Direkt zum Hauptbereich

Gern gesehene Gäste

Das Bremer Kaffeehaus-Orchester beendete die 32. Saison der Kreuzgangkonzerte

Das Jahr 2015 war für die Kreuzgangkonzerte ein Jahr mit wichtigen Änderungen und Weichenstellungen. Der musikalische Leiter Thomas Krause zeigte sich beim  Abschlusskonzert am Montag zufrieden mit dem abgelaufenen Jahr. Für 2016 versprach er einen Mix aus Bewährten und Überraschungen. Das letzte Wort im Kreuzgang hatte dann das Bremer Kaffeehaus-Orchester. Das Quintett begeisterte mit seiner Mischung aus Klassik, Swing, Rock und musikalischen Nonsens.

Wenn man sich zur Silvester seit Jahren dieselben Gäste einlädt, dann hat man eine Vorahnung, was die Besucher so alles zu mitbringen werden, im Guten wie im Bösen. Ähnliches gilt für das Bremer Kaffeehaus-Orchester und ihr Gastspiel im Walkenrieder Kreuzgang. In Kategorien gedacht, gehört das Orchester aus der Hansestadt eher in die Schublade Bewährtes, das nicht vor Überraschungen schützt. Schließlich kommen die Männer um Constantin Dorsch seit 15 Jahren nach Walkenried. Im Gepäck hatte das Kaffeehaus-Orchester das neue Album “Black Coffee”, das das Ensemble zum 25. Geburtstag aufgenommen hatte.

Das Kaffeehaus-Orchester spielt sogar Rockklassiker
vom Blatt.          Alle Fotos: Kügler
Seit 1990 funktioniert das Konzept der Bremer Musiker. Sie nehmen Werke aus unterschiedlichen Epochen, kleiden sie in ein klassisches Gewand und hauchen der Musik damit neues Leben ein. Die Vorgehensweise ist immer dieselbe. Kontrabass und Cello, manchmal auch das Klavier, legen die Basis, über die Geige, Bläser und auch das Klavier dann die ursprüngliche Gesangslinie intonieren, Die engen Grenzen festgefahrener Genres interessieren keinen.

Die Frage, ob Musik in der Zeit zwischen den Jahren nur andächtig und  besinnlich sein kann, beantwortete das Quintett wie erwartet und eindeutig mit “Nein”. Die Interpretationen des Kaffeehaus-Orchester sind das Gegengift zur süßlichen Jahresendzeit-Musik und sie befreien die Gehörgänge von klebrigen Tönen. Das Kaffehaus -Orchester stieß die Tür zur Realität auf, ließ die weihrauchgeschwängerte Luft nach draußen und den 'Spaß und das wahre Leben wieder rein.

Schon das erste Stück “Penny Lane” macht die therapeutische Wirkung deutlich. Johannes Grundhoff legt am Klavier ein gesteigertes Tempo bei diesem Beatles-Klassiker vor, dem seine Mitspieler aber gern folgen. Christian Dorsch sorgte an der Violine für die klare Melodieführung.

Auch der anschließende Tango “Mi Buenos Aires Querido” zeigte keine falsche Bedächtigkeit oder kitschige Sehnsucht. Das Stück  von Carlos Gardel klingt durch und durch lebensbejahend und gegenwärtig. Dies gilt auch später für das legendäre "Volver" des gleichen Komponiste.

Für ein Quintett wird es verdammt eng auf der Bühne

in Walkenried.
Tragender Teil der Inszenierung waren die launigen Kommentare von Constantin Dorsch. Der Geiger gab mit trockenen Humor und auch in direkter norddeutscher Art eine Reihe von Erläuterungen zu den Stücken. Diese trugen zwar nicht immer zum tieferen Verständnis der Werke bei und wenn auch nicht jeder Gag zündete, gab es immerhin immer wieder Schmunzler.

So erklärte Dorsch, dass Antonio Vivaldi kein Venezianer sondern ein zugewanderter Friese war. Aus Marketinggründe habe er seinem Namen Enno Freersen dann einen italienischen Anschein verpasst. Das Publikum und die eingeschworenen Fans in Walkenrieder Kreuzgang bedankten sich am Montag dafür immer wieder mit viel Applaus.

Im Tiefsten ihres Herzen sind  Klaus Fischer, Gero John, Anselm Hauke, Johannes Grundhoff und Constantin Dorsch allesamt Jazzer, die sich nur aus Marketinggründen mit Frack und weißen Hemd als Klassiker verkleiden. Diese Theorie bestätigte das Kaffeehaus-Orchester mit “Satin Doll” von Duke Ellington. Die Kombo hauchte den Jazz-Standard neues Leben ein. Optimal mit den Streicher abgestimmt klang das Saxophon von Klaus Fischer satt und voll wie ein ganzer Bläser-Satz. Fett hupen nennt der Jazzer das. Schnell, filigran und transparent zauberte Johannes Grundhoff seine Klavier-Soli in den Kreuzgang.

Gleiche Glanzleistung gelangen dem Orchester bei den Jazz-Standards “Black Coffee” und “It was a very good Year”. Selbst der Blues swingte, das Konzert wurde zur Jam-Session, jeder durfte mal beim Solo ran und zum Schluss fanden sich alle wieder. Die Bremer Jungs haben all den zarten Schmelz abgezogen, denn selbst einst Sinatra über diese Rührstück legte.

Doch das Bremer Kaffehaus-Orchester kann auch filigran und anrührig. “Michelle” ist wohl der schönste und schwierigste Songs der Beatles. Das Wechselspiel von Dorsch, Grundhoff und Fischer zeigte die komplexe Struktur des Lieds. Damit war das Werk von Paul McCartney der einzige Ruhepool beim Konzert zwischen den Jahren.

Die Vuvuzela darf nicht fehlen.
Für den musikalischen Nonsens am Rande des Klamauks sorgte Günter Maria Bachpelz. Unter diesem Namen hatte Constantin Dorsch einen Boogie für Vuvuzela geschrieben. Dorsch selbst entlockte am Montag diesem Instrument Zwischentöne, die man einer quietschgelben Tröte eigentlich nicht zutraut.

Publikum und Orchester erwiesen sich am Montag als eingespieltes Ensemble. Ohne viel Aufhebens spielt das Kaffeehaus-Orchester zwei Zugaben. Bei “I will survive” legen die Herren ein Tempo, dass Gloria Glaynor selbst bei der Erstauflage 1978 in Atemnot geraten wäre und das Discofieber im Kreuzgang in den Bereich "heiß" vordringt. Zum Schluss geht der Blutdruck nach unten. Mit “What a wunderful world” erreicht das Quintett das Niveau an Besinnlichkeit, dass man voneinem Konzert zwischen den Jahren im Allgemeinen erwartet. Es sei denn, das Bremer Kaffeehaus-Orchester ist auch 2016 zu Gast.



Die Website des Bremer-Kafffeehaus-Orchester
Das Bremer-Kafffeehaus-Orchester bei Facebook

Die Kreuzgangkonzerte


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Erich Kästner mal als Skandalnudel

Deutsches Theater bringt Kästners Fabian auf die Bühne Kinderbuchautor und Komiker, das sind die Etiketten mit denen Erich Kästner gemeinhin beklebt wird. Aber er konnte auch ganz anders. Das beweist die Inszenierung seines "Fabian" am Deutsch Theater in Göttingen. Doch die Premiere hinterlässt einen gemischten Eindruck. Es sind unruhige Zeiten im Berlin Ende der 20-er Anfang der 30-er Jahre. Die Freiheit der Weimarer Republik trifft auf die Weltwirtschaftskrise. An jeder Ecke lauert die Entlassung. Die aufstrebenden Nationalsozialisten liefern sich Straßenkämpfe mit den Kommunisten. In diesen Zeitenwechsel hinein veröffentlichte Erich Kästner 1931 seinen Roman "Fabian.Die Geschichte eines Moralisten". Zuvor hatte der Verleger ihm einige Zugeständnisse abgerungen, damit das Werk überhaupt erscheinen konnte. Den ursprünglichen Untertitel "Der Gang vor die Hunde" bekam das Werk erst bei der Neuauflage 2013 zurück. Nicht nur inhaltlich auch stilistisc...

Endlich ist Korruption gleichberechtigt

Premiere auf dem schmalen Grat: Gogols Revisor im Deutschen Theater Göttingen Um mal ins Olympia-Sprech zu verfallen: Die Premiere von "Der Revisor" am 14. Februar im DT Göttingen war eine geschlossene Mannschaftsleistung und eine beeindruckende Perfomance. Alle Beteiligten waren auf den Punkt top-fit. Deswegen geht die Gold-Medaille zu recht an die Equipe von Regisseurin Ulrike Arnold. Raffgier ist ein ständiger Begleiter Die Vorlage des russischen Dramatikers Nikolai Gogol ist fast 200 Jahre alt. Doch die Inszenierung am DT Göttingen hat gezeigt, dass ihre Themen und ihre Akteure immer noch sind. Ein Stück zeitlos zu machen, indem man die treibenden Kräfte bloßlegt und aktuell hält, dass ist die hohe Kunst des Theater und das ist in dieser Aufführung durchweg. Dann auch noch mit einer Komödie, da doch Humor sehr zeitgebunden ist. Als falscher Revisor hat Marco Matthes (Mitte) leichtes Spiel mit den Provinzpromis.  Alle Fotos: DT Göttingen    Diese Kunststück ...

Dieter Nuhr offenbart sich als Menschenfreund in Vollzeit

In Goslar zeigt er Werke, die Distanz schaffen Seit dem Auftritt von Christo hat keine Werkschau in Goslar solch ein Aufsehen erregt. Dieter Nuhr stellt dort aus unter dem Titel „Du denkst an durchfahrene Länder“. Es geht um Menschen und Landschaft, denen der Mann vom Niederrhein auf seinen Reisen um die Welt begegnet ist.  Zur Vernissage am 21. Juli war der Garten im Mönchehaus Museum bis auf den wirklich allerletzten Platz belegt. Direktorin Bettina Ruhrberg und Dieter Nuhr machten im Einführungsgespräch deutlich, dass man den Kabarettisten und Künstler voneinander trennen sollte, auch wenn es nicht immer gelingt. Schließlich geht es um zwei Seiten derselben Person.  Dieter Nuhr begann sein Studium als Kunstlehrer 1981 an der Folkwangschule in Essen. Er wollte Künstler werden, sein Vater bestand auf den Lehrer. ein typischer Kompromiss für die alte Bundesrepublik der 70-er und 80-er Jahre. Dass er dann Kabarettist geworden ist, bezeichnete er als Unfall und dann als Glücksfa...