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Zirkus geht auch unplugged

Mitmach-Zirkus Zeppelini präsentiert sein neues Pogramm

Eine Diät kann segensreiche Folgen haben. Das gilt auch für eine Zirkus-Show. Mit "No money - pure honey" haben die Zappelinis ein Programm erarbeitet, dass sich auf das Wesentliche konzentriert und das sich verzaubert. Premiere war am Sonnabend im Theater Nordhausen.

Das ganze Programm spricht für viel Miteinander.
Alle Fotos: tok
Zum 20. Geburtstag zeigte der Mitmach-Zirkus im letzten Jahr eine farbenfrohe und teils atemberaubend Show. Viele ehemalige Weggefährten und auch professionelle Kräfte hatten damals ein spektakuläres Feuerwerk der Zirkuskunst gesorgt. "No money - pure honey" is der Gegenentwurf dazu. Geboren aus der finanziellen Not haben Steffi Böttcher und ihre Mitarbeiter eine Tugend gemacht, um eine weitere Floskel zu bemühen.

Es gibt keine neuen Köstüme, es gibt kein Bühnenbild und auch die Musik ist sehr reduziert. Es ist ein sehr ehrliches Programm. "No money - pure Zappelini" müsste es heißen. Die paar alten Kostüme, die einige Kinder mitgebracht haben, werden gleich zu Vorstellungen auf Kleiderbügel gehängt, dann verschwinden sie in den Bühnenhimmel. Keine Fassaden mehr, alle tragen Alltagskleider, alle sind ungeschminkt.

Irgendwann steigen sie dann doch auf die Räder.
Foto: tok
Das Programm bleibt auf dem Boden. Selbst die Akrobatik ist weitestgehend der Erde verhaftet. Es wird viel jongliert und die unvermeidlichen Clowns kommen natürlich auch vor. Zwei Breakdance-Nummer zeigen ein Stück jugendliche Alltagskultur. "No money" zeigt, dass, was man mit Kindern und mit jugendlichen Amateuren machen kann und es zeigt, was Kinder und Jugendliche machen wollen. Somit ist es ein ehrliches Programm.

Die finanzielle Beschränkung hätten einfach dazu geführt, dass die Zirkusmitglieder über sich selbst nachgedacht haben, sagt der Moderator zu Anfang. Das merkt man, denn die Nummer, ob nun Jongelage, Akrobatik oder Clownerie, zeugen von grenzenlosen Vertrauen auf den anderen. Immer wieder werden Pyramiden gebaut.

Aber ganz auf "Atem anhalten" wollen die Zappelini dann doch nicht verzichten. Es gibt dann doch drei Nummern mit Vertikaltuch, Vertikalseil und Reifen. Damit sind auch die Traditionalisten zufrieden.

Ein wenig Atem anhalten gibt es dann
doch noch.
Denn dieses Programm ist auch ein Spiel mit dem Horizont des Zirkuspublikums. Das machen die Clowns mit der Jongelage-Nummer und mit der Hut-Nummer deutlich. Immer wieder wecken sie Erwatungen der Marke "Jetzt kommt gleich", dann halten sie inne und dann kommt doch was anderes. Oder zum Auftakt der Einrad-Nummer. Die Zappelinis veranstalten alles mögliche mit dem Sportgerät, nur keine Radfahrten. Schön, wenn man sie so etwas traut.

Eigentlich gibt es kein Bühnenbild. Schwarze Vorhänge grenzen lediglich die Aktionsfläche gegen das Bühnenhaus ab. Davor sind die Instrumente und die Zappelini platzieret, die auf ihren Einsatz warten. Sie bieten Unterstützung und doch erinnert die Szene ein wenig an die Arena eine Battle in der Disziplin Mitmachzirkus.  Es gibt auch keine großartigen Lichtshows, die Scheinwerfer tauchen die Bühne in ein ehrliches Licht, die Beleuchtungswechsel halten sich in bescheidenen Grenzen.

Auch die Musik ist reduziert. Mal greift die Gitarre das Löwenzahn-Motiv auf, mal stampfen die Jugendlichen "We will rock you", mal wird getrommelt. Ein Saxofon-Solo gibt es zum Schluss. Es sind selten mehr als zwei Instrumente im Einsatz und abgesehen von der E-Gitarre sind sie alle unplugged. Musik unplugged zum Zirkus unplugged, das ist logisch. Es entwickelt sich sogar eine Poesie, eine karge, aber ehrliche Lyrik steckt in diesem Programm. Ein wenig erinnert Zappelini damit an die Wiedergeburt des Zirkus durch André Heller und Roncalli. Doch wo diese damals auf Opulenz setzten, überzeugen die Nordhäuser mit der Reduktion. Die Analyse "Arm, aber sexy" passt hier.

Ein Mann und sein Saxofon.
Doch, es ist ein lyrischer Abend. Denn die Zappelinis üben sich in einer weiteren Disziplin. Verglichen mit dem Redeschwall sonstiger Zirkusabende ist "No money - pure honey" eine 80 minütige Pantomime. Die Sprache ist auf komödiantische Momente beschränkt und das Programm, die Darbietungen sprechen für sich selbst.

Das Vorrecht der Rede bleibt zum guten Schluss dem Zirkusdirektor Tom Landsiedel vorbehalten. Der Vorsitzende des Trägervereins erläutert noch einmal die finanzielle Situation. Aber lädt auch zur Einweihung des eigenen Zirkuszelts am 21. Mai ein. Dann geht ein Traum in Erfüllung, der 20 Jahre lang gehegt wurde.

Am 1. Juni führen die Zappelinis ihr Programm "No money - pure honey" noch einmal im Theater Nordhausen auf.





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Spielplan im Theater Nordhausen

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