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Händel muss man einfach lieben

Auftakt der Festspiele mit Ruby Hughes und Laurence Cummings

Das Konzept hat sich bewährt. Mit kleiner Besetzung und großartiger Musik gab es am Freitag das Präludium zu den diesjährigen Händel-Festspielen. Unter der Überschrift „Händels letzte Primadonna“ sangen und spielten Ruby Hughes und Laurence Cummings im Muthaus der Burg Hardeg Werke von Händel, Arne, Ciampi und Smith.

„Magische Saiten“ ist das Motto der Festspiele 2019. Die englische Sopranistin macht daraus eindeutig ein magische Stimme. Bereits nach zwei Stücken stimmte ihr das Publikum zu, dass man Händel einfach lieben muss. Gekrönt wurde der Abend mit einem Laurence Cummings, der die ganze Pracht des Cembalos zur Geltung brachte.

Versprechen auf die Zukunft: Ruby
Hughes liebt Händel. Fotos: Kügler
Erst seit drei Jahren arbeiten Hughes und Cummings zusammen und haben doch schon ein erstaunliches Niveau an blinden Verständnis erreicht. Bei der Beschäftigung mit Händels sind sie immer wieder auf den Namen Giulia Frasci gestoßen. Auf der Liste der Primadonnen, die einst für Händel sangen, ist dies der letzte Eintrag. Deren Zusammenarbeit fällt in die Zeit, als Händel sich von der Opera seria abwendete. Er hatte das Oratorium als die passende Form für eine neue Innerlichkeit entdeckt.

Dementsprechend zurückhaltend war auch das Programm zusammengestellt. Schon mit „Crystals streams in murmur flowing“ aus dem Oratorium „Susanna“ zeigt Ruby Hughes ihre Ausnahmestellung. Wenn der Begriff „lyrisch“ auf Sopranistinnen angewendet werden darf, dann kann bestimmt auf die Engländerin. Weich und fließend ist ihr Vortrag, wirklich ein Murmeln der Kristalle.

Sie schafft dies mit einer einzigartigen Verzögerung der Töne, die zwei Millisekunden zu spät zu kommen scheinen, dann aber aufblühen wie eine Pfingstrose.  Dabei ist aber keine Verlust an Brillanz oder Dynamik zu beklagen. Jeder ist brillant gesetzt und alle bilden ein transparentes Klangbild. Es dauert keine drei Minuten und das Publikum ist eins mit dieser Welt.

Lebhafter zeigt sie sich dann in „There the brisk sparkling nectar drain“. Leichtfüßig springt sie die Tonleiter empor und verharrt auf einzelnen Stufen mit erstaunlichen Koloraturen. Ganz ohne Spitzen und weich mit der besungenen Nektar. Das ist Lautmalerei in einer anderen Dimension.

Mit der Suite Nr. 2 F-Dur macht Cummings deutlich, warum er zu den besten Cembalisten und Händel-Interpreten zählt. Der Vortrag ist leichtfüßig und die Pracht des Cembalos kontrastiert den bisher introvertierten Vortrag. Dabei bleibt die Melodieführung transparent und nachvollziehbar.
Manchmal schimmern Klänge durch, die man eher in einem simpel klingenden Synthie-Solo von Ralf Hütter oder Florian Schneider vermutet. Ein genialer Komponist trifft auf einen genialen Interpreten und die Grenzen von Zeit und Raum sind an diesem Abend aufgehoben.


Aber Frau Hughes kann auch anders. Spätestens mit „La per l’ombrossa sponda“ ist es vorbei mit der Innerlichkeit. In dem Stück von Vincenzo Ciampi geht es um Zorn und Verzweiflung. Nun ist  die Sopranistin ganz Primadonna. Alles weiche und runde wird hinweggefegt vom Sturm der Rache und es ist besser, ihr nicht im Wege zu stehen.

Dreigestirn der Barockmusik: Händel, Cummings und
Hughes.   Fotos: Thomas Kügler
Fast schon experimentell wird es nach der Pause mit Ausschnitten aus Händels „Theodora“. Einer kurzen Symphonie folgt ein Rezitativ, das mit einer Arie abgeschlossen wird. Alles in zwei Durchgängen und wieder trifft der Cembalo der Spitzenklasse und Gesang der Extraklasse. Hughes  zeigt jetzt die gesamte Bandbreite ihres Vortrags, bei man gelegentlich auch auch ein wenig Expressionismus erahnt.

Mit seinem leichten Spiel nimmt Cummings dem „Arrival of the Queen of Sheba“ alles majestätische. Statt mit Pomp wird die Ankunft der Regentin mit Fröhlichkeit gefeiert. Eine wahre Flut an Klängen ergießt sich in das Auditorium. Solch einen Besuch sieht und hört man gerne.
Mit „Will the sun forget to streak“ kehren bei Interpreten dann wieder in die Besinnlichkeit zurück. Damit schließt sich der Kreis und das Publikum ist begeistert vom Konzept und vom Vortrag.



Material #1: Händel Festspiele - Die Website
Material #2: Händels letzte Primadonna - Das Programm

Material #3: Laurence Cummings- Die Biografie

Material #4: Laurence Cummings -Die Website

Material #5: Ruby Hughes - Die Biografie
Material #6: Ruby Hughes - Die Website




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