Direkt zum Hauptbereich

Familienkrach in höchsten Tönen

Händel Festspiele zeigen beeindruckenden Saul

Das Experiment ist gelungen. Mit der Aufführung des Oratoriums Saul haben die Händel Festspiele Hochkultur auf flachs Land gebracht und die Aufführung in der St. Blasius Kirche in Hannoversch Münden vereinte einen großartigen Chor mit einem fantastischem Orchester und begeisternden Solisten.

Händels Oratorium "Saul"  ist Musik wie für solche Orte gemacht. Die filigrane Tonkunst geht eine verzaubernde Symbiose mit den gotischen Architektur ein. Jeder Ton ist eine Perle und strebt himmelwärts nach ganz oben ins Kirchenschiff.

Händel wollte einst die Bibel in Musik umsetzen. Als  der Geist des Samuels von der Empoe der Orgel ruft, deutet diese Aufführung an diesem Ort an, wie Händels Vorstellungen wohl ausgesehen haben. Damit wird das vermeintliche Ausweichquartier St. Blasius zu einem deutlichen Gewinn für die Festspiele. Das macht schon die Ouvertüre klar.

Für dieses Werk aus seiner Reihe alttestamentarischer Oratorien strebte Händel ein Klangbild an, dass sich an der vermeintlichen Musik der Antike orientiert. Also wurde das Festspielorchester um weitere Blechbläser ergänzt. Zudem spielt auch die Orgel eine Nebenrolle.

Perfekt wird die Überraschung erst mit dem Glockenspiel und der Harfe. Laurence Cummings weiß diese einzusetzen, um Widersprüche zwischen Zorn, Prophezeiung und Vergebung, Machtstreben und Mystik deutlich zu machen.

Die Bevan-Schwestern als Kontraste.
Alle Fotos: Kügler
"Saul" erzählt die Geschichte vom Kampf um den Thron Israels. Diese endet für Vater und Sohn tödlich. Auf der einen Seite Amtsinhaber Saul, der sich in den Wahn steigert und final den Nachwuchs tötet.

Passend verkörpert wird diese Tragik von Markus Brück, der die für Händel seltene Chance nutzt und seinen Barion gekonnt in Szene setzt. Da dräut und droht es von Anfang an. Brücks grimmige Mimik macht klar, dass der König nicht bereit ist, hier auch nur irgendetwas abzugeben.  Seine Arie in der dritten Szene ist in Töne umgesetzt Entschlossenheit.               

Eric Jurenas als David setzt mit dem reinen Countertenor da schon stimmlich den Widerpart. Er braucht aber doch bis zu Szene fünf, um sein Potential zu entfalten. Da liefert eine Arie in den höchsten Tönen, der alle Spitzen fehlen.  Die einsetzende Harfe unterstreicht den Charakter des unschuldigen Jünglings, der nichts Böses im Sinn hat.

Doch das erste Ausrufezeichen setzt Mary Bevan. Die Einleitung durch den NDR-Chor im Andante kontert sie im Allegro. Der Huldigung des Gottes beendet sie mit ganz irdischen Tönen. Im Wechselspiel erarbeitet der Chor die ganz Palette von menschlichen Emotionen, um dann in einem überirdischen Halleluja zu enden.

Mary Bevan bestimmt auch die zweite Szene mit der Brillanz ihrer Huldigungsarie. Das sind schon Koloraturen der Extraklasse. Doch dann lässt Sophie Bevan als Merab einen Sopran erklingen, der in die Kategorie weich und lyrisch gehört.

Der Vortrag geht die Tonleiter rauf und runter und bleibt sauber und transparent. Das Lied strebt wieder himmelwärts. Damit leitet Sophie Bevan eine Teamleistung ein, die das Publikum in den Bann zieht. Somit gehört ihr Vortrag zu den Höhenpunkten der Aufführung.

Es ist schon erstaunlich, dass die Bevan-Schwestern ein solch breites Spektrum an Gesangsleistung bieten. Dabei zeigt Mary Bevan im Duett mit dem Glockenspiel am Ende der zweiten Szene auch ihre lyrischen Seiten. Auch das Wechselspiel mit den Flöten in der dritten Szene macht ihre Klasse deutlich.

Bei aller Fixierung auf die Opern in Göttinge, erinnert diese Aufführung doch daran, dass die Oratorien für Händel denselben Stellenwert haben. Der Äußerlichkeit des Musiktheaters setzt er hier tiefes Empfinden entgegen. Das Fazit ist das Gleiche. Am Schluss triumphiert die Liebe über den Ehrgeiz. Das macht diese Aufführung deutlich.





Material #1: Händel - Die Festspiele
Material #2: Saul - Die Inszenierung

Material #3: Saul - Das Oratorium
Material #4: Händel - Die Biographie

 








Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Erich Kästner mal als Skandalnudel

Deutsches Theater bringt Kästners Fabian auf die Bühne Kinderbuchautor und Komiker, das sind die Etiketten mit denen Erich Kästner gemeinhin beklebt wird. Aber er konnte auch ganz anders. Das beweist die Inszenierung seines "Fabian" am Deutsch Theater in Göttingen. Doch die Premiere hinterlässt einen gemischten Eindruck. Es sind unruhige Zeiten im Berlin Ende der 20-er Anfang der 30-er Jahre. Die Freiheit der Weimarer Republik trifft auf die Weltwirtschaftskrise. An jeder Ecke lauert die Entlassung. Die aufstrebenden Nationalsozialisten liefern sich Straßenkämpfe mit den Kommunisten. In diesen Zeitenwechsel hinein veröffentlichte Erich Kästner 1931 seinen Roman "Fabian.Die Geschichte eines Moralisten". Zuvor hatte der Verleger ihm einige Zugeständnisse abgerungen, damit das Werk überhaupt erscheinen konnte. Den ursprünglichen Untertitel "Der Gang vor die Hunde" bekam das Werk erst bei der Neuauflage 2013 zurück. Nicht nur inhaltlich auch stilistisc...

Endlich ist Korruption gleichberechtigt

Premiere auf dem schmalen Grat: Gogols Revisor im Deutschen Theater Göttingen Um mal ins Olympia-Sprech zu verfallen: Die Premiere von "Der Revisor" am 14. Februar im DT Göttingen war eine geschlossene Mannschaftsleistung und eine beeindruckende Perfomance. Alle Beteiligten waren auf den Punkt top-fit. Deswegen geht die Gold-Medaille zu recht an die Equipe von Regisseurin Ulrike Arnold. Raffgier ist ein ständiger Begleiter Die Vorlage des russischen Dramatikers Nikolai Gogol ist fast 200 Jahre alt. Doch die Inszenierung am DT Göttingen hat gezeigt, dass ihre Themen und ihre Akteure immer noch sind. Ein Stück zeitlos zu machen, indem man die treibenden Kräfte bloßlegt und aktuell hält, dass ist die hohe Kunst des Theater und das ist in dieser Aufführung durchweg. Dann auch noch mit einer Komödie, da doch Humor sehr zeitgebunden ist. Als falscher Revisor hat Marco Matthes (Mitte) leichtes Spiel mit den Provinzpromis.  Alle Fotos: DT Göttingen    Diese Kunststück ...

Dieter Nuhr offenbart sich als Menschenfreund in Vollzeit

In Goslar zeigt er Werke, die Distanz schaffen Seit dem Auftritt von Christo hat keine Werkschau in Goslar solch ein Aufsehen erregt. Dieter Nuhr stellt dort aus unter dem Titel „Du denkst an durchfahrene Länder“. Es geht um Menschen und Landschaft, denen der Mann vom Niederrhein auf seinen Reisen um die Welt begegnet ist.  Zur Vernissage am 21. Juli war der Garten im Mönchehaus Museum bis auf den wirklich allerletzten Platz belegt. Direktorin Bettina Ruhrberg und Dieter Nuhr machten im Einführungsgespräch deutlich, dass man den Kabarettisten und Künstler voneinander trennen sollte, auch wenn es nicht immer gelingt. Schließlich geht es um zwei Seiten derselben Person.  Dieter Nuhr begann sein Studium als Kunstlehrer 1981 an der Folkwangschule in Essen. Er wollte Künstler werden, sein Vater bestand auf den Lehrer. ein typischer Kompromiss für die alte Bundesrepublik der 70-er und 80-er Jahre. Dass er dann Kabarettist geworden ist, bezeichnete er als Unfall und dann als Glücksfa...