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Gern gesehene Gäste

Das Bremer Kaffeehaus-Orchester beendete die 32. Saison der Kreuzgangkonzerte Das Jahr 2015 war für die Kreuzgangkonzerte ein Jahr mit wichtigen Änderungen und Weichenstellungen. Der musikalische Leiter Thomas Krause zeigte sich beim  Abschlusskonzert am Montag zufrieden mit dem abgelaufenen Jahr. Für 2016 versprach er einen Mix aus Bewährten und Überraschungen. Das letzte Wort im Kreuzgang hatte dann das Bremer Kaffeehaus-Orchester. Das Quintett begeisterte mit seiner Mischung aus Klassik, Swing, Rock und musikalischen Nonsens. Wenn man sich zur Silvester seit Jahren dieselben Gäste einlädt, dann hat man eine Vorahnung, was die Besucher so alles zu mitbringen werden, im Guten wie im Bösen. Ähnliches gilt für das Bremer Kaffeehaus-Orchester und ihr Gastspiel im Walkenrieder Kreuzgang. In Kategorien gedacht, gehört das Orchester aus der Hansestadt eher in die Schublade Bewährtes, das nicht vor Überraschungen schützt. Schließlich kommen die Männer um Constantin Dorsch seit 15 Jah...

Schlag nach bei Shakespeare

Auch außerhalb des Kulturpolygons gibt es sehenswerte Aufführungen. Auf Einladung von Dirk Schäfer war der Harzer Kritiker im Staatstheater Kassel. Hier ist seine Reisebericht. Ein quietschlebendiges Musical im Opernhaus  Beziehungsdramen haben wieder Konjunktur auf deutschen Bühnen. Dass man dies auch auf lebendige, unterhaltsame und gleichzeitig nachdenkliche Weise machen kann, beweist derzeit Tom Ryser mit "Kiss me, Kate" im Kasseler Opernhaus. Seine Inszenierung sprudelt über vor Ideen und Einfällen. Sie lebt von der Begeisterungsfähigkeit des Ensembles und von zwei Hauptdarstellern, die das vorgeschriebenen Katz-und-Maus-Spiel fast zur Perfektion treiben. Das Musical von Cole Porter, Simon und Bella Spewack ist das Paradebeispiel für eine Stück-im-Stück-Konstruktion. Tom Ryser denkt dieses Prinzip so weit zu Ende, dass die Grenzen zwischen Rahmen- und Binnenhandlung für den ungeübten Zuschauer gelegentlich verschwinden. Das Bühnenbild von Mayke Hegger leistet dabe...

Showdown auf der Tanzfläche

"Die Kaktusblüte" gedeiht prächtig am TfN Seien wir doch mal ehrlich. Komödie ist das schwierigste der dramatischen Fächer weil die Grenze zwischen Genuss und Peinlichkeit so verdammt dünn ist. Mit seiner Inszenierung von "Die Kaktusblüte" am Theater für Niedersachsen beweist Karl-Heinz Ahlers, dass er dieses Fach beherrscht. Er erzählt die Dreiecksgeschichte von Pierre Barrillet und Jean-Pierre Grédy mit viel Tempo und einer seltenen Leichtigkeit. Ahlers gelingt mehr, als nur das Lebensgefühl der Swinging Sixties herbeizureden.  "Die Kaktusblüte" am TfN ist eine komplette Inszenierung, nicht zuletzt dank des großartigen Bühnenbildes von Andrea Jensen und der gleichermaßen großartigen Ausstattung von Eva-Maria Huke. Nicht zu vergessen das Ensemble, das in seiner Spiellaune und Leistung durchweg glänzt. Es gibt nicht eine Rolle, die im Vergleich zu anderen abfällt. Das Gesamtpaket bietet pure Lust an guter Unterhaltung. Antonia verlangt von Julian ...

Letzte Ausfahrt Sehnsucht

Lauter überzeugende Leistungen in “Der Zarewitsch” am Theater Nordhausen   Schwungvolle Musik, bunte Kostüme, opulente Bühnenbilder und raumgreifende Tanzszenen. Dazu Frauen, die sich an starken Männerschultern ausweinen, ein Diener, der den Kaspar spielt und eine Ehefrau als Xanthippe. Das sind die Zutaten in der Oper “Der Zarewitsch” und die Inszenierung von Holger Potocki am Theater Nordhausen überzeugt als Unterhaltung auf hohem Niveau. Die Geschichte ist nicht neu und an anderer Stelle schon in vielen Variationen erzählt worden. Mann liebt Frau, Frau liebt Mann, doch ihre Liebe entspricht den Erwartungen ihres Standes und somit endet die Liebe tragisch. In dieser Operette ist es der Zarewitsch Aljoscha, der Sohn des Zaren, der auf die Tänzerin Sonja trifft und sich vom Frauenhasser zum enthusiastischen Liebhaber wandelt. Kurzfristig werfen beide die Konventionen über Bord und fliehen nach Neapel. Doch als der Za...

Der Gesang der Lerche

BarrocoTout stellt sich im Kloster vor Wenn die Zukunft der Alten Musik so aussieht, dann muss sich über den Barock keine Sorgen mehr machen.  Im Rahmen des eeemering-Projeklts stellte sich BarrocoTout aus Belgien mit einem Konzert im Kreuzgang vor. Was bleibt, war der Eindruck eines jungen Ensemble mit erfrischender Herangehens, von dem man sicherlich noch viel mehr hören wird. Was BarrocoTout so bemerkenswert macht, ist die Instrumentierung und die Spielweise, die ein transparentes und filigranes Klangbild erzeugen, das immer wieder die Assoziationen an einen hellen Frühlingsmorgen voller Vogelgesang wecken. Wenn Lerchen Instrumentalmusik machen würden, dann würde sie wohl so klingen. Dabei lässt sich dieses Klangbild an zwei Personen festmachen. Da ist zum einen Carlota Garcia an der Traversflöte. Im Gegensatz zur metallischen und spitzen Cousine Querflöte zeichnet sich das Holzblasinstrument durch einen weichen und runden Klang aus, der gelegentlich auch ins Meditative hi...

Ein Universum implodiert

Theater für Niedersachsen macht Mannsche Fabuliersucht und theatralische Dramatisierung, kann dass überhaupt zusammenpassen? Bereits vor zehn Jahren lieferte John von Düffel eine Bühnenversion der “Buddenbrooks”, Bettina Rehm hat am Theater für Niedersachsen daraus das spannende Psychogramm einer Familie gemacht, deren Universum implodiert. Ein Mensch liegt gekrümmt auf den Boden, eine Frau in Dienstkleidung verrichtet einfache Hausarbeiten, aus dem Off kommt eine Stimmen. Die Aufführung beginnt einfach so, ohne Vorhang und ganz beiläufig. Der Zuschauer schlittert in die Geschichte, er beobachtet zwei Menschen in einem intimen Moment und in einem banalen Moment. Das Publikum wird zu Voyeur. Mit diesem Einstieg bändigt Regisseruin Bettina Rehm die Angst vor diesem Monument der deutschsprachigen Literatur. Zentralgestirn der Aufführung ist das Familienbuch, in dem die Geschwister Antonia und Thomas so gerne lesen. Seit Jahrhunderten notieren die Familienoberhäupter darin die Zeiche...

Ein opulentes Märchen mit Musik

"Gold!" im Theater unterm Dach Der härteste aller Kritiker war mal wieder unterwegs. Auf dem Spielplan stand "Gold!" von Leonard Evers, ein Märchen für zwei Schauspieler und zwei Musiker. Die Inszenierung von Bianca Sue Henne überzeugt mit vielen Einfällen, visueller Opulenz und dem märchenhaften Bühnenbild von Wolfgang Rauschning. Das Libretto von Flora Verbrugge folgt dem Märchen vom Fischer und seiner Frau. Es ist eine Geschichte von Glück, Gnade, Gier und der Katastrophe, die alles wieder ins Reine bringt, einen vermeintlich natürlichen Zustand wieder herstellt. Fast alles ist wie immer, aber nur fast. Denn  neben den modernen Zutaten wie Auto und Weltreisen hat das Autorenpaaren noch zwei wichtige Ergänzungen beigesteuert. Jakob fängt den Fisch. Fotos: Tilmann Graner   Zum einen gibt es einen Perspektivwechsel. Träger der Handlung ist nicht der Fischer. Er und seine Frau sind die Eltern von Jakob. Er fängt den verzauberten Fisch und aus der Sicht d...