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Das neue Leiden der Familie W.

Ein Fluchtdrama: Die Legende von Sorge und Elend Unter dem Sofa hat jede Familie ihre eigenen Sprengstoff versteckt. Nicht bewältigte Konflikte können solch einen Verband sprengen, auch nach dreißig Jahren. Das sind die Kernbotschaften von Sören Hornungs "Die Legende von Sorge und Elend". Die Uraufführung ist das Hauptstück des diesjährigen Festivals Theaternatur. Zum fünften Geburtstag hat man sich in Benneckenstein damit eine Auftragsarbeit gegönnt. Angesichts der historischen Ereignisse lag das Thema "Grenze und Mauer" auf der Hand. Bevor die Politik im Herbst ihre Stellung einnimmt, wollte man ein Statement auf künstlerische Ebene abgeben. Sören Hornung scheint der geeignete Mann. Schließlich gilt der 30-jährige Berliner als Fachmann für unbewältigte Vergangenheiten. Für die Legende hat er in der Region umfangreiche Recherchen vorgenommen. Doch seine Mischung aus Fiktion und Historie stößt an die Grenzen der "oral history". Das Bühnenbild Es...

Musik an einem verzauberten Ort

Die vier Evangcellisten gastieren bei Theaternatur Das Cello gehört zu den Instrument, die am häufigsten unterschätzt werden. Das bewies das Konzert der Evangcellisten beim Theaternatur-Festival. Erst nach zwei Zugaben entließ das Publikum die Musiker von diesem verzauberten Ort. Es ist eine Szenerie so surreal wie ein Film von Bunuel. Mitten zwischen hohen Fichten steht eine Bühne, darauf vier Notenständer und vier weiße Stühle. Eine weiße Wand blockiert den Blick ins Dunkelgrüne und lenkt die Aufmerksamkeit ganz auf die Musiker. Ein Quartett mit Kammermusik ist der Ausdruck häuslichen und heimischen Musikgenuss.Dies nun in die Natur zu verlegen, baut einen Kontrast auf, der diesen Ort verzaubert Eine Szenerie wie bei Luis Bunuel: Celli mitten im Wald.     Alle Fotos: Kügler Die vier Evangcellisten haben vor 11 Jahren zusammengefunden. Fügung oder Zufall, ihre Vornamen gleichen denen der Evangelisten. Als ost-westdeutsches Ensemble, deren Mitglieder auch noch...

Ein wahres Volksfest auf Rädern

Zwei Tage unterwegs in einer Legende  Dreimal bei Rot über die Ampel, fahren ohne Gurt und zum Schluss auch noch hupend durch die Fußgängerzone. Eigentlich müsste ich meinen Führerschein los sein. Aber weil ich alles das unter Polizeischutz getan habe, darf ich ihn behalten. Etwa dreihundert Fahrerinnen und Fahrer haben sich am Sonntag in Einbeck genauso verhalten. Schließlich waren Oldtimer Tage und der Autokorso der Abschluss der Feierlichkeiten zum fünften Geburtstag des PS.Speichers. Die Veranstaltung ist so etwas wie ein Volksfest auf Rädern und es wird immer größer. Im letzten Jahr waren 270 Wagen am Start, in diesem Jahr sollen es deutlich über 300 gewesen sein. Wie viele Zuschauer es waren, kann man nur schätzen. Gefühlt waren es zehntausend, die zum Teil in Dreier-Reihen am Straßenrand standen und dem Tross zujubelten. Manche hatten sich auch Campingstühle und Tische dafür in den Vorgarten gestellt. Wenn dann die La-Ola durch das Publikum ging, dann feierte man sic...

Dem Tod die Stirn bieten

Ewig jung: Eine grandiose Komödie Bitterböse und eigentlich zutiefst traurig, aber dennoch ein folgenschwerer Angriff auf die Lachmuskeln ohne dabei in den Klamauk abzudriften. Die Uraufführung von "Ewig jung" im Neuen Globe in Schwäbisch Hall hat das Zeug zu einem Klassiker. Das liegt an der überzeugenden Inszenierung ebenso wie an den großartigen Schauspielern. "Wir sind die letzten von hundertzehn - wir warten bis die Zeit vergeht", dichtete einst Herwig Mitteregger für Spliff in "Deja vue". Diese fünf Akteure sind zwar die letzten ihrer Art, aber alles andere als passiv. Das macht die Komödie von Erec Gedeon glich zu Anfang deutlich Wir schreiben das Jahr 2059. Vierzig Jahre nach der Eröffnung des Neuen Globes treffen sich die letzten Überlebenden der Erstbesetzung. Es sind die Damen Becker und Hanimyan und die Herren Eickelmann, Friedrich, Kraus und Weiler. Regelmäßig treffen sie sich zur Vergangenheitsbewältigung der besonderen Art. Dazu kommen...

Fliegen, singen und tanzen

Götz Alsmann mit Italiens Zauber bei den Kreuzgankonzerten Italien liegt in Südamerika, zumindest musikalisch. Das bewiesen Götz Alsmann und Band beim Musiksommer der Kreuzgangkonzerte. Dabei war das Konzert gar keins sondern eine große Show im traditionellen Stil. Drei Städte und ihr musikalisches Vermächtnis haben Alsmann und Band in den letzten Jahren abgearbeitet. Nach Paris und New York war nun Rom dran. Sie haben sich des Canzone angenommen, des italienischen Schlagers der 50-er und 60-er Jahre angenommen. Zu der Vorlagen gab es nicht nur deutsche Texte sondern eben auch  jede Menge Mambo, Rumba und Latin Jazz, die Musik der 50-er Jahre eben. Das hat schon eine gewisse Logik und macht manches erst genießbar. Farbenfroh: Die Band von Götz Alsmann. Alle Fotos Kügler Alle Programme haben Alsmann und Band in den letzten Jahren in Walkenried vorgestellt. Damit wurde das Publikum Zeuge der musikalischen Entwicklung und die ging eindeutig in Richtung entspannt und souver...

Die Meister aller musikalischen Klassen

Canadian Brass eröffnen den Musiksommer 2019 Sie bezeichnen sich ganz schlicht als die berühmteste Brass Band der WElt. Warum etwas dran sein kann, bewiesen Canadian Brass am Donnerstag auf der Open Ait im Kreuzgang. Sie brachten neue Klangfarben ins Spiel und zeigten, dass Brass nicht nach Blech klingen muss,sondern auch rund und weich sein kann. Dabei zeigte sich das Quintett als Meister aller Klassen. Jazz, Barock oder Folk, die vier Kanadier und ihr griechischer Posaunist beherrschen fast alle Genres und mischen sie munter. Schließlich geht es darum, zu zeigen, dass Musik grenzenlos Spaß macht. Das Quintett beginnt als Marching Band und ziehen von links in den Kreuzgarten und auf die Bühne. Der Hot Jazz sorgt für gute Laune. Chuck Daellenbach macht die Begrüßung und kündigt die nächsten Stücke an. Der Mann gehört zu den Gründungsmitgliedern von Canadian Brass und ist seit 1970 dabei. Alle fünf auf einen Blick. Alle Fotos: Kügler Dreimal frühe Barockmusik ist angekündi...

Das Schicksal läutet mit viel Musik

Der Glöckner von Notre Dame bei den Domfestspielen Ist dass noch ein Drama oder schon ein Musical? Auf jeden Fall inszeniert Achim Lenz den "Glöckner von Notre Dame" mit viel Musik. Das Werk nach dem Roman von Victor Hugo wird zu einem Lehrstück über die Angst vor dem Anders sein. Dabei liegen die Überraschungen in den Details und den Nebenrollen. Trotz der musikalischen Leichtigkeit schafft es Achim Lenz seiner Inszenierung Tiefe zu verleihen. Es um die Macht über Andere, um Mitgefühl, um Erwartungen und um die Schwierigkeit, die Andersartigkeit des Gegenübers zu ertragen. Wie eine Gänseschar zieht eine Gruppe Touristen vor das Domportal. Fremdenführer Jan Kämmerer rattert die Daten zu Notre Dame runter, er zieht sein Programm durch. Die Gruppe interessiert ihn nicht. Aber immer wieder scheucht er die Gästeschar vor sich her. Er hat sie im Griff, die Masse lässt sich lenken. Damit gelingt Kämmerer ein unterhaltsamer Auftakt. Später wird er als Poet Pierre diese Leist...