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Vorsicht, sie wollen nur spielen

Mit den Zucchini Sistaz raus aus dem Corona-Blues

Besser kann ein Neustart nicht sein. Nach zweieinhalb Jahren Zwangspause waren die Zucchini Sistaz am Pfingstsamstag die ersten auf der Bühne der Kreuzgangkonzert Walkenried. Mit einer Mischung aus Swing, Rumba und Slapstick hat das Trio aus Münster den Corona-Blues innerhalb von Sekunden vertrieben. Am Ende stand die Gewissheit: Klatschen und Johlen macht allen Spaß, den Musikerinnen und dem Publikum gleichermaßen.

Wenn es jemanden gibt, auf dem die alte Weisheit "Entscheidend is' auf'n Platz" gilt, dann für diese Drei. Seit 13 Jahren gibt die Formation, aber auf der Habenseite steht nur ein Album. Aufgehoben wird das vermeintliche Manko durch eine Tourliste, die selbst in diesem Jahr so lang ist wie das Telefonbuch von Walkenried. Die Zcchini Sistaz zeichnen sich einfach durch eine Lust am Spielen aus, die nur wenige Ensembles in Deutschland aufweisen.

Die Rhythmusgruppe Balandat  
und Werzinger.
Das Trio muss man als Gesamtkunstwerk verstehen. Das beginnt schon mit dem Outfit. Die drei Damen sind in Grün in allen möglichen Schattierungen gekleidet, Das geht bis zum Lidschatten. Die Garderobe ist irgendwo verortet zwischen 30-er und 50-er Jahre. Es ist eine Hommage an die Dance Hall Days und ihre Leichtigkeit in schweren Zeiten. Anleihen bei den Andrew Sister sind wohl kalkuliert, inklusive des Chorgesangs mit drei Mezzosoprans. 

Inwieweit dies Ehrerbietung oder Persiflage ist, Vergangenheitsbewältigung oder Spiel mit immer noch bestehenden Klischees, das darf das Publikum selbst entscheiden. Das zahlreiche Augenzwinkern des Trios erleichtert die Entscheidung .

Das Programm startet mit Swing und es endet mit Swing, Dazwischen gibt es jede Menge lateinamerikanische Klänge und alles, was in der Mitte des 20. Jahrhunderts für Exotik stand. Aber auch Songs aus der Jahrtausendwende bewältigen die Drei mit der ihnen eigenen Leichtigkeit. Ausgerechnet mit "Monotonie in der Südsee" von Ideal durchbrechen sie ihr gewohntes Hochgeschwindigkeitsschema. Nur eine die Gitarre, ein Glockenspiel, drei Stimmen, dreimal Ahuga und zum Schluss ein Trompetensolo. Dieser NDW-Klassiker klingt so entspannt, dass man wünscht, der Song möge nie zu Ende gehen an diesem Sommerabend.

Mit der "Sentimentalen Reise" machen sie deutlich, dass dies vor allem ein Blues ist. Bei den Zucchini Sitaz klingt "Je veux" so, als wäre es für sie geschrieben worden. Das Prinzip ist einfach. Jule Balandat am Kontrabass und Gitarristin Tina Werzinger legen den Rhythmusteppich, auf dem Multiinstrumentalistin Sinje Schmittker mit verschiedenen Trompeten und Geräten unterschiedlichster Art glänzen darf. Nicht jeder kann eine Posaune klingen lassen wie ein Cabrio mit Startschwierigkeiten. Sinje Schmittker zeigt bei der Zucchini-Version von "Fun Fun Fun" wie es geht. Dafür bekommt sie reichlich Lob von den Mitbewohnerinnen der musikalischen WG.

Erst beim Calypso "Drinking Rum & Cola" durchbrechen sie das Schema. Jetzt darf auch Werzinger mal mit der Gitarre glänzen. Überhaupt macht dieser Hit der Andrew Sisters den doppelten Boden deutlich, auf dem das Trio steht. Schließlich geht es im dem Song um nichts anderes als um Prostitution, verkleidet in leicht verdauliche Musik, Überhaupt lohnt es sich, den Zucchini Sistaz bei ihren Wortspielereien genau zuzuhören. 

Doch der Höhepunkt des Abends ist die Abteilung Sehnsucht. Zurückhaltend kommt "La Mer" als langsamer Walzer daher, die Musik wogt wie die Wellen an der Côte d’Azur. Die Instrumentalisierung ist auf das Minimum beschränkt und Balandat, Werzinger und Schmittker glänzen mit ihren Stimmen. So klingt das Meer und nicht anders.

Beschreibung

La Mer, so und nicht anders klingt das Meer
Die Zucchini Sistaz wären ohne die Moderation von Jule Balandat nur ein halbes Erlebnis. Die drei Musikerinnen sind auch geborene Komödiantinnen. Das zeigen die zwei Slapstickeinblagen im Zeitlupentempo, mit dem sie die Erwartungen an Livemusik auf die Schippe nehmen.

Die Zucchini Sistaz spielen mit dem Publikum und das spielt begeistert mit. Die Rollenverteilung im Trio macht die Identifikation einfach. Da ist die gesprächige Jule Balandat als Leader of the Gang, tina Werzinger als Vamp und "Schnittchen" Schmittker als schweigsames Nesthäkchen, das man beschützen möchte.

Auf jeden Fall findet auf und vor der Bühne eine Symbiose statt, auf die alle viel zu lange verzichten mussten. Ein Konzert ist eben Interaktion, die bietet kein Streaming. Es wird deutlich, dass sowohl die Damen auf der Bühne als auch ihre Fans fast zu lange auf das Lebenselixier "Applaus" verzichten mussten. Aber nun gibt es reichlich davon und am Ende ist niemand mehr unterklatscht.







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