Direkt zum Hauptbereich

Fliegen, singen und tanzen

Götz Alsmann mit Italiens Zauber bei den Kreuzgankonzerten

Italien liegt in Südamerika, zumindest musikalisch. Das bewiesen Götz Alsmann und Band beim Musiksommer der Kreuzgangkonzerte. Dabei war das Konzert gar keins sondern eine große Show im traditionellen Stil.

Drei Städte und ihr musikalisches Vermächtnis haben Alsmann und Band in den letzten Jahren abgearbeitet. Nach Paris und New York war nun Rom dran. Sie haben sich des Canzone angenommen, des italienischen Schlagers der 50-er und 60-er Jahre angenommen.

Zu der Vorlagen gab es nicht nur deutsche Texte sondern eben auch  jede Menge Mambo, Rumba und Latin Jazz, die Musik der 50-er Jahre eben. Das hat schon eine gewisse Logik und macht manches erst genießbar.

Farbenfroh: Die Band von Götz Alsmann.
Alle Fotos Kügler
Alle Programme haben Alsmann und Band in den letzten Jahren in Walkenried vorgestellt. Damit wurde das Publikum Zeuge der musikalischen Entwicklung und die ging eindeutig in Richtung entspannt und souverän. Es swingt mehr denn je und es macht mehr Spaß denn je.

Alsmann und seine vier Musiker machen Druck von der ersten Minute an. Mit "Quando Quando Quando" gehen sie gleich in die Vollen und das Publikum summt gleicht mit. Eins wird gleich klar: Alsmann am Flügel und Altfrid Sicking am Vibraphon bestimmen den Abend. Immer wieder wechseln sie sich in den Soli ab. Damit halten sie das Tempo hoch.

Im Mambo Italiano erweitert Sicking dann die Klangfarben mit einem Solo an der Klarinette. Später wird er noch häufiger zur Trompete greifen. Aber dennoch bleibt die Instrumentierung konzentriert und auf Klavier und Vibraphon fokussiert. Hier ufert nichts aus.

Selbst vor Verdi macht das Quintettt nicht halt. Sein "Il Trivatore" hat wohl noch nie so geswingt. Die Klammer ins 19. Jahrhundert? Alsmanns Begeisterung für italienische Musik jeder Art.

Dann kommt der Bruch und Alsmann und Band erweitern das Repertoire. "Non sei felice" ist ein wunderbar schwermütiger Blues. Doch der nächste Umschwung kommt gleich. "Arrivederci Roma" wird zu einem Rhythmusgewitter. Rudi Mahrhold hämmert auf die Riesentrommel während Markus Paßlick die Bongos vorantreibt. Darüber legt Alsmann den gewohnt zurückhaltenden Gesant im andante. Das ergibt einen wunderbaren Kontrast.

Nach der Paus wird das Tempo noch einmal gesteigert. Zum Mambo und zur Rumba kommt jetzt eine Portion Rock'n'Roll hinzu. Das "Mondo cane" fegt über die Bühne. Doch mit "Marina" geht es gleich noch eine Spur schneller.

Alsmann und Sicking wechseln sich drei, viermal in den Soli ab und Paßlick gibt einen Einblick in sein Arsenal an seltsamen Geräuschemacher. Doch an den einmalig kraftvollen Gesang von Rocco Granata trauen sie sich nicht heran. Das ist auch nicht nötig, da der größte Teil des Publikums den Text vor sich hinsummt. Mitsingen darf es dann bei Volare.

Liebe und um Trennungsschmerz sind nun mal die stärksten Gefühle, deshalb bestimmen sie auch diese Programm. Doch das abschließende "Il nostro concerto" fällt aus dem Raster mit so viel Pathos. Alsmann bleibt am Flügel sitzen, während die Band schon mal die Bühne verlässt. Einsam singt er sich den Trennungsschmerz von der Seele

Liebe auf den ersten Griff.
Alle Fotos : Kügler 
Aber so kann keine Alsmann-Konzert enden. deshalb gibt es noch zwei Beispiele, warum der italienische Schlager so viel besser ist als der deutsche.

Aber ein Abend mit Götz Alsmann ist kein Konzert. Es ist eine Show, ganz im traditionellen sinn, nur die Treppe fehlt. Mindestens genauso wichtig wie die Musik ist die Moderation. Ja, manchmal wird sie sogar zum Hauptzweck.

Alsmann redet und kalauert. Er jongliert mit den Begriffen und mit Doppeldeutigkeiten. Bei manchem Scherz dauert es, bis er zündet. Aber wer es dann verstanden hat, hat um umso mehr Spaß.

Alsmann erzählt Geschichten, ganz lebhaft, voller Bilder und mit vollem Einsatz. Beim Publikum schaltet er das Kopfkino. Vor den Hunderten von geistigen Augen wird es hell in den Cafés und Bars, die von jungen, lebenslustigen Römern bevölkert sind. Italien bleibt ein Sehnsuchtsort.

Er bedient sich dabei auch augenzwinkernd einiger Klischees. So erzählt er davon, wie der Pate von Münster Einfluss genommen hat auf die Auswahl der Lieder. Weil Alsmann sich davon nicht ausnimmt, weil er Teil der Geschichten voller Stereotype ist, hat auch niemand Probleme mit den Klischees.

Natürlich spielt er mit dem Publikum. Das reagiert wie gewünscht im Wortschnipsel- und Melodienspiel. Aber manchmal spielt auch das Publikum mit Alsmann. Es ist schon eine vertraute Symbiose, die da in fünfzehn Jahren entstanden ist. Es ist eine Beziehung, die vom gegenseitigen Spaß am anderen lebt.

Im nächsten Jahr werden Götz Alsmann und seine Band eine neues Programm vorlegen. Dann werden sie wieder nach Walkenried kommen.







Material #1: Walkenrieder Kreuzgangkonzerte - Das Programm


Material #2: Götz Alsmann - Die Biografie
Material #3: Alsmann und Band - Die Website

Material #4: Die höchsten Weihen - Das Konzert 2016


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Erich Kästner mal als Skandalnudel

Deutsches Theater bringt Kästners Fabian auf die Bühne Kinderbuchautor und Komiker, das sind die Etiketten mit denen Erich Kästner gemeinhin beklebt wird. Aber er konnte auch ganz anders. Das beweist die Inszenierung seines "Fabian" am Deutsch Theater in Göttingen. Doch die Premiere hinterlässt einen gemischten Eindruck. Es sind unruhige Zeiten im Berlin Ende der 20-er Anfang der 30-er Jahre. Die Freiheit der Weimarer Republik trifft auf die Weltwirtschaftskrise. An jeder Ecke lauert die Entlassung. Die aufstrebenden Nationalsozialisten liefern sich Straßenkämpfe mit den Kommunisten. In diesen Zeitenwechsel hinein veröffentlichte Erich Kästner 1931 seinen Roman "Fabian.Die Geschichte eines Moralisten". Zuvor hatte der Verleger ihm einige Zugeständnisse abgerungen, damit das Werk überhaupt erscheinen konnte. Den ursprünglichen Untertitel "Der Gang vor die Hunde" bekam das Werk erst bei der Neuauflage 2013 zurück. Nicht nur inhaltlich auch stilistisc...

Endlich ist Korruption gleichberechtigt

Premiere auf dem schmalen Grat: Gogols Revisor im Deutschen Theater Göttingen Um mal ins Olympia-Sprech zu verfallen: Die Premiere von "Der Revisor" am 14. Februar im DT Göttingen war eine geschlossene Mannschaftsleistung und eine beeindruckende Perfomance. Alle Beteiligten waren auf den Punkt top-fit. Deswegen geht die Gold-Medaille zu recht an die Equipe von Regisseurin Ulrike Arnold. Raffgier ist ein ständiger Begleiter Die Vorlage des russischen Dramatikers Nikolai Gogol ist fast 200 Jahre alt. Doch die Inszenierung am DT Göttingen hat gezeigt, dass ihre Themen und ihre Akteure immer noch sind. Ein Stück zeitlos zu machen, indem man die treibenden Kräfte bloßlegt und aktuell hält, dass ist die hohe Kunst des Theater und das ist in dieser Aufführung durchweg. Dann auch noch mit einer Komödie, da doch Humor sehr zeitgebunden ist. Als falscher Revisor hat Marco Matthes (Mitte) leichtes Spiel mit den Provinzpromis.  Alle Fotos: DT Göttingen    Diese Kunststück ...

Dieter Nuhr offenbart sich als Menschenfreund in Vollzeit

In Goslar zeigt er Werke, die Distanz schaffen Seit dem Auftritt von Christo hat keine Werkschau in Goslar solch ein Aufsehen erregt. Dieter Nuhr stellt dort aus unter dem Titel „Du denkst an durchfahrene Länder“. Es geht um Menschen und Landschaft, denen der Mann vom Niederrhein auf seinen Reisen um die Welt begegnet ist.  Zur Vernissage am 21. Juli war der Garten im Mönchehaus Museum bis auf den wirklich allerletzten Platz belegt. Direktorin Bettina Ruhrberg und Dieter Nuhr machten im Einführungsgespräch deutlich, dass man den Kabarettisten und Künstler voneinander trennen sollte, auch wenn es nicht immer gelingt. Schließlich geht es um zwei Seiten derselben Person.  Dieter Nuhr begann sein Studium als Kunstlehrer 1981 an der Folkwangschule in Essen. Er wollte Künstler werden, sein Vater bestand auf den Lehrer. ein typischer Kompromiss für die alte Bundesrepublik der 70-er und 80-er Jahre. Dass er dann Kabarettist geworden ist, bezeichnete er als Unfall und dann als Glücksfa...