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Der Chef kann sogar singen

Die Händel Festspiele starten mit einem berauschenden Kammerabend

Nach solch einem Konzert ist man bereit, seinen ärgsten Feinden zu verzeihen, selbst der eigenen Verwandtschaft. Es gab genug Futter für die Seele und man fühlt sich im Einklang mit sich und dem Rest der Welt. Mit einem kammermusikalischen Abend in der Aula der Universität eröffneten am Donnerstag  Elisabeth Blumenstock, Phoebe Carrai und Laurence Cummings die Händel Festspiele 2017. Für die überragende Leistung gab es einen donnernden Applaus.

Mit diesem Auftakt nach Maß hat sich die Idee, das große Fest mit einem kleinen, intimen Konzert einzuläuten, mal wieder bewährt. Sofern man angesichts der ausverkauften Aula von klein und und intim reden kann.

Das Programm stellte die lyrischen Seiten der Barockmusik in den Vordergrund und verzichtete auf die Showeffekte. Zudem wurde der erste Teil von selten gespielten italienischen Barockkomponisten dominiert. Blumenstock, Carrai und Cummings nehmen ihr Publikum mit auf eine Entdeckungsreise, erst nach der Pause führt der Weg in bekannte Gefilde. Chronologisch aufbauend zeichnen sie auch die Entwicklung dieses Genre nach. Lehren ohne lehrerhaft zu sein.

Erst hat Cummings nur gespielt,
später auch gesungen. Foto: tok
Die Sonate in d-Moll von Alessandro Stradella ist im Andante minimalistisch und zurückhaltend angelegt, erst im Presto  entwicklen Blumenstock, Carrai und Cummings die Dynamik, die man vom Barock erwartet. Das Warten hat sich gelohnt, der Wechsel funktioniert bestens. Hier schon zeichnet sich ab, was den Abend bestimmen wird. Das kleine Ensemble   durch die Einzelleistungen der Solisten und dem überragendem Zusammenspiel als Duo und als Trio. In dem ausgewogenen Dreigestirn kommt jeder der Akteure zu seinem Recht.

Mit dem Ricercar No. 7 in d-Moll von Domenico Gabrelli beweist Phoebe Carrai, dass sie zu den besten ihrer Zunft zählt. Sie blättert die ganze Vielfalt dieses Stücks, das eigentlich als Übung für Tasteninstrumente gedacht war, mit ihrem Cellospiel auf. Immer wieder werden aus den Läufen schmeichelnde Melodien.

Mit der Toccata Quarta von Girolamo Frescobaldi kann Laurence Cummings mal seine lyrische Seite zeigen. Sein Spiel nimmt den Stück die Schärfe der Orgelkomposition.

Laut Papierform ist Elizabeth Blumenstock eine der besten Geigerin weltweit und das seit Jahren.  In Realiter ist das ach wirklich.  In der Sonata Nr. 5 in e-Moll von Biber kann sie ihr komplettes Vermögen ausschöpfen.  Erst singt ihre Barock Geiger ein trauriges Lied,  dann erzählt sie Burleskes,  um dann mit überzeugender Dynamik in den Tanz-Modus überzugehen.

Elizabeth Blumenstock ist nicht nur nach
der Papierform ein der Besten. Foto: tok
Das Publikum ist wie verzaubert und bedankt sich mit Applaus aus der Kategorie Popkonzert.  Nach der Pause gehen die drei Könner den eingeschlagenen Weg konsequent weiter.

Cummings zeigt die lyrischen Seiten von Händel und zeigt mit der Ouvertüre aus der Festspieloper Lotario ein verspieltes aber transparentes Klangbild.  Mit der Sonata Abkürzung beweist das Trio, dass Bach an Einfallsreichtum kaum zu überbieten ist und keiner so viele Noten wie er auf wenige Quadratzentimeter Notenpapier bringt. Das ist eine Herausforderung, die das Trio spielend bewältigt.

Die Musiker werden mit donnernden Applaus bedacht und auch das Publikum bekommt eine Belohnung. Als Zugabe gibt es die Arie das Jupiters aus Semele und der chef singt selbst. Das macht Laurence Cummings so gut und vor allem so lyrisch, dass sich bei manchen Gänsehaut einstellt.

Nach solch einem Konzert ist man bereit, seinen ärgsten Feinden zu verzeihen, selbst der eigenen Verwandschaft und vielleicht sogar dem Nachbarn.





Händel Festspiele #1: Die Homepage
Händel Festspiele #2: Laurence Cummings
Händel Festspiele #3: Ein Interview mit Elizabeth Blumenstock
Händel Festspiele #4: Phoebe Carrai bei wikipedia






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