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Der Bremer Göttervater aus Hamburg

 

Mit dem Borgward seine Isabella durch die Toskana des Nordens

Rückwärtsgang 

Die Geschichte der Isabella lässt sich nicht ohne die Geschichte der Borgward-Gruppe erzählen. Die taugt nämlich zur Legendenbildung und deswegen gab es vor einigen Jahren mal den Versuch eines Erben, zumindest den Namen zu reaktivieren. Auch das ging nicht gut aus.

Doch neben dem Glanz der jungen Bundesrepublik steht Borgward auch für einen beispielhaften Crash, als das Wirtschaftswunder zu lahmen begann. Nicht umsonst gab es im letzten Jahr zu dem Thema einen Vortrag unter dem Titel „Mit Vollgas in den Konkurs“.

Wer die einschlägigen Foren und FB-Gruppen durchblättert, stößt immer wieder auf Verschwörungstheorien. Borgward sei das Opfer der missgünstigen Konkurrenz geworden. Meist wird Marke mit dem Stern in diesem Zusammenhang genannt. Was nach heutigen Maßstäben überrascht, ist die Geschwindigkeit, mit der die Borgward-Gruppe in den Abwärtsstrudel geriet und unterging. Gerade mal anderthalb Jahre dauert es von den ersten öffentlichen Schwierigkeiten bis zum Ende des größten Arbeitsgebers im Bremen der späten 50-er und frühen 60-er Jahre.


Vielleicht heißt die Beifahrerin Isabella, das Auto ist jedenfalls ein Llyod Alexander aus der Borgward-Firmengruppe.  

Gründer Carl F. W. Borgward war wohl das, was man damals einen Wirtschaftskapitän nannte. Ehrgeizig, einfallsreich, zielstrebig und eigenbrötlerisch. Er ist ein aufstrebender Mann aus einfachen Verhältnissen mit Ideen, der in der blühenden Fahrzeugbranche der 1920-er Jahre Stück für Stück den Aufstieg schafft. Aber das kann man besser bei Wikipedia nachlesen.

Mit der Holding die Steuer ausgetrickst

Als amtlicher Mitläufer musste er bis 1948 warten, bis er wieder die Hoheit über seine Betriebe bekam. Dann schuf er ein Konstrukt aus unterschiedlichen Unternehmen, die er in einer Holding zusammenfasste, um Gewinne und Verluste miteinander zu verrechnen. Viele kleine statt ein großes Unternehmen, andere haben Jahrzehnte gebraucht um auch auf diese Ideen zu kommen.

Wofür VW auch Jahrzehnte gebraucht hat, war für die Erkenntnis, dass man aus einer Gruppe heraus unterschiedliche Zielgruppen bedienen kann. Zur Borgward-Gruppe gehörten Goliath für gewerbliche Kunden, Hansa und Lloyd für die Klein- und Kleinstwagen und eben Borgward mit den Zielgruppen Freiberufler und andere Aufsteiger. 


Da muss man nicht lange überlegen. Der Hersteller steht in großen Lettern vorne drauf. Die Raute wurde 2015 als Markenzeichen nach China verkauft.

Dennoch kam es im November 1961 zur Insolvenz und im Frühjahr 1963 dann der Konkurs der gesamten Holding. Die Entwicklung der Arabella bei Lloyd hatte Unsummen verschlungen, der Absatz der Isabella auf dem wichtigen US-Markt brach aus ungeklärten Gründen zusammen, das Management kam mit der Krise nicht klar und der alternde Wirtschaftskapitän nicht mit den neuen Zeiten.

Der Zusammenbruch der Borgward-Gruppe war ein Schock für das Wirtschafwunderland. 10 Jahre später hätten die Bundesregierung und das Land Bremen bestimmt mit Geld um sich geworfen, um die Arbeitsplätze zu retten. Aber too big to fail war noch lange nicht erfunden.

Damit bleibt die tragische Erkenntnis, dass Borgward seiner Zeit vielleicht zu weit voraus war und ausgerechnet das hässliche Entlein Arabella, dass die Antwort auf die geänderten Kundenwünsche im aufkeimende Konsum-Deutschland sein sollte, die elegante Isabella zu Fall gebracht hat.  

   


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#thomaserinnertsich     #spätermehrdazu





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