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In 80 Bildern um die Welt

Reisebilder Sehnsuchtsorte im Kunsthaus Meyenburg Die Durststrecke hat 16 Monate gedauert, nun ist sie beendet. Am Sonnabend eröffnete im Kunsthaus Meyenburg die neue Sonderausstellung. Unter dem Titel “Reisebilder Sehnsuchtsorte” sind 80 Werke zu sehen, die sich in unterschiedlicher Form mit dem Fernweh beschäftigen.  In ihrer Begrüßung erinnerte Bürgermeisterin Jutta Krauth an Einschränkungen des letzten Jahres. So musste sie die letzte Vernissage im März 2020 noch persönlich absagen und die Gäste nach Hause schicken. Deswegen sei es umso schöner, dass man zwar in begrenzter Zahl aber doch gemeinsam eine Ausstellung eröffnen könne. Wenn man im letzten Jahr etwas gelernt habe, dann wie wichtig es ist, aufeinander Acht zu geben. In diesem Sinne wünschte sie den Zuhörerinnen und Zuhörern einen unbeschwerten Kunstgenuss.  In seiner Einführung erinnerte Dr. Michael Grisko von der Sparkassen-Kulturstiftung daran, wie sehr sich das Reisen in den letzten Jahrzehnten verändert hat. D...

Zwischen Poesie und Klamauk

Duo Mimikry im Zappelini -Zelt Die sogenannte Kleinkunst hat es schwer, besonders in Zeiten der Pandemie. Auf jeden Fall hätte der Auftritt des Duo Mimikry im Zappelini-Zelt mehr Publikum vertragen. Mit dem Programm "Tasty Biscuits" haben Rocher und Liermann gezeigt, wo die Messlatte für Pantomime heutzutage hängt, nämlich sehr hoch.  Es ist schon eine unverschämte Koketterie zu behaupten, man sei die schlechtesten Pantomimen der Welt. Das mag stimmen, wenn man die Maßstäbe der 70-er Jahre anlegt. Aber wer macht das? "Visual comedy" nennen die beiden Berliner ihr Konzept. Aber es geht nicht nur um Lacher sondern auch um Emotionen, die die beiden so fast ohne Worte darstellen. Das ist sicherlich nicht für Feingeister, denn die Gesten sind in der Regel raumgreifend und die Gesichter plakativ. Oft genug poltert und klappert es aus dem Hintergrund. Doch das Duo kann ganz auf die Ausdruckskraft ihrer Körper und Bewegungen vertrauen und auf Requisiten verzichten. Das Publ...

Der Prinz kommt jetzt mit der Solo daher

Uraufführung am DT: So monoton kann das Leben an der Leine sein Sie haben es mal wieder getan Zum dritten Mal innerhalb eines Jahres haben Antje Thoms und Florian Barth ein sehenswertes Statement zur Corona-Pandemie abgegeben. Nach den Experimenten "Die Methode" und "DT Tankstelle" ist mit "Mode nach Madrid" am Deutschen Theater in Göttingen ganz den klassischen Theatermitteln verhaftet. Statt mit aufregenden Techniken überzeugt dies Musikrevue eher mit schlüssigen Charakteren. Selten wurde Monotonie so gut inszeniert. Es wirkt wie das "Warten auf Godot" in Corona-Zeiten. Hinter der durchdachten Sammlung popkulturellen Zitaten stecken lauter kleine Geschichten, die erzählen, wie die Corona-Krise Tausende von Biografien umgeworfen hat. Die bitterböse Satire zeigt, wie Lebensläufe entwertet wurden. Manchmal bleibt einem das Lachen im Halse stecken, bei so viel Realitätsnähe Es ist schon eine seltsame Gesellschaft, die sich im Reisebüro "Bon Vo...

Gegen das Sedativum

Deutsches Theater Göttingen eröffnet “Tankstelle”  Das DT Göttingen hat noch einmal ein starkes Zeichen gesetzt und Theater in Corona-Zeiten neu definiert. Am Freitag eröffnete es die “Tankstelle” und mit diesem analogen Stück verabreichen Antje Thoms und Erich Sidler ein Gegengift gegen das Sedativum “streaming”. Geöffnet ist die Tankstelle täglich von 16.30 bis 18.30 Uhr. Am Karfreitag ist geschlossen.  Es scheint, als wäre ein Ufo am Wall hinter dem Deutschen Theater gelandet. Die Container, die sonst als Proberäume dienen, sind im Chick der 60-er Jahre verkleidet. Davor stehen Zapfsäulen aus derselben Zeit. Wer dicht genug herangeht, kann nicht nur “Blasenfrei zapfen” lesen, sondern auch riechen, dass die Geräte wirklich mal in Gebrauch waren.  Dort, wo am Turm sonst die Preise für den Treibstoff stehen, werden heute “Begegnung”, ”Musik”, “Appetit”, “Beweglichkeit” und “Liebe” angepriesen. Menschen in roten Overalls schwirren umher. Das Bodenpersonal macht die Ill...

Keine gute Krise ungenutzt lassen

 Die Internationalen Händel-Festspiele Göttingen werden auch in diesem Jahr nicht zum gewohnten Termin rund um Pfingsten stattfinden. Das Festival wurde auf den September verlegt.  Herr Wolff, wie schwer ist Ihnen die Entscheidung zur Verschiebung gefallen? Nicht so schwer wie die Entscheidung im letzten Jahr. Die Situation war zu erwarten. Wir haben mit dem Aufsichtsrat seit Dezember immer wieder getagt. Und weil die Impfungen nicht so schnell vorangehen wie erhofft, haben wir uns nun zu diesem Schritt entschieden. Dabei spielen die Reisebeschränkungen für unsere Künstlerinnen und Künstler und auch unsere Gäste eine weitere Rolle. Niemand kann absehen, wie diese sich in den nächsten Wochen entwickeln. Zudem fehlen uns von einigen Spielstätten noch die Zusagen. So konnten wir den geplanten Vorverkauf im März nicht starten. Wir hätten bestenfalls regionale Händel-Festspiele feiern können. Aber das ist nicht unser Anspruch. Wir wollen ein internationales Festival sein.  Was...

Getanzter Zorn

Die Räuber zwischen Kain, Abel und Ödipus Mit einer Räuber-Trilogie wollte Olaf Graf in sein Amt als Intendant des TfN starten. Nach Schauspiel, Oper, defekter Brandschutzanlage und geflutetem Theater feierte nun der letzte Teil des Triptychon Premiere im Ausweichquartier "Halle 39". Die Räuber-Choreografie von Marguerite Donlon lässt staunen und macht atemlos.  Sie ist vor allem rasant und schnell, und bringt doch neue Perspektive. Donlon präsentiert eine neue Version von Kain und Abel und von der verlorenen Unschuld. Damit steht am Ende die Gewissheit, dass die Geschichten mit dem alten Grafen, seinen Söhnen und der schönen amalia nicht anders als tödlich ausgehen kann. Franz hat den Vater in der Gewalt.  Alle Fotos: Quast Seelenleben oder Erzählballett? Innerlichkeit oder Action? Die Wahlberlinerin verknüpft in ihrer Choreografie beide Möglichkeiten und die vier Tänzer und Annick Schadeck als Amalia setzen dies einsdruckvoll um.  Das verwundert nicht, denn ...

Flucht vor sich selbst

 "Die Winterreise" als Ballett im Theater Nordhausen Meistens kommt es anderes als man manchmal denkt. Mit einer Aufführung von "Die Winterreise" als Ballettabend hat sich das Theater Nordhausen in die Winterpause verabschiedet. Dabei überzeugt die Choreographie von Ivan Alboresi owohl sie doch einige Längen aufweist.  In diesem Jahr diktiert erstmal das Corona-Virus den Spielplan. Eigentlich wollte Alboreso die "Carmen" in Szene setzen, doch die zahlreichen Auflagen stoppten das Vorhaben. Doch "Die Winterreise" mit der Musik von Franz Schubert ist mehr als nur Ersatz. Sie passt besser in diese Zeit als die extrovertierte und erotische Carmen. Mit der affektierten Larmoyanz und dem maßlosen Selbstmitleid in einer konstruierten Realität, die mit der Wirklichkeit nur bedingt deckungsgleich ist, ist die Winterreise die Vorlage für die aktuelle Gemütslage. Statt des grandiosen und tödlichen Finale der Carmen gibt es hier endloses Siechtum.  Mal eine ...