzt das Duo die frechen Akzente. Dafür gibt es am Ende auch donnernden Applaus.

Vor der fünften Dimension kommt die vierte. Die Bürger hat es in den Wald verschlagen. dort treiben sie ihr Paarungsverhalten weiter. Doch dann ist punktgenau Stillstand, das Bühnenbild verschwindet im Dunkel. Nur Spots beleuchten einzelne Akteure und dann regnet es Reclam-Hefte in die offene Hände. Zeit und Licht treffen zusammen. Boahh, gekonnt und zauberhaft.

Im Zaubertanz regnet es Einfälle. Es ist diese Vielzahl an Überraschungsmomenten und die Erzählungen von den zahlreichen Wandel der Akteure, die diese Choreografie ausmacht. Shakespeares Handlungsstrang wird in das Persönliche und das Expressive erweitert. Damit überwindet Alboresi dann doch die Begrenzungen des Erzählballetts.





Material #1: Theater Nordhausen - Der Spielplan
Material #2: Sommernachtstraum - Die Choreografie

Material #3: Shakespeares Sommernachtstraum - Die Handlung
Material #4: Mendelssohns Sommernachtstraum - Die Musik







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